Ferdinand's Saar Dry Gin & Gents Swiss Roots Tonic Water (4/5)

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Ferdinand's Saar Dry Gin & Gents Swiss Roots Tonic Water (4/5)

4/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Ferdinand's Saar Dry Gin aus dem Saartal und das Gents Swiss Roots Tonic Water aus Zürich sind beide Musterbeispiele dafür, wie stark sich europäische Regionalprodukte inzwischen über ein einziges, namensgebendes Terroir-Element definieren: Der Ferdinand's bezieht seine Identität aus der späten Riesling-Infusion mit Wein aus der Einzellage Saarburger Rausch, das Gents aus dem Gelben Enzian der Schweizer Alpen. Beide Marken verstehen sich als Botschafter einer bestimmten Weinbau- beziehungsweise Alpenregion des deutschsprachigen Raums – ein Umstand, der diese Paarung über die reine Geschmacksebene hinaus auch zu einem Treffen zweier ähnlich gelagerter Terroir-Philosophien macht. Auf der eigenen Produktseite empfiehlt der Ferdinand's zwar ein mildes, wenig bitteres Tonic, um seine florale Riesling-Note nicht zu überdecken – die deutlich robustere Bitterkeit des Gents Swiss Roots liefert hier aber einen interessanten Gegenversuch: Wie viel Struktur kann der zurückhaltende Gin vertragen, ohne seine Eigenheiten zu verlieren?

Bemerkenswert ist zudem, dass beide Produkte eng mit einer bestimmten Familie oder Institution ihrer Herkunftsregion verknüpft sind: Der Ferdinand's entstand als gemeinsames Projekt der Capulet und Montague Brands GmbH mit dem Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken, benannt nach dem Förster Ferdinand Geltz und dessen Vorliebe für die Kräuter der Saarregion, während das Gents Swiss Roots seinen Namen bewusst von der Schweizer Wurzel- und Kräutertradition ableitet, die schon im Markennamen "Swiss Roots" mitschwingt. Beide Produkte erzählen damit nicht nur eine Herkunftsgeschichte, sondern verankern sie explizit in einer konkreten regionalen Zutat – Riesling hier, Enzian dort.

Warum diese Kombination funktioniert

Anders als beim deutlich zarteren Caorunn Gin bringt der Ferdinand's mit seiner Riesling-Komponente eine spürbare eigene Säure und mineralische Frucht mit, die der ausgeprägten Enzian-Bitterkeit tatsächlich etwas entgegenzusetzen hat. Wo dem Caorunn schlicht das Gegengewicht fehlt, sorgt die weinig-mineralische Frische des Ferdinand's dafür, dass die alpine Herbe des Tonics nicht ungebremst dominiert, sondern in einen echten Dialog mit dem Gin tritt. Gleichzeitig gibt die kräftige Enzian-Bitterkeit dem Ferdinand's genau die Struktur, die ihm laut eigener Verkostungsnotiz von Natur aus fehlt – der Alkohol "tritt kaum in Erscheinung", der Gin wirkt für 44 % vol. ungewöhnlich mild. Die Bitterkeit des Tonics kompensiert diese Zurückhaltung, ohne die floralen Lavendel- und Thymian-Noten des Gins zu verdrängen, weil die Riesling-Säure als Puffer zwischen beiden Ebenen vermittelt. Auch die im Ferdinand's enthaltenen Schlehen und Hagebutten, die dem Gin normalerweise eine herb-fruchtige Tiefe verleihen, finden in der ebenfalls herben, aber anders gelagerten Enzian-Note ein passendes Gegenüber, ohne dass sich beide Bitterkeiten gegenseitig verstärken und die Kombination dadurch zu streng werden lassen.

Verkostung der Kombination

In der Nase verbinden sich Lavendel und die mineralisch-weinige Riesling-Note des Ferdinand's mit der erdig-bitteren Enzianwurzel des Tonics zu einem ungewöhnlichen, aber stimmigen Bouquet. Am Gaumen zeigt sich der Drink deutlich strukturierter als der pure Gin: Die weinige Frucht rundet die Bitterkeit ab, ohne sie zu verdecken, während Thymian und eine feine Ingwerwärme im Hintergrund mitschwingen. Die Säure ist präsent, aber nie spitz – sie wirkt eher wie ein Vermittler zwischen der milden Süße des Gins und der Herbe des Tonics. Der Abgang ist lang, floral-bitter, mit einem letzten Hauch Riesling, der die Kombination auch nach dem letzten Schluck noch erkennbar macht.

Serviervorschlag

Ein großes Ballonglas mit reichlich Eis lässt der Kombination genug Raum, sich langsam zu entfalten, im Verhältnis von etwa 1:3. Als Garnitur passt eine Orangenzeste besonders gut – sie greift die Empfehlung von Ferdinand's eigener Produktseite auf und bringt zusätzlich einen zitrischen Akzent, der die weinige Süße gegen die alpine Bitterkeit des Tonics abgrenzt. Von kräftigen Kräutergarnituren sollte eher abgesehen werden, da die florale Lavendelnote des Gins bereits ausreichend Kräuteranklang liefert.

Einordnung & Vergleich

Im Vergleich zur bereits vorgestellten Kombination mit Aqua Monaco Tonic Water, die dem Ferdinand's eine nahezu widerstandslose Bühne bietet und dafür die höchste Punktzahl erreicht, zeigt sich hier ein bewusster Tausch: etwas weniger reine Harmonie gegen deutlich mehr Struktur und Kontur. Wer den Ferdinand's als eher zu weich empfunden hat, findet im Gents Swiss Roots eine der wenigen Tonic-Optionen im Katalog, die dem Gin tatsächlich Gegenwind bieten, ohne ihn zu überrennen – ein Kontrast etwa zum deutlich robusteren Bodensee Dry Gin, der dieselbe Bitterkeit mühelos verträgt, weil er von vornherein kräftiger gebaut ist.

Fazit

4/5 Punkte. Eine überraschend stimmige Begegnung zweier Terroir-Produkte, die sich trotz unterschiedlicher Herangehensweise gut ergänzen: Die Riesling-Säure des Ferdinand's gibt der Enzian-Bitterkeit ein Gegenüber, während das Tonic dem sonst sehr weichen Gin die Struktur verleiht, die ihm pur oft fehlt. Wer die ultimative, reibungslose Harmonie sucht, bleibt beim milderen Aqua-Monaco-Pairing besser aufgehoben; wer dagegen einen etwas kantigeren, alpin-würzigen Ferdinand's erleben möchte, findet hier eine der interessantesten Varianten im Programm.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance4/5
Komplexität4/5
Säure/Frische3/5
Süße3/5