Vodka

Finlandia Vodka

3,9/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.MittelklasseFinnland
VodkaFinnland
Bei Amazon ansehen
Auf Amazon suchen
Werbung · Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen
Ansehen

Herstellung des Finlandia Vodka:

Finlandia ist ein Kind der staatlichen Alkoholpolitik. Die finnische Monopolgesellschaft Alko brachte die Marke 1970 auf den Markt; schon 1971 kam er in die USA und war dort laut Wikipedia der erste skandinavische Vodka im Handel. Die Wurzeln des Standorts liegen weiter zurück: In Rajamäki, einem Dorf der Gemeinde Nurmijärvi nördlich von Helsinki, wurde 1888 von Vilhelm Juslin eine Hefefabrik gegründet, die später auch brannte. Die Anlage blieb während der finnischen Prohibition (1919 bis 1932) in Betrieb, denn der Staat übernahm sie 1920, um Alkohol für Apotheken und technische Zwecke zu liefern. Die Eigentümerfolge der Marke ist wechselhaft: Brown-Forman übernahm sie ab 2000 in Schritten und hielt sie bis Ende 2023. Am 1. November 2023 schloss Brown-Forman den Verkauf an Coca-Cola HBC ab.

Rohstoff ist sechszeilige Gerste aus Finnland, eine in Nordeuropa verbreitete Sorte, die weniger Ertrag bringt als zweizeilige Gerste. Den Rohspirit destilliert nach Angaben des Difford's Guide das Werk in Koskenkorva im Westen des Landes, er wird danach per Bahn nach Rajamäki gebracht. Dort wird der Spirit mit dem Wasser aus nahen Quellen verdünnt, das nach Herstellerangaben glazialen Ursprungs ist und auf dem Weg durch Sand und Moränenschichten natürlich filtert. Auf dem Etikett der in Großbritannien verkauften Flaschen steht Altia in Helsinki als Destillierer und Abfüller. Finlandia verzichtet laut Difford's auf Kohlefiltration und Zusätze.

Verkostung des Finlandia Vodka:

Das Glas zeigt einen klaren, farblosen Vodka. Die Nase ist leise und kühl, mit etwas weißem Pfeffer, einem Hauch Vanille und einer zarten, getreidigen Note, die an Zuckerrohr oder Gerstenmalz erinnert. Am Gaumen wirkt er schlank, straff und sauber; zuerst kommt eine mineralische Frische, dann schwarzer Pfeffer, ein Anflug von Gerstenbrot und geröstete Nüsse. Süße ist nur in Spuren vorhanden, Cremigkeit gibt es kaum, und genau das macht den Charakter aus: Der Vodka wirkt eher kristallin als weich. Die Schärfe bleibt dezent und ist eher ein leichtes Prickeln als ein Brennen. Der Abgang ist lang für einen Vodka dieser Klasse, leicht pfeffrig und trocken. Bei 40 % vol. ist das ein ordentliches, aber nicht aufregendes Profil, das wenig verbirgt und wenig verspricht.

Steckbrief Finlandia Vodka:

Alkoholgehalt: 40 % vol.
Basis: Sechszeilige Gerste aus Finnland
Destillation/Filterung: Kontinuierliche Kolonnendestillation (nach Herstellerangabe über 200 Destillationsschritte), keine Kohlefilterung, Verdünnung mit Quellwasser glazialen Ursprungs
Hersteller: Rajamäki Distillery, Nurmijärvi, Finnland; Eigentümer der Marke: Coca-Cola HBC

Herstellung im Detail: Gerste, Kolonnen und die Zahl 200

Gerste ist als Vodka-Basis nicht alltäglich, denn die meisten großen Marken setzen auf Weizen, Roggen oder Mais. Die sechszeilige Gerste gibt weniger Ertrag als die zweizeilige, die man von Bier und Whisky kennt; Finlandia nimmt diesen Nachteil in Kauf. Ob die Sorte den Geschmack prägt, lässt sich nicht belegen, doch Verkoster beschreiben Gerstenbrot und geröstete Nüsse. Mehr zu den verschiedenen Rohstoffen steht in Vodka-Sorten im Überblick.

Die oft zitierte Zahl von mehr als 200 Destillationsschritten stammt vom Hersteller. Laut Difford's Guide arbeiten in Rajamäki sieben Edelstahlkolonnen von im Schnitt 25 Metern Höhe. Die Zahl dürfte sich daher auf die vielen Böden innerhalb dieser Kolonnen beziehen, auf denen Dampf und Flüssigkeit ständig getrennt werden, und nicht auf 200 getrennte Brennvorgänge; eine genaue Erklärung der Zählweise liefert die Marke nicht. Nach Wikipedia vergehen vom Maischen bis zum neutralen Spirit mit 96,5 % vol. etwa 50 Stunden. Wie solche Kolonnen allgemein funktionieren, erklärt Wie wird Vodka hergestellt?. Auffällig ist die Verwertung der Reststoffe: Gerstenschalen liefern Dampf, Fasern gehen in die Lebensmittelindustrie, Kohlendioxid wird aufgefangen und die Schlempe wird zu Futtermittel.

Verwendung des Finlandia Vodka

  • Mit Mineralwasser und Zitrone: VinePair empfiehlt in seiner Besprechung hochwertiges Mineralwasser statt Soda, weil so die glaziale Frische erhalten bleibt.
  • Highball mit Tonic oder Ginger Ale: Der schlanke Körper stört nicht, und die Pfeffernote gibt dem Longdrink etwas Struktur.
  • Vodka Martini, sehr kalt gerührt: Die geringe Süße und die trockene Kante passen zu einem klassischen Martini mit Oliven oder Zitronenzeste.
  • Zu Fisch und Roggenbrot: Gebeizter Lachs, Matjes oder Graved Lachs mit Dill harmonieren mit dem pfeffrigen Abgang.

Finlandia liegt im Qualitätssegment oberhalb der Discounterware, aber unterhalb der cremigen Premium-Vodkas. Das macht ihn zu einem verlässlichen Vodka für Bar und Heimbar, wenn man Reinheit und Frische höher schätzt als Weichheit. Pur ist er gekühlt gut trinkbar, bleibt aber kein Vodka, über den man lange nachdenkt. Seine Stärke ist die Konsequenz: keine Kohle, keine Zusätze, ein klares Gersten-Profil.

Einordnung & Alternativen

  • Reyka Vodka – ebenfalls nordisch und mineralisch, aber mit Weizen und Gerste aus der Carter-Head-Still und Lavafilterung; Reyka ist runder und vielschichtiger.
  • Absolut Vodka – ähnlich ohne Kohlefilter, aber aus Winterweizen und mit mehr Anis und Getreideschale; im Vergleich etwas süßer und weniger pfeffrig-kühl.
  • Grey Goose Vodka – deutlich weicher und cremiger dank Weizen und kalksteingefiltertem Wasser; die bessere Wahl, wenn Textur wichtiger ist als Frische.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße2/5
Getreide/Erdigkeit3/5
Schärfe/Brand2/5
Textur/Cremigkeit2/5

Finlandia Vodka kaufen:

Bei Amazon ansehen
Auf Amazon suchen
Werbung · Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen
Ansehen