Im Seattler Stadtteil SoDo, dem Viertel südlich der Innenstadt, steht die Westland Distillery, eine der bekanntesten Brennereien für American Single Malt. Gegründet wurde sie 2010 von Emerson Lamb und Matt Hofmann; seit der Übernahme Ende 2016 gehört sie zu Rémy Cointreau. Westland setzt auf Malzsorten aus dem Nordwesten, ein ungewöhnliches Hefeprofil und eine große Bandbreite an Fässern, darunter solche aus der heimischen Garry-Eiche. Außerdem gehörte die Brennerei zu den Antreibern der Debatte, was sich in den USA überhaupt American Single Malt nennen darf.
Überblick
- Name: Westland Distillery
- Ort: Seattle (Stadtteil SoDo), Washington, USA
- Gegründet: 2010 (je nach Quelle erster Brand 2011)
- Region: Pazifischer Nordwesten
- Besitzer: Rémy Cointreau (Übernahme Dezember 2016 angekündigt)
- Typ: American Single Malt Whiskey aus 100 % Gerstenmalz, Pot Stills mit Kolonnenaufsatz
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2010 | Emerson Lamb und Matt Hofmann gründen Westland in Seattle; Hofmann hatte zuvor an der Heriot-Watt University in Edinburgh studiert |
| 2011 | Der erste Brand läuft im Juni; das erste Garry-Eiche-Fass wird noch im selben Jahr befüllt |
| 2012 | Umzug in eine ehemalige Kranfabrik im SoDo-Viertel, der Umbau dauert rund 18 Monate |
| 2013 | Die erste Abfüllung kommt auf den Markt, eine kleine 375-ml-Flasche namens The Deacon Seat, die inzwischen nicht mehr erhältlich ist |
| 2015 | Emerson Lamb verlässt laut Fachpresse das Unternehmen, Hofmann bleibt |
| 2016 | Die American Single Malt Whiskey Commission entsteht mit Westland als Gründungsmitglied; die erste Garryana-Edition erscheint (je nach Quelle 2016 oder 2017) |
| 2016/17 | Rémy Cointreau kündigt im Dezember 2016 die Übernahme an, der Abschluss war bis Jahresende erwartet |
| 2024/25 | Die US-Behörde TTB legt den Standard für American Single Malt fest, der Anfang 2025 in Kraft tritt; 2025 folgt mit Garryana 10 die erste Abfüllung mit Altersangabe |
Besonderheiten bei der Herstellung
Malz und Gärung
Westland arbeitet mit mehreren Malzsorten statt mit einem einzigen Gerstenmalz. Fachberichte nennen Pale- und Munich-Malz aus Washington, Extra-Special-Malz aus Wisconsin sowie Brown- und Pale-Chocolate-Malz aus Großbritannien, für getorfte Abfüllungen kommt Torfmalz aus Schottland dazu. Gerstenmalz aus Skagit Valley spielt ebenfalls eine Rolle. Vergoren wird nach einem Bericht mit einer belgischen Saison-Hefe über etwa vier bis sechs Tage.
Brennblasen
Die Anlage besteht nach Berichten aus zwei Kupfer-Pot-Stills von Vendome: einer Wash Still von rund 7.600 Litern und einer Spirit Still von rund 5.700 Litern. Beide tragen einen Kolonnenaufsatz, die Wash Still mit Böden, die Spirit Still ohne.
Fässer und Garry-Eiche
Westland füllt in Standardfässer ab, viele stammen laut Bericht von der Independent Stave Company. Es kommen mehr als 40 Fassarten zum Einsatz, darunter ehemalige Bourbon-, Sherry- und Portweinfässer. Die Garryana-Reihe nutzt Holz der Garry-Eiche (Quercus garryana), die im Nordwesten heimisch ist. Das Holz gilt als schwer zu verarbeiten und liefert viel Gerbstoff, weshalb jede Edition anders zusammengesetzt ist. Die zehnte Edition (2025) kombiniert Garry-Eiche mit Wein-, Rum- und Bourbonfässern und wird mit 50 % ohne Kühlfiltration abgefüllt.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Westland American Single Malt | 46 % | Das Flaggschiff aus fünf Malzen und gemischten Fässern: Malz, Obst, Gewürz und Eiche |
| Westland Peated | 46 % | Teilweise aus getorftem Malz, rauchiger als das Flaggschiff |
| Westland Sherry Wood | 46 % | Reife in Sherryfässern: Trockenfrucht, Nuss und Gewürz |
| Westland Garryana (Edition 10) | 50 % | Wechselnde Edition mit Garry-Eiche, Wein- und Rumfässern; dichter und würziger |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Westland Flagship American Single Malt Whiskey.
Stil & Wiedererkennungswert
Westland steht für einen Single Malt, der weder Scotch kopieren noch Bourbon imitieren will. Die Mischung aus mehreren Malzen, Saison-Hefe und Fässern von Bourbon bis Garry-Eiche führt zu einem Profil mit Malzsüße, Frucht und Würze. Dazu kommt die Rolle als Gründungsmitglied der Kommission, die nach Angaben mehrerer Quellen 2016 entstand und sich für eine amtliche Definition der Kategorie einsetzte.
Der amtliche Rahmen ist knapp: Der Whiskey muss in den USA gemaischt, destilliert und gereift sein, aus 100 % Gerstenmalz bestehen, in einer einzigen Brennerei entstehen, höchstens mit 80 % vol. destilliert werden, in Eichenfässern bis 700 Litern reifen und mit mindestens 40 % abgefüllt werden. Wie sich Craft-Marken im Westen positionieren, zeigt auch unser Porträt der High West Distillery.
Fazit
Westland ist die richtige Adresse für alle, die wissen wollen, wie amerikanischer Single Malt schmeckt, wenn er nicht nach Schottland schielt. Einstieg ist das Flaggschiff mit 46 %; wer weiter gehen möchte, probiert die Garryana-Editionen, die allerdings von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausfallen. Die Brennerei ist jung, ihre Geschichte kurz, doch der Einfluss auf die Kategorie ist erkennbar größer als ihre Größe.
Produktempfehlung
Westland Flagship American Single Malt Whiskey

Bourbon: Die gesetzlichen Regeln und die größten Mythen
Mais, neue Fässer, keine Zusätze: Die Bundesregeln sind kurz, die Mythen drumherum lang – von Kentucky-Pflicht bis Mindestreife.

Straight, Bottled-in-Bond und Altersangaben: Was amerikanische Etiketten verraten
Zwei Jahre, vier Jahre, 100 Proof: Welche Begriffe auf amerikanischen Flaschen wirklich Regeln bedeuten und welche nur gut klingen.

Rye Whiskey: Geschichte, Gesetz und das große Comeback
Einst Amerikas Whiskey Nummer eins, dann fast verschwunden: Wie Roggen über Cocktailbars zurück in die Regale fand.