Penderyn Madeira – Die Urabfüllung der walisischen Whisky-Renaissance
Der Penderyn Madeira gilt als der eigentliche Hausstil der Destillerie Penderyn am Rande des Brecon-Beacons-Nationalparks in Wales – und damit als Aushängeschild einer ganzen Whisky-Nation, die erst seit rund zwei Jahrzehnten wieder auf der Weltkarte steht. Gereift wird er zunächst in Ex-Bourbonfässern und erhält anschließend ein mehrmonatiges Finish in Ex-Madeira-Fässern. Mit 46 % Vol., ohne Kühlfiltrierung und ohne Farbstoffzusatz abgefüllt, verdankt der Madeira seinen ungewöhnlich klaren, fruchtig-eleganten Charakter nicht zuletzt der einzigartigen Brenntechnik der Destillerie: Statt klassischer Pot Stills verwendet Penderyn einen selbst entwickelten Brennapparat, der beide Destillationsschritte in einem einzigen Durchgang erledigt.
Geschichte: Die Wiedergeburt des walisischen Whiskys
Wales blickt zwar auf eine jahrhundertealte Brenntradition zurück, doch mit der Schließung der Frongoch-Destillerie um 1900 verschwand kommerzieller walisischer Whisky für mehr als ein Jahrhundert vollständig von der Landkarte. Erst im Jahr 2000 gründete sich die Welsh Whisky Company, um diese Tradition wiederzubeleben; am 14. September desselben Jahres lief in Penderyn die erste Destillation. Der eigentliche Meilenstein folgte am 1. März 2004, als Prinz Charles den ersten Penderyn Single Malt offiziell der Öffentlichkeit vorstellte – der erste in Wales hergestellte Whisky seit über hundert Jahren. 2008 eröffnete ein eigenes Besucherzentrum, 2014 begann Penderyn zusätzlich mit eigener Mälzerei-Produktion und ergänzte seine ungewöhnlichen Brennapparate um klassische Kupfer-Pot-Stills, um mehr Flexibilität in der Produktion zu gewinnen. Der Erfolg der Destillerie führte in den 2020er-Jahren sogar zur Eröffnung zweier weiterer Standorte in Wales, in Llandudno (2021) und in den ehemaligen Swansea Copperworks (2023) – ein bemerkenswertes Wachstum für eine Branche, die zur Jahrtausendwende noch komplett von null begann. Bis heute hat Penderyn nach eigenen Angaben mehr als 140 internationale Auszeichnungen gesammelt und exportiert seinen Whisky in rund 50 Länder.
Der Penderyn Madeira im Speziellen
Der Madeira ist die klassische, seit den Anfangsjahren geführte Kernabfüllung der Destillerie und gilt vielen als der eigentliche "Signature Style" von Penderyn. Der junge New Make Spirit reift zunächst in Ex-Bourbonfässern – überwiegend aus ehemaligen Buffalo-Trace-Barrels – und wird anschließend für mehrere Monate in Ex-Madeira-Fässern nachgereift, die dem Whisky seine charakteristische honigsüße, weinige Note verleihen. Eine feste Altersangabe trägt der Madeira nicht, üblicherweise liegt die Gesamtreifezeit jedoch bei rund sechs Jahren. Abgefüllt wird er mit 46 % Vol., ohne Kühlfiltrierung und ohne zugesetzte Farbe. Neben dem Madeira führt Penderyn inzwischen weitere Fassfinish-Varianten der "Gold"-Range, etwa mit Sherry- oder Portweinfässern, doch der Madeira bleibt die am längsten etablierte und meistverkaufte Abfüllung der Destillerie.
Herstellung: Zwei Destillationen, ein einziger Kessel
Das technische Herzstück von Penderyn ist der sogenannte Faraday Still, entwickelt vom Chemiker Dr. David Faraday: ein modifizierter Brennkessel, der eine klassische Pot-Still-Blase mit einer Rektifikationskolonne aus mehreren perforierten Böden kombiniert. Während der Dampf durch die sieben Böden der Kolonne aufsteigt, kondensiert und verdampft er dabei wiederholt – ein Prozess, der de facto mehrere Destillationsschritte in einem einzigen, rund elfeinhalbstündigen Brenndurchgang vereint. Am siebten Boden wird der fertige New Make Spirit mit einer bemerkenswert hohen Stärke von rund 92 % Vol. abgezogen, deutlich reiner und leichter als bei klassischer zweifacher Pot-Still-Destillation üblich. Dieses Verfahren spart nicht nur Energie, sondern prägt auch maßgeblich den hellen, fruchtig-eleganten Grundcharakter, der alle Penderyn-Abfüllungen auszeichnet. Seit 2013 betreibt die Destillerie einen zweiten Faraday Still, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, seit 2014 ergänzt durch klassische Kupfer-Pot-Stills für ausgewählte Sonderabfüllungen.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles bis mittleres Gold.
- Nase: Blütenhonig, saftiger Apfel und Zitrone, unterlegt von getrockneten roten Früchten.
- Gaumen: Weiterhin Honig und rote Früchte wie Johannisbeere und Sauerkirsche, dazu herbe Zitrusnoten, dunkle Schokolade, geröstetes Getreide und nussiges Toffee.
- Abgang: Mittellang, mit auslaufender Honigsüße und Frucht, bevor pfeffrige, schokoladige Gewürznoten das letzte Wort behalten.
Genuss-Empfehlung
Der Penderyn Madeira zeigt sich am besten pur oder mit einem Spritzer Wasser in einem schmalen Nosing-Glas bei Zimmertemperatur, damit die feinen floralen und fruchtigen Noten nicht von zu starker Kühlung unterdrückt werden. Wer ihn dennoch gekühlt genießen möchte, sollte höchstens einen großen Eiswürfel verwenden. Kulinarisch passt der Madeira hervorragend zu Desserts mit dunkler Schokolade oder karamellisierten Äpfeln, aber auch zu würzigem Hartkäse, dessen kräftiger Charakter mit der Honig- und Gewürznote des Whiskys harmoniert. Als Aperitif vor einem festlichen Essen macht der Madeira dank seiner frischen, fruchtigen Eleganz ebenfalls eine gute Figur.
Fazit
Der Penderyn Madeira ist weit mehr als eine walisische Kuriosität – er ist ein technisch wie geschmacklich eigenständiger Single Malt, der zeigt, dass exzellenter Whisky längst nicht mehr nur aus Schottland kommen muss. Im Vergleich zu schottischen Whiskys mit Weinfassfinish, etwa dem Balvenie 14 Jahre Caribbean Cask, wirkt der Penderyn heller, floraler und durch die einzigartige Faraday-Destillation spürbar reiner in der Textur. Für alle, die abseits ausgetretener Pfade nach spannenden neuen Whisky-Regionen suchen, ist der Madeira ein hervorragender, mittlerweile international mehrfach ausgezeichneter Einstieg in die noch junge, aber beachtliche walisische Whiskygeschichte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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