Westland Flagship – ein American Single Malt mit Seattle-Handschrift
Der Westland Flagship American Single Malt Whiskey zeigt, was ein Single Malt aus den USA sein kann, wenn er nicht den schottischen Vorbildern hinterherläuft. Er kommt aus Seattle im Bundesstaat Washington, wird mit 46 % vol. abgefüllt und baut auf mehreren Gerstenmalzen und einem Fassmix statt auf einem einzelnen Fasstyp auf. Im Glas steht ein cremiger, malziger Whiskey mit Vanille, Dessertnoten und einem Hauch Rauch.
Geschichte: Vom Start-up zur Rémy-Cointreau-Marke
Westland wurde nach Herstellerangaben und mehreren Fachberichten 2010 gegründet, die Wikipedia nennt 2011. Hinter der Idee standen Matt Hofmann und Emerson Lamb, Lamb verließ das Unternehmen 2015. Hofmann, der sich das Handwerk unter anderem in Schottland angeeignet hatte, galt lange als Master Distiller. Der Sitz ist in Seattles Stadtteil SoDo, südlich der Innenstadt. Der erste American Oak Single Malt kam im Oktober 2013 auf den Markt. Schon früh setzte die Brennerei auf Regionalität: Gerste aus dem Skagit Valley, eine Versuchsfarm für Malzgerste und Eichen aus dem Pazifischen Nordwesten, etwa die Garry-Eiche für die Garryana-Reihe.
Ende November 2016 gab Rémy Cointreau den Kauf des Unternehmens bekannt, dessen Abschluss für Ende 2016 geplant war; einzelne Quellen nennen auch 2017. Der französische Konzern besitzt auch die Islay-Brennerei Bruichladdich und wollte sein Portfolio an Single Malts erweitern. Westland gehörte zudem zu den treibenden Kräften der American Single Malt Whiskey Commission, die beim US-Zollamt TTB eine offizielle Definition der Kategorie beantragte. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Westland Distillery.
Der Westland Flagship im Speziellen
Der Flagship ist die Hauptabfüllung der Brennerei. Frühere Chargen liefen unter Namen wie American Oak und reiften nach älteren Berichten fast ausschließlich in neuer Eiche, die heutige Zusammensetzung ist ein Verschnitt aus mehreren Fasstypen. Er trägt 46 % vol. (92 Proof) und reift nach Herstellerangaben mindestens 40 Monate; ein Tester gibt das Etikett mit mindestens drei Jahren an, weshalb wir das Alter nur als Mindestwert nennen. Die 0,7-Liter-Flasche mit 46 % vol. ist in Deutschland erhältlich und liegt preislich im Premium-Segment.
Der Name sagt auch etwas über die Kategorie: Seit dem 19. Januar 2025 gilt in den USA die offizielle Bezeichnung American Single Malt Whisky. Verlangt werden unter anderem eine Maische aus 100 % gemälzter Gerste, die Destillation in einer einzigen US-Brennerei, eine Destillationsstärke von höchstens 160 Proof und Reife in Eichenfässern bis 700 Litern; für Abfüllungen nach altem Recht gilt eine Übergangsfrist bis 2030. Die Marke führt den Flagship als American Single Malt; ob jede Charge jedes Detail der neuen Definition erfüllt, lässt sich von außen nicht beurteilen. Anders als bei Scotch sind neue Fässer ausdrücklich erlaubt, was dem amerikanischen Stil mehr Holzwürze mitgibt.
Herstellung: Fünf Malze und ein Fassmix
Der Flagship nutzt nach Testberichten fünf Malztypen aus Washington-Gerste: Pale-, Munich-, Extra-Special-, Pale-Chocolate- und Brown-Malz. Einige Berichte nennen zusätzlich einen kleinen Anteil stark getorften schottischen Malzes von Bairds, der die leichte Rauchnote erklären dürfte. Das Wasser stammt aus dem Einzugsgebiet des Cedar River. Zur Gärung und zur Brennblase macht die Marke in den ausgewerteten Quellen keine verlässlichen Angaben.
Für die Reifung setzt Westland auf neue und gebrauchte amerikanische Eiche, First-Fill-Bourbonfässer sowie Oloroso-Hogsheads und -Butts, teils First Fill, teils Second Fill. Neue Eiche bringt Vanille und Gewürz, Bourbonfässer Karamell, Oloroso Nuss und dunkle Frucht. Warum dieses Zusammenspiel so stark prägt, erklärt unser Beitrag zur Whisky-Fassreifung.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Poliertes Messing bis Bernstein.
- Nase: Vanillecreme, Ahornkrokant und geröstetes Marshmallow, dazu Orangenschale, Beeren und warmes Gebäck, ganz im Hintergrund ein Hauch Torfrauch.
- Gaumen: Cremig und mittelschwer, Mandelnougat und Crème brûlée, Malzkugeln, schwarzer Tee, Backapfel und dunkle Schokolade; die Rauchnote bleibt leise.
- Abgang: Mittellang, mit trockener Eiche, Walnuss, Kaffee und einem Hauch Zitrone.
Genuss-Empfehlung
Der Westland Flagship gehört pur ins Nosing-Glas, gern mit einigen Tropfen Wasser, die Nougat und Beeren öffnen. Auf Eis wird er schlanker und verliert Cremigkeit. Als Cocktailbasis ist er zu schade, einen Old Fashioned oder Rob Roy verträgt er aber gut. Wer mehr zur Wahl des Glases wissen will, liest Welches Glas ist am besten für Single Malt Whisky geeignet. Zum Essen passen Crème brûlée, dunkle Schokolade, Nussgebäck, reifer Cheddar oder Entenbrust.
Einordnung & Alternativen
- Kilchoman Machir Bay – ebenfalls 46 % vol. und Ex-Bourbon- plus Oloroso-Reifung, aber ein deutlich torfigerer Islay-Malt.
- Teeling Single Malt – irischer Malt mit 46 % vol. und Mix aus mehreren Fasstypen, deutlich fruchtiger.
- Auchentoshan American Oak – Lowland-Malt aus Bourbonfässern, leichter und milder bei 40 % vol.
Fazit
Der Westland Flagship ist ein spannender, sauber gemachter Single Malt, der die Freiheit der amerikanischen Kategorie nutzt, ohne beliebig zu wirken. Cremigkeit, Malz und leise Rauchnote ergeben ein eigenständiges Profil, das weder Scotch noch Bourbon kopiert. Der Abgang fällt in Tests eher kurz bis mittellang aus, und die Urteile schwanken zwischen begeistert und nüchtern. Mit 4,2 bewerten wir ihn als starken, charaktervollen Malt, der für ein Premium-Etikett nicht jedem ein Pflichtkauf sein muss.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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