Glen Scotia liegt mitten in Campbeltown an der Halbinsel Kintyre und ist neben Springbank und Glengyle eine der letzten drei aktiven Brennereien der einst whiskyreichen Hafenstadt. Gegründet wurde sie 1832, danach folgten Stilllegungen, Insolvenzen und viele Eigentümerwechsel, bis die Loch Lomond Group die Marke ab 2014 neu aufstellte. Der Hausstil verbindet Salz, Frucht und Öligkeit mit einem Hauch Rauch und gilt als typisch für Campbeltown. Dieses Porträt fasst Geschichte, Herstellung und Sortiment zusammen.
Überblick
- Name: Glen Scotia Distillery (ursprünglich Scotia)
- Ort: Campbeltown, Kintyre, Argyll, Schottland
- Gegründet: 1832
- Region: Campbeltown
- Besitzer: Loch Lomond Group (seit 2014)
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, ungetorft bis kräftig getorft, überwiegend Bourbonfassreifung mit Finishes
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1832 | Die Brennerei wird als Scotia von der Familie Stewart und Galbraith gegründet |
| 1919 | Die West Highland Malt Distilleries übernehmen den Betrieb, wenig später folgt die Insolvenz (je nach Quelle mit anschließendem Wiederbelebungsversuch bis 1928) |
| 1930er | Die Bloch Brothers kaufen die Brennerei (je nach Quelle 1933 oder 1936) |
| 1942–1945 | Die Produktion ruht während des Zweiten Weltkriegs |
| 1954/55 | Hiram Walker erwirbt den Besitz, kurz darauf folgt A. Gillies als Eigentümer (Schreibweise je nach Quelle abweichend) |
| 1984–1989 | Die Produktion ist ausgesetzt und wird unter Gibson International wieder aufgenommen (Details je nach Quelle abweichend) |
| 1994 | Gibson International geht in die Insolvenz, ein Abfüller übernimmt den Besitz |
| 2014 | Die Loch Lomond Group kauft die Brennerei und investiert in Kapazität, Lager und Besucherzentrum |
Besonderheiten bei der Herstellung
Malz und Anlage
Glen Scotia verarbeitet ungetorftes, mittel getorftes und stark getorftes Malz. Die Brennerei arbeitet mit nur einem Brennblasenpaar, einer Wash Still und einer Spirit Still aus Kupfer mit kurzem, breitem Hals. Die Größenangaben der Blasen und die Jahreskapazität (rund 600.000 bis 800.000 Liter reinen Alkohols) unterscheiden sich je nach Quelle. Gegoren wird in Edelstahlbottichen, die älteren Bottiche aus Cor-Ten-Stahl wurden ersetzt.

Foto: Abbieclements, Glen Scotia Still.jpg, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Für Gin-Time in der Größe angepasst und als WebP optimiert.
Wasser und Lage
Das Wasser stammt nach übereinstimmenden Angaben aus dem Crosshill Loch südlich von Campbeltown. Die Brennerei steht an der High Street im Stadtkern und bewahrt nach Herstellerangaben Teile der ursprünglichen Bausubstanz, darunter Gärbehälter, Brennhaus und ein Lagerhaus aus den 1830er-Jahren.
Fassreifung
Das Fundament bilden erstbefüllte Bourbonfässer, ergänzt durch Finishes: beim Double Cask in Fässern, die Pedro-Ximénez-Sherry enthielten, beim 18-Jährigen in Oloroso-Fässern. Die Abfüllungen sind in der Regel nicht kühlgefiltert.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Glen Scotia Harbour (Campbeltown Harbour) | 40 % | Leichter, salziger Einstieg aus Bourbonfässern ohne Altersangabe |
| Glen Scotia Double Cask | 46 % | Bourbonfass mit PX-Finish; süß, fruchtig, mit Karamell und Pfirsich |
| Glen Scotia 10 Jahre Peated | 46 % | Getorfter Zehnjähriger mit Rauch, Obst und Meersalz |
| Glen Scotia 15 Jahre | 46 % | Reife Frucht, Ingwer und Meeresbrise, Teil der Kernreihe |
| Glen Scotia 18 Jahre | 46 % | Oloroso-Finish, Trockenfrucht und salzige Frische |
| Glen Scotia Victoriana | 54,2 % (je nach Charge leicht abweichend) | Fassstark, süß und konzentriert mit Crème brûlée, Johannisbeere und Salzkaramell |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Glen Scotia Harbour, Glen Scotia Double Cask, Glen Scotia 10 Jahre, Glen Scotia 10 Jahre Peated, Glen Scotia 15 Jahre, Glen Scotia 18 Jahre und Glen Scotia Victoriana.
Stil & Wiedererkennungswert
Glen Scotia schmeckt nach Küste: Salz, Meeresbrise und eine ölige Textur ziehen sich durch fast alle Abfüllungen, darüber liegen Obst und Vanille aus dem Bourbonfass. Anders als der Nachbar Springbank bleibt der Hausstil zugänglich und leichter, auch die getorften Varianten wirken eher rauchig-fruchtig als wuchtig. Mehr zum Hintergrund der Region steht im Beitrag über Campbeltown, Geschichte und Stil.
Wiedererkennbar ist außerdem die Breite der Reihe: vom einfachen 40-Prozent-Einstieg über Finishes bis zum fassstarken Victoriana. Die wechselvolle Firmengeschichte erklärt, warum Glen Scotia lange im Schatten stand und erst seit dem Neustart der Reihe nach 2014 wieder breit wahrgenommen wird.
Fazit
Glen Scotia ist eine gute Adresse für alle, die Campbeltown kennenlernen wollen, ohne gleich bei den gefragten und schwer erhältlichen Flaschen anzufangen. Der Double Cask ist die naheliegende Einstiegsabfüllung: süß, rund und mit 46 % kräftiger als der schlichte Harbour. Wer es salziger und reifer mag, greift zum 15- oder 18-Jährigen, Rauchfreunde probieren den Peated. Die Reihe ist stimmig, auch wenn Glen Scotia im Charakter weniger eigenwillig ist als Springbank.

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