Glen Scotia Double Cask – Bourbon, Pedro Ximénez und ein Hauch Meer
Der Glen Scotia Double Cask ist ein Single Malt ohne Altersangabe aus Campbeltown, der zuerst in First-Fill-Bourbonfässern reift und danach bis zu zwölf Monate in Fässern liegt, die Pedro-Ximénez-Sherry enthielten. Mit 46 % vol. ist er kräftiger abgefüllt als die Einstiegsstufe der Brennerei, bleibt aber deutlich zugänglicher als die Fassstärke-Abfüllung der Reihe. Sein Reiz ist die Kombination aus der süßen Dichte des PX und der salzigen, hellen Art des Destillats.
Geschichte: Von Hiram Walker bis zur Küstenbrennerei von heute
Gegründet wurde die Brennerei 1832 als Scotia; sie liegt an der High Street mitten in Campbeltown und bezieht ihr Wasser nach Angaben von Wikipedia aus dem Crosshill Loch. Die Gebäude, darunter ein Lagerhaus aus den 1830er-Jahren, stehen unter Denkmalschutz. Im Zweiten Weltkrieg ruhte die Produktion von 1942 bis Anfang 1945. Bemerkenswert sind die Besitzerwechsel des 20. Jahrhunderts: 1954 kam sie mit dem Erwerb der Bloch Brothers an den Konzern Hiram Walker, wurde bald an den Blender A. Gillies & Co. weitergereicht, später Teil von Amalgamated Distilled Products und Ende der 1980er-Jahre an Gibson International. Seit 2014 gehört sie zur Loch Lomond Group.
Quellen weichen bei Details dieser Wechsel teils voneinander ab; wir halten uns an die Daten, die in mehreren Darstellungen übereinstimmen. Für die Entwicklung in den 1980er- und 1990er-Jahren verweisen wir auf den Glen Scotia 18 Jahre, der Bestände aus der Zeit nach der Wiederaufnahme der vollen Produktion 1999 nutzt.
Der Glen Scotia Double Cask im Speziellen
Der Double Cask steht seit spätestens 2016 im Handel; ein Verkostungsbericht dazu stammt aus dem Juni jenes Jahres. Offiziell reift er in erstbefüllten Bourbonfässern und erhält ein bis zu zwölfmonatiges Finish in PX-Fässern; 46 % vol. sind die Stärke. Zur Kühlfiltrierung ließ sich keine verlässliche Angabe finden. Ein Händler führt zudem Farbstoffzusatz als „ja“ auf – ein Blick aufs Etikett der aktuellen Flasche lohnt sich daher. Die Fachpresse bewertet ihn gut: Whisky Advocate vergab in der Frühjahrsausgabe 2025 90 Punkte, ein britischer Verkoster 85 von 100, und der Blog Scotch Noob lobte ihn als seltenes „Must Have“ und stellte ihn in dieselbe Liga wie The Balvenie DoubleWood 12 und GlenDronach 12. Preislich liegt er in der Mittelklasse und gilt als eine der besten Einsteigerflaschen der Marke. Die Brennerei führt außerdem Double-Cask-Varianten mit Rum- und Rotweinfass; hier geht es um die klassische PX-Version.
Herstellung: Warum PX hier funktioniert
Das Finish in PX ist eine bewusste Entscheidung für Süße: Der Wein aus getrockneten Trauben liefert Rosinen, Feige und Sirup. Weil die Fässer nur bis zu zwölf Monate genutzt werden, bleibt die Primärreifung sichtbar. Im Hintergrund arbeitet eine kleine Anlage mit neun Edelstahl-Gärbottichen und einem einzigen Brennblasenpaar, in der ungetorfte, mittel getorfte und stark getorfte Malze verarbeitet werden; wie viel Torf in der Mischung des Double Cask steckt, nennt die Brennerei nicht. Entscheidend für den Hausstil ist die Kombination aus Gärzeit und Fass: Kurze Gärung ergibt nussige, lange Gärung fruchtige Noten. Das passt zur Obstigkeit des Double Cask, ohne dass sich das im Einzelfall belegen ließe.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Goldbernstein.
- Nase: Crème caramel, Toffee und Fudge, dazu Apfel, weißer Pfirsich und Beerenobst; bei längerer Ruhe kommen Karamell und eine Spur Erdnussbutter hinzu.
- Gaumen: Süß und mit fettiger Textur, gutes Mittelgewicht: Rosinen, Feige und Dattel, Vanillefudge, Zimt und Muskat. Mit Wasser öffnet sich der Whisky zu getrockneten Kräutern und Beeren.
- Abgang: Mittellang, dunkel und würzig, mit Orangenschale, Rosinen und trockener Eiche.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur schmeckt der Double Cask am besten; ein paar Tropfen stilles Wasser öffnen die Frucht, ohne ihm die Süße zu nehmen. Mit einem großen Eiswürfel wird er schlanker und verliert PX-Dichte, was an heißen Tagen aber in Ordnung ist. Als Highball mit Ginger Ale und einem Streifen Orangenschale ist er eine überraschend gute Alternative. Zum Essen passen Bratapfel, Käsekuchen, dunkle Schokolade oder ein Stück gereifter Cheddar.
Fazit
Der Glen Scotia Double Cask ist ein süßer, zugänglicher Campbeltowner mit sinnvollem Fass-Einsatz und einem Preis, der in der Mittelklasse bleibt. Wer weniger Zucker und mehr Salz sucht, findet beides im Glen Scotia 15 Jahre; wer mehr Holz und Fassstärke will, greift zum Glen Scotia Victoriana. Eine verwandte Sherry-Süße bietet der GlenDronach 12 Jahre Original – dort allerdings ganz ohne Meeresnote. Wir geben 4 Punkte: gut, süffig und stimmig, aber ohne den letzten Schliff der älteren Stufen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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