Rum

Angostura Distillery – Trinidad

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Wer Angostura hört, denkt zuerst an das Fläschchen mit dem übergroßen Etikett auf jeder Bar. Doch die House of Angostura in Laventille am Rand von Port of Spain ist längst auch der wichtigste Rum-Produzent Trinidads: Eine moderne Kolonnenbrennerei, die aus Melasse leichte bis mittelschwere, gut trinkbare Rums macht. Das Haus verbindet damit zwei Geschichten, die oft verwechselt werden: die der geheimen Kräuter-Bitters und die der deutlich jüngeren Rum-Produktion.


Überblick

  • Name: House of Angostura (Angostura Limited, Teil von Angostura Holdings)
  • Ort: Laventille, Port of Spain, Trinidad und Tobago
  • Gegründet: 1824 (Bitters-Rezeptur); eigene Rum-Destillerie je nach Quelle ab 1947 bzw. 1949
  • Besitzer: Angostura Holdings Limited; größter Einzelaktionär ist über die Holding Rumpro die Gruppe um CL Financial (in Liquidation), nach Unternehmensangaben vom Oktober 2023 mit rund 45 %
  • Typ/Stil: Melasse-Rum, überwiegend Kolonnendestillation, Reifung in Fässern aus amerikanischer Eiche

Historische Entwicklung

Jahr Ereignis
1824 Der deutsche Arzt Johann Gottlieb Benjamin Siegert entwickelt in Angostura (heute Ciudad Bolívar, Venezuela) seine Kräuter-Bitters; das Jahr gilt dem Unternehmen als Gründungsdatum
um 1830 Erste Exporte der Bitters nach England und Trinidad; manche Quellen datieren hier die eigentliche Firmengründung
1875/76 Die Firma verlegt ihren Sitz von Venezuela nach Trinidad (je nach Quelle 1875 oder 1876)
1947/49 Eigene Destillerie in Laventille, zunächst mit einer einzelnen Kolonne; die Quellen nennen 1947 oder 1949
1973 Übernahme von Fernandes Distillers, dadurch wachsen Rum-Sortiment und Brennkapazität
1975 Eine mehrstufige Kolonnenanlage ersetzt die erste Brennanlage und erhöht die Kapazität deutlich
1997 CL Financial erwirbt die Beteiligung an der Holding Rumpro von Bacardi
2024 Das Haus feiert sein 200-jähriges Jubiläum

Besonderheiten bei der Herstellung

Bitters und Rum: zwei getrennte Welten

  • Die Bitters-Rezeptur ist bis heute ein gehütetes Geheimnis und hat mit der Rum-Produktion technisch wenig zu tun. Anfangs kaufte Angostura Rum lediglich zu, um die Kräuter zu extrahieren; später kam der Wunsch hinzu, auch den Rum selbst in gleichbleibender Qualität zu kontrollieren. Der Name steht daher für ein Unternehmen, nicht für eine Rum-Herkunft: Das Wort bezieht sich auf die venezolanische Stadt, nicht auf Trinidad.

Rohstoff und Kolonnenanlage

  • Verarbeitet wird Melasse, die vergoren und anschließend in Kolonnen destilliert wird. Nach Angaben von Rum-Fachseiten begann man mit einer Savalle-Kolonne und stockte die Anlage später mehrfach auf, 1975 sowie in den folgenden Jahrzehnten. Ein Pot Still wurde laut einer Quelle zeitweise erprobt; der Kern der Produktion bleibt dennoch die Kolonne. Das Ergebnis sind eher leichte, saubere Destillate, die sich gut für Blends eignen.

Reifung und Blending

  • Gereift wird überwiegend in gebrauchten Bourbonfässern aus amerikanischer Eiche. Mehrere Destillate unterschiedlichen Alters und Charakters werden zu Blends vermählt: Beim 7 Jahre etwa kommen nach Herstellerangaben leichte, mittlere und schwere Rums zusammen. Der Angostura 1919 greift auf eine Geschichte um verkohlte Fässer aus einem Lagerhausbrand von 1932 zurück, deren Inhalt als Ausgangspunkt der Cuvée gilt; heute besteht der Blend nach Herstellerangaben aus Rums von (je nach Quelle mindestens oder bis zu) acht Jahren.

Produkte & Charakter

Produkt Alkoholvolumen Charakteristik
Angostura White Oak 40 % Heimatmarkt-Klassiker in Trinidad, leichter, hell gehaltener Mixing-Rum
Angostura 5 Year Old 40 % Goldener Blend, mindestens fünf Jahre in Bourbonfässern, weich und ausgewogen
Angostura 7 Year Old 40 % Karamell, Trockenfrucht, runde Süße – der zugängliche Einstieg ins Sortiment
Angostura 1824 (12 Jahre) 40 % Trocken-elegant, Vanille, Orangenschale und Würze, strukturierter als die jüngeren Abfüllungen
Angostura 1919 40 % Mokka, Tabak und dunkle Frucht, dichter Blend aus älteren Fässern

Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Angostura 7 Jahre, Angostura 1824 12 Jahre, Angostura 1919.


Stil & Wiedererkennungswert

Trinidad nimmt in der Karibik eine Mittelposition ein: nicht so schwer und estrig wie Jamaika, nicht so schlank wie die kubanische Schule. Angostura steht für diese Mitte. Die Rums sind weich, gut integriert und selten schwer – Karamell, Trockenfrüchte, etwas Vanille und mit steigendem Alter mehr Holzwürze und Röstaromen. Das macht sie zu verlässlichen Begleitern für Cocktails und für entspanntes Trinken pur.

Auffällig ist die Ausrichtung: Das Haus setzt weniger auf Spektakel als auf Konstanz. Die Altersstufen bauen sichtbar aufeinander auf, vom 5 Jahre bis zum 1824, und wer eine Stufe kennt, findet sich in der nächsten schnell zurecht. Die berühmte Bitters-Flasche hilft als Wiedererkennung, die Rums müssen sich aber über das Glas beweisen.


Fazit

Die Angostura Distillery ist ein sachlicher, solider Rum-Hersteller mit einer ungewöhnlich langen Firmengeschichte. Für Einsteiger ist der 7 Jahre die naheliegende Wahl: unauffällig, aber gut gemacht. Wer es trockener und strukturierter mag, greift zum 1824 12 Jahre. Wer ein tropisch-karibisches Feuerwerk sucht, wird hier weniger fündig, wer dagegen unkomplizierten, harmonischen Kolonnen-Rum schätzt, ist gut aufgehoben.

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