Glendalough Double Barrel – Irischer Grain mit Sherry-Finish
Der Glendalough Double Barrel ist ein irischer Single Grain, also ein Getreidewhiskey aus nur einer Brennerei, der zunächst in ehemaligen Bourbonfässern reift und anschließend in Oloroso-Sherryfässern nachgereift wird. Abgefüllt wird er mit 42 % Vol. Single Grain ist bei irischem Whiskey keine Massenware, denn die meisten Flaschen im Handel sind Blends oder Pot-Still-Abfüllungen. Der Double Barrel ist deshalb eine der leicht zugänglichen Möglichkeiten, Grain pur zu probieren.
Das Etikett nennt keine Altersangabe. Dafür verrät der Hersteller einige Eckdaten zu Getreide, Wasser und Fässern, die wir im Folgenden mit dem abgleichen, was Fachberichte aus der Markteinführung festhalten.
Geschichte: Fünf Freunde im Wicklow-Gebirge
Glendalough wurde 2011 von fünf Freunden aus Dublin gegründet und sitzt in Newtownmountkennedy in der Grafschaft Wicklow. Der Name verweist auf das gleichnamige Klostertal in den Wicklow Mountains, aus denen laut Hersteller auch das Quellwasser kommt. Die erste Abfüllung war nach Branchenangaben ein Poitín, der 2012 auf den Markt kam; Whiskey, Gin und andere Spirituosen folgten.
Zur Eigentümerstruktur finden sich unterschiedliche Angaben. Nach whisky.com stieg die kanadische Mark Anthony Brands International Group 2016 mit 40 % ein und übernahm im Dezember 2019 die übrigen Anteile, die Marke soll aber gemeinsam mit den Gründern weitergeführt werden. Bei der Brennerei heißt es, sie arbeite mit einer kleinen Pot-Still-Anlage und einer kontinuierlichen Coffey Still für Grain. In der Anfangszeit nutzte das Unternehmen Destillat aus Cooley, bevor eigener Whiskey gereift war.
Der Double Barrel im Speziellen
Der Double Barrel kam im Februar 2015 auf den Markt und gehört seitdem zu den bekanntesten Flaschen der Marke. Der Hersteller beschreibt ihn als Single Grain, gemacht aus Irish malted barley und Mais, gebrannt in einer Coffey Still und mit Wicklower Quellwasser auf Trinkstärke gebracht.
Zur Stärke: Aktuell nennt der Hersteller 42 % Vol. Abweichende Angaben bei älteren Chargen oder Händlern konnten wir nicht belegen, deshalb gilt hier der Herstellerwert. Zur Kühlfiltrierung und Färbung macht die Produktseite keine Angaben.
Ein Punkt bleibt offen: Der Hersteller sagt nicht, wo das Grain für diese Abfüllung gebrannt wurde. Ob es sich um Eigenbrand oder zugekauftes Destillat handelt, legt die Marke nicht offen, deshalb formulieren wir bewusst vorsichtig.
Herstellung: Erst Bourbon, dann Oloroso
Gereift wird zunächst in ausgebrannten amerikanischen Eichenfässern, die zuvor Bourbon enthielten. Nach Berichten zur Markteinführung dauerte diese Phase rund dreieinhalb Jahre. Anschließend folgt das Finish in Oloroso-Sherryfässern. Laut Hersteller stammen sie aus Montilla in Spanien, die Dauer liegt nach Händlerangaben bei rund sechs Monaten. Das Finish ist kurz genug, damit der leichte, milde Charakter von Grain nicht vom Sherry überrollt wird.
Der Bourbonfass-Teil liefert Vanille und Butterscotch, der Oloroso steuert Trockenfrüchte und einen Hauch Nuss bei. Grain-Whiskey nimmt solche Fasseinflüsse besonders deutlich an, weil das Destillat selbst wenig Eigengewicht mitbringt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Mittleres Gold mit leichtem Bernstein.
- Nase: Süß und cremig, mit Karamell, Butterfudge und weißer Schokolade, dazu Kochapfel, Weintraube und eine Spur Marzipan. Dunklere Noten wie Feige und Rosine kommen im Hintergrund.
- Gaumen: Leicht im Körper, buttrig-süß, mit Karamell, Birne und Apfel, danach Nelke, Pfeffer und ein wenig Marmelade. Je nach Verkoster tritt eine rumartige Süße hervor.
- Abgang: Kurz bis mittellang, mit Ingwer, poliertem Holz und leichter Gewürzschärfe.
Der Gesamteindruck ist der eines süßen, leicht getrunkenen Grains mit einem Finish, das erkennbar Charakter beisteuert. Tiefe und Länge sind begrenzt, und wer Pot-Still-Würze erwartet, wird sie hier nicht finden. Dafür ist die Nase verführerisch und der Whiskey sehr gut zugänglich.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tumbler oder kleinen Nosing-Glas kommen die cremigen Noten am besten zur Geltung. Ein bis zwei Eiswürfel oder ein Schuss Wasser nehmen die Süße zurück. Der Double Barrel eignet sich außerdem für einen Highball mit Ginger Beer und Limette, ebenso für einen Old Fashioned oder einen Whiskey Sour. Zum Essen passen Crème brûlée, Apfeltarte, gebrannte Mandeln und milder Blauschimmelkäse.
Einordnung & Alternativen
- Teeling Small Batch: ein irischer Blend mit Rum-Fass-Finish, der ebenfalls auf Fassnachreifung setzt.
- Writers' Tears Double Oak: ein Pot-Still-Malt-Mix mit mehr Würze und Struktur bei 46 % Vol.
- Jameson Caskmates Stout Edition: ein weiteres Finish-Konzept in der Einstiegs- bis Mittelklasse, hier mit Bierfässern.
Fazit
Der Glendalough Double Barrel ist ein zugänglicher irischer Single Grain, bei dem das Oloroso-Finish den leichten Getreidecharakter mit Karamell, Butterscotch und Trockenfrucht färbt. Er richtet sich an Neugierige, die Grain einmal pur probieren wollen, und an Fans süßer, weicher Whiskeys. Die begrenzte Tiefe und der kurze Abgang halten ihn unterhalb der Spitzenklasse, deshalb vergeben wir 3,8 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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