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Glen Scotia Distillery – Campbeltown

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Brennereigebäude mit Glen-Scotia-Schriftzug in Campbeltown.
Brennereigebäude mit Glen-Scotia-Schriftzug in Campbeltown. Aufnahme: 2017.
Foto: Lirazelf, Glen Scotia Distillery, Campbeltown.jpg, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Für Gin-Time zugeschnitten beziehungsweise mit neutralem Rand in das Zielformat gesetzt, in der Größe angepasst und als WebP optimiert.

Glen Scotia liegt mitten in Campbeltown an der Halbinsel Kintyre und ist neben Springbank und Glengyle eine der letzten drei aktiven Brennereien der einst whiskyreichen Hafenstadt. Gegründet wurde sie 1832, danach folgten Stilllegungen, Insolvenzen und viele Eigentümerwechsel, bis die Loch Lomond Group die Marke ab 2014 neu aufstellte. Der Hausstil verbindet Salz, Frucht und Öligkeit mit einem Hauch Rauch und gilt als typisch für Campbeltown. Dieses Porträt fasst Geschichte, Herstellung und Sortiment zusammen.


Überblick

  • Name: Glen Scotia Distillery (ursprünglich Scotia)
  • Ort: Campbeltown, Kintyre, Argyll, Schottland
  • Gegründet: 1832
  • Region: Campbeltown
  • Besitzer: Loch Lomond Group (seit 2014)
  • Typ: Single Malt Scotch Whisky, ungetorft bis kräftig getorft, überwiegend Bourbonfassreifung mit Finishes

Historische Entwicklung

Jahr Ereignis
1832 Die Brennerei wird als Scotia von der Familie Stewart und Galbraith gegründet
1919 Die West Highland Malt Distilleries übernehmen den Betrieb, wenig später folgt die Insolvenz (je nach Quelle mit anschließendem Wiederbelebungsversuch bis 1928)
1930er Die Bloch Brothers kaufen die Brennerei (je nach Quelle 1933 oder 1936)
1942–1945 Die Produktion ruht während des Zweiten Weltkriegs
1954/55 Hiram Walker erwirbt den Besitz, kurz darauf folgt A. Gillies als Eigentümer (Schreibweise je nach Quelle abweichend)
1984–1989 Die Produktion ist ausgesetzt und wird unter Gibson International wieder aufgenommen (Details je nach Quelle abweichend)
1994 Gibson International geht in die Insolvenz, ein Abfüller übernimmt den Besitz
2014 Die Loch Lomond Group kauft die Brennerei und investiert in Kapazität, Lager und Besucherzentrum

Besonderheiten bei der Herstellung

Malz und Anlage

Glen Scotia verarbeitet ungetorftes, mittel getorftes und stark getorftes Malz. Die Brennerei arbeitet mit nur einem Brennblasenpaar, einer Wash Still und einer Spirit Still aus Kupfer mit kurzem, breitem Hals. Die Größenangaben der Blasen und die Jahreskapazität (rund 600.000 bis 800.000 Liter reinen Alkohols) unterscheiden sich je nach Quelle. Gegoren wird in Edelstahlbottichen, die älteren Bottiche aus Cor-Ten-Stahl wurden ersetzt.

Arbeit an einer Kupferbrennblase in der Glen-Scotia-Brennerei.
Arbeit an einer Kupferbrennblase in der Glen-Scotia-Brennerei. Aufnahme: 2019.
Foto: Abbieclements, Glen Scotia Still.jpg, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Für Gin-Time in der Größe angepasst und als WebP optimiert.

Wasser und Lage

Das Wasser stammt nach übereinstimmenden Angaben aus dem Crosshill Loch südlich von Campbeltown. Die Brennerei steht an der High Street im Stadtkern und bewahrt nach Herstellerangaben Teile der ursprünglichen Bausubstanz, darunter Gärbehälter, Brennhaus und ein Lagerhaus aus den 1830er-Jahren.

Fassreifung

Das Fundament bilden erstbefüllte Bourbonfässer, ergänzt durch Finishes: beim Double Cask in Fässern, die Pedro-Ximénez-Sherry enthielten, beim 18-Jährigen in Oloroso-Fässern. Die Abfüllungen sind in der Regel nicht kühlgefiltert.


Produkte & Charakter

Produkt Alkoholvolumen Charakteristik
Glen Scotia Harbour (Campbeltown Harbour) 40 % Leichter, salziger Einstieg aus Bourbonfässern ohne Altersangabe
Glen Scotia Double Cask 46 % Bourbonfass mit PX-Finish; süß, fruchtig, mit Karamell und Pfirsich
Glen Scotia 10 Jahre Peated 46 % Getorfter Zehnjähriger mit Rauch, Obst und Meersalz
Glen Scotia 15 Jahre 46 % Reife Frucht, Ingwer und Meeresbrise, Teil der Kernreihe
Glen Scotia 18 Jahre 46 % Oloroso-Finish, Trockenfrucht und salzige Frische
Glen Scotia Victoriana 54,2 % (je nach Charge leicht abweichend) Fassstark, süß und konzentriert mit Crème brûlée, Johannisbeere und Salzkaramell

Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Glen Scotia Harbour, Glen Scotia Double Cask, Glen Scotia 10 Jahre, Glen Scotia 10 Jahre Peated, Glen Scotia 15 Jahre, Glen Scotia 18 Jahre und Glen Scotia Victoriana.


Stil & Wiedererkennungswert

Glen Scotia schmeckt nach Küste: Salz, Meeresbrise und eine ölige Textur ziehen sich durch fast alle Abfüllungen, darüber liegen Obst und Vanille aus dem Bourbonfass. Anders als der Nachbar Springbank bleibt der Hausstil zugänglich und leichter, auch die getorften Varianten wirken eher rauchig-fruchtig als wuchtig. Mehr zum Hintergrund der Region steht im Beitrag über Campbeltown, Geschichte und Stil.

Wiedererkennbar ist außerdem die Breite der Reihe: vom einfachen 40-Prozent-Einstieg über Finishes bis zum fassstarken Victoriana. Die wechselvolle Firmengeschichte erklärt, warum Glen Scotia lange im Schatten stand und erst seit dem Neustart der Reihe nach 2014 wieder breit wahrgenommen wird.


Fazit

Glen Scotia ist eine gute Adresse für alle, die Campbeltown kennenlernen wollen, ohne gleich bei den gefragten und schwer erhältlichen Flaschen anzufangen. Der Double Cask ist die naheliegende Einstiegsabfüllung: süß, rund und mit 46 % kräftiger als der schlichte Harbour. Wer es salziger und reifer mag, greift zum 15- oder 18-Jährigen, Rauchfreunde probieren den Peated. Die Reihe ist stimmig, auch wenn Glen Scotia im Charakter weniger eigenwillig ist als Springbank.