Cotswolds Single Malt – englischer Whisky mit Honig und roter Frucht
Der Cotswolds Single Malt zeigt, dass England inzwischen mehr zu bieten hat als einzelne Experimente. Die Brennerei im Herzen der Cotswolds bringt hier einen 46-prozentigen Malt auf die Flasche, der Honig, Pfirsich und Rotweinfrucht mit einer klaren Gerstenbasis verbindet. Inzwischen führt die Brennerei diese Abfüllung unter dem Namen Signature Single Malt in ihrer Classics Collection.
Er richtet sich an alle, die neugierig auf junge europäische Whiskys sind und einen fruchtig-süßen, nicht zu schweren Malt suchen.
Geschichte: Whisky aus dem englischen Landidyll
Die Cotswolds Distillery wurde 2014 von dem Unternehmer Daniel Szor gegründet und liegt in Stourton nahe Shipston-on-Stour. Von Beginn an setzte man auf Gerste aus der Region. Die ersten Destillate liefen 2014; die Erstabfüllung des Single Malts erschien mit 46 % Vol. in einer Auflage von nur 4.000 Flaschen. 2018 sammelte die Brennerei per Crowdfunding Kapital für ein Besucherzentrum ein. 2023 stieg Berry Bros. & Rudd mit einer Minderheitsbeteiligung ein.
Neben Whisky stellt Cotswolds auch Gin und Liköre her.
Der Cotswolds im Speziellen
Die Abfüllung hat 46 % Vol., ist nach Herstellerangaben nicht kühlgefiltert und ohne Farbstoff. Eine Altersangabe fehlt; einzelne Händler sprechen von mindestens drei Jahren Reifung, das lässt sich nicht verlässlich belegen. Zu den Fässern gibt der Hersteller an: Ein Teil des Whiskys reift in sogenannten STR-Fässern, also amerikanischen Eichen-Barriques, die zuvor Rotwein enthielten und anschließend geschält (shaved), getoastet und neu ausgebrannt (re-charred) wurden. Dieser Anteil wird mit Whisky aus Bourbonfässern der Erstbelegung vermählt.
Die Kombination bringt Honig und Vanille aus dem Bourbonholz sowie rote Frucht und einen Hauch Sirup aus dem Weinfass. Chargen können sich unterscheiden: Eine Charge etwa wurde laut Händler aus Gerste der Ernte 2014 hergestellt, mit einer Auflage von nur rund 2.000 Flaschen.
Herstellung: Floor Malting und Kupferbrennblasen
Die Gerste stammt laut Hersteller zu 100 Prozent aus der Region der Cotswolds und wird traditionell auf dem Boden gemälzt (Floor Malting). Das Mälzen übernimmt ein externer Betrieb; Schroten, Maischen, Gären und Brennen erfolgen anschließend in der Brennerei selbst. Gebrannt wird zweifach in kupfernen Pot Stills, nach Wikipedia-Angabe sind es vier Brennblasen für Whisky und zwei für Gin; ein Händler nennt Brennblasen der Marke Holstein. Weitere Details zu Gärzeiten oder Destillatschnitten habe ich nicht gefunden.
Für die Erstabfüllung nennt eine Fachquelle Bio-Gerste von einem Hof in weniger als 32 Kilometern Entfernung, ein Händler für eine spätere Charge einen einzelnen Hof namens Bradwell Grove Farm und die Gerstensorte Odyssey. Das Konzept ist also konsequent "vom Korn bis zum Glas" gedacht, und die Herkunft der Gerste prägt die Identität der Marke stärker als bei vielen Neugründungen.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Gold, natürlich, ohne Farbstoff.
- Nase: Grüner Apfel, frisch geschnittenes Gras und Limettenschale, später karamellisierter Pfirsich, gezuckerte Mandeln und eine florale Note. Weitere Tester nennen Butterscotch, Aprikose und Orange.
- Gaumen: Sirupartiger Honig, reifer Pfirsich, gebackener Apfel mit Zimt und Muskat, dann Lebkuchen, Kakao und Marzipan. Dunkelrote Beeren und Orangenmarmelade klingen an.
- Abgang: Lang, trocknend mit leicht bitterem Eichentannin, Pfeffer, Kakao und Gewürz; die Frucht tritt nach hinten.
Der Cotswolds ist ein Whisky mit Charakter, der von der Süße des Destillats und der Beerenfrucht aus dem Wein lebt. Er wirkt für 46 % angenehm weich, bietet aber genug Gerüst für Wasserzugabe. Rauch spielt keine Rolle. Auffällig ist, wie unterschiedlich die Tester ihre Eindrücke beschreiben: Manche sehen eher frische Frucht und Gras, andere dunkle Beeren, Orangenmarmelade und Gewürz. Das liegt vermutlich an den Chargen und am Wechselspiel zwischen Bourbon- und Weinfässern. Das verbindende Element ist in nahezu allen Notizen der Honigton, und trotz der 46 % Vol. wirkt der Whisky rund und gut trinkbar.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas oder mit einem Schuss Wasser, damit sich Honig und Obst öffnen. Auf Eis wird er leichter und süßer, bleibt aber trinkbar. Für einen Old Fashioned mit Orangenbitters wäre er denkbar, ist dafür aber fast zu schade.
Zum Essen passt er zu Käseplatte mit Chutney, Apple Crumble, dunkler Schokolade oder gebratener Ente mit Orangensauce.
Einordnung & Alternativen
- Penderyn Madeira: Walisischer Single Malt aus Bourbon- und Madeirafässern, ebenfalls fruchtbetont und ähnlich stark.
- Mackmyra Svensk Rök: Ein europäischer Single Malt mit Rauch, der den Kontrast zur milden Cotswolds-Fruchtigkeit zeigt.
- St. Kilian Classic: Ein deutscher Single Malt, spannend für den Vergleich junger europäischer Brennereien.
Fazit
Der Cotswolds Single Malt ist ein gelungener Vertreter der neuen englischen Whiskyszene: fruchtig, honigsüß, mit ordentlich Gewürz im Abgang und der Handschrift regionaler Gerste. Er eignet sich für Einsteiger wie Sammler englischer Whiskys. Weil er Süße und Struktur gut balanciert, die Altersangabe aber fehlt und die Komplexität eines gereiften Malts nicht erreicht, vergeben wir 4 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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