Gin
Gin bei Discountern: Was taugen Aldi, Lidl, Penny & Co.?
Neben den etablierten Marken im Supermarktregal führen deutsche Discounter seit einigen Jahren zunehmend eigene Gin-Sorten – meist als Hausmarke, oft deutlich unter zehn Euro pro Flasche. Für Einsteiger ist das eine naheliegende Frage: Lohnt sich der günstige Discounter-Gin, oder sollte man lieber gleich zu bekannten Namen greifen?
Was Discounter typischerweise im Regal haben
Das Sortiment schwankt zwischen den Ketten und ändert sich immer wieder, ein grober Überblick zeichnet sich aber ab: Aldi Süd und Aldi Nord führen jeweils eigene London-Dry-Gin-Hausmarken, Penny und Lidl haben ebenfalls Eigenmarken im Programm, und auch bei Netto oder Norma tauchen phasenweise günstige Hausmarken-Gins auf. Diese Eigenmarken werden meist im Auftrag der Discounter von etablierten Spirituosenherstellern abgefüllt, ohne dass die Produktionsstätte offen kommuniziert wird – ein in der Getränkebranche gängiges Verfahren, das für sich genommen kein Qualitätsurteil ist.
Daneben führen die meisten Discounter zusätzlich eine kleine Auswahl international bekannter Marken, die es preislich ebenfalls in den Aktionsbereich schaffen. Gordon's London Dry Gin, Tanqueray London Dry Gin, Bombay Sapphire London Dry Gin und Beefeater London Dry Gin zählen zu den Klassikern, die regelmäßig auch außerhalb spezialisierter Spirituosengeschäfte zu finden sind – nicht als Discounter-Eigenmarke, aber preislich oft in vergleichbaren Regionen. Auch Gins, die ursprünglich eher als Supermarkt- denn als Fachhandelsmarke positioniert sind, wie Hampstead London Dry Gin, tauchen im Niedrigpreissegment immer wieder auf.
Eigenmarke vs. bekannter Name
Bei echten Discounter-Eigenmarken bewegt sich die Qualität in unabhängigen Verkostungen meist im soliden Mittelfeld: einfache, wacholderbetonte London-Dry-Profile ohne große botanische Tiefe, dafür konsequent zum Kampfpreis. Für den unkomplizierten Gin Tonic am Abend reicht das in der Regel aus, Ansprüche an Komplexität oder Überraschungsmomente sollte man aber nicht mitbringen. Wer schon einmal die Bezeichnung "Henderson Gin" bei einem Discounter gesehen hat: Auch das ist nach aktuellem Kenntnisstand eine Discounter-Hausmarke und keine eigenständige, international vertriebene Gin-Marke – die Namensgebung solcher Eigenmarken wechselt allerdings zwischen Händlern und Zeiträumen häufiger, als man es von etablierten Marken gewohnt ist, weshalb an dieser Stelle bewusst keine Garantie für ein bestimmtes Regal zu einem bestimmten Zeitpunkt gegeben werden kann.
Bekannte Marken wie Gordon's oder Beefeater bieten dagegen ein konstantes, seit Jahrzehnten erprobtes Geschmacksprofil – man weiß vorher genau, was man bekommt, und kann diese Gins auch für etwas anspruchsvollere Drinks als den einfachen Gin Tonic einsetzen. Der Aufpreis gegenüber der reinen Discounter-Eigenmarke bewegt sich meist im niedrigen einstelligen Euro-Bereich und ist damit überschaubar.
Craft-Gins sucht man beim Discounter meist vergeblich
Wer auf der Suche nach New Western Dry Gins mit ungewöhnlichen Botanicals oder kleinen, unabhängigen Craft-Destillerien ist, wird im Discounter-Regal in aller Regel nicht fündig. Das liegt am Geschäftsmodell selbst: Discounter kalkulieren über Volumen und Verfügbarkeit, kleine Craft-Destillerien produzieren dagegen in überschaubaren Chargen und setzen auf Fachhandel, eigene Onlineshops oder ausgewählte Supermarktregale. Wer geschmacklich mehr will als den soliden Standard-London-Dry, kommt am größeren Fachsortiment kaum vorbei.
Sortiment schwankt stärker als bei Fachhändlern
Wer öfter bei Discountern nach Gin sucht, merkt schnell: Das Angebot ist deutlich weniger stabil als im Fachhandel oder größeren Supermarkt. Eigenmarken werden ohne Vorankündigung ausgetauscht, umbenannt oder ganz aus dem Sortiment genommen, saisonale Aktionsware (etwa rund um Weihnachten oder den Sommer) taucht für wenige Wochen auf und verschwindet danach wieder. Wer eine bestimmte Discounter-Eigenmarke einmal für gut befunden hat, sollte also nicht darauf bauen, sie beim nächsten Einkauf in gleicher Form wiederzufinden – ein Kontrast zum Fachhandel, wo etablierte Marken über Jahre in gleichbleibender Rezeptur verfügbar bleiben.
Fazit: Für wen sich der Discounter-Gin eignet
Für den schnellen, unkomplizierten Gin Tonic zwischendurch sind Discounter-Eigenmarken eine vertretbare, preisbewusste Option – solide Basis-Gins ohne Anspruch auf botanische Vielfalt, deren genaue Zusammensetzung und Herkunft sich zudem seltener zurückverfolgen lässt als bei etablierten Marken. Wer regelmäßig Gin trinkt, Wert auf ein wiedererkennbares Geschmacksprofil legt oder ab und zu auch anspruchsvollere Cocktails mixen möchte, ist mit bekannten Marken wie Gordon's, Tanqueray oder Beefeater meist besser beraten – der Preisunterschied ist dafür in aller Regel überschaubar.