Writers' Tears Double Oak – Pot Still und Malt in zweierlei Eiche
Der Writers' Tears Double Oak ist ein irischer Whiskey, der Single Pot Still und Single Malt vermählt und ihnen zwei verschiedene Eichenhölzer mitgibt: amerikanische Bourbonfässer und französische Cognacfässer. Er wird mit 46 % Vol. abgefüllt und nach Herstellerangaben nicht kühlgefiltert. Damit steht er für die fassbetonte Seite der Marke, bei der nicht allein die Getreidewürze zählt, sondern vor allem das Zusammenspiel von Vanille und dunkler Frucht.
Zur Kategorie ein Hinweis: Händler führen den Double Oak häufig als Blend. Gemeint ist keine Mischung aus Malt und Grain, wie man sie von schottischen Blends kennt, sondern die Vermählung zweier Malt-basierter Whiskeytypen. Auf der Herstellerseite taucht Grain-Whiskey nicht auf.
Geschichte: Die dritte Kernabfüllung
Hinter der Marke steht Walsh Whiskey, ein Familienunternehmen aus Carlow, das 1999 von Bernard und Rosemary Walsh gegründet wurde. Die Firmengeschichte, den Namen der Marke und die Trennung vom Brennerei-Partner haben wir bereits beim Writers' Tears Copper Pot beschrieben, deshalb hier nur das, was den Double Oak betrifft.
Vorgestellt wurde er im Mai 2019 als dritte Kernabfüllung neben dem Copper Pot und der Cask-Strength-Variante. Den Boden dafür bereitete eine limitierte Cognac-Cask-Edition, mit der erstmals französische Eiche in die Reihe kam. Nach Angaben aus der Markteinführung entstand der Double Oak in Zusammenarbeit mit der Cognac-Familie Legaret. Eine eigene Brennerei-Porträtseite gibt es bei uns für Walsh nicht.
Der Double Oak im Speziellen
Der Whiskey trägt keine Altersangabe. Der Hersteller nennt als Bestandteile gereiften Single Pot Still und Single Malt, beide dreifach destilliert; ein Mischungsverhältnis veröffentlicht er nicht. Auch die Herkunft des Destillats wird nicht im Detail erläutert, hier gilt dasselbe wie bei den Geschwistern der Reihe.
Die Fassreifung ist der Kern der Abfüllung. Nach Herstellerangaben reift der Whiskey in amerikanischen Eichenfässern, die zuvor Bourbon aus Kentucky enthielten, und in französischen Eichenfässern aus der Cognac-Region. Händlerbeschreibungen nennen als Küferei der Cognacfässer Allary Cooperage; auf der Herstellerseite fanden wir das nicht. Ebenfalls offen bleibt, ob beide Fassarten die gesamte Reifezeit begleiten oder die Cognacfässer nur als Finish dienen.
Mit 46 % Vol. liegt er sechs Prozentpunkte über dem Copper Pot. Zur Färbung macht der Hersteller keine Aussage; die fehlende Kühlfiltrierung ist dagegen ausdrücklich genannt. Was das für den Geschmack bedeutet, erklärt unser Beitrag zu Kühlfiltrierung und Naturfarbe.
Herstellung: Zwei Hölzer, zwei Handschriften
Der Pot-Still-Anteil entsteht aus einer Maische mit gemälzter und ungemälzter Gerste. Das gibt dem Destillat Würze und eine ölige Textur. Der Malt-Anteil aus reiner gemälzter Gerste ist feiner und blumiger. Beide werden in Kupferbrennblasen dreifach gebrannt, was die Destillate leicht und sauber macht, bevor das Holz seine Rolle übernimmt.
Hier setzt das Konzept des Double Oak an. Amerikanische Eiche aus Bourbonfässern steuert nach den Angaben zur Markteinführung vor allem Süße und Vanille bei. Die französische Eiche aus den Cognacfässern bringt dagegen feinere Tannine und fruchtige Töne. Wie beide Hölzer im Glas zusammenarbeiten, lässt sich gut nachvollziehen, wenn man die Grundlagen der Fassreifung im Kopf hat. Verkoster verbinden die Trockenfrucht- und Gewürznoten häufig mit dem Cognac, die tropische Süße mit dem Bourbon.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Mittleres Gold; eine offizielle Farbangabe gibt es nicht.
- Nase: Süße Vanille und Zimt, dazu Pflaume, pochierte Birne und gekochtes Obst; mit Zeit kommen Nuss und ein Anflug von Zitrus.
- Gaumen: Zuerst pfeffrige Wärme, dann mäßige Süße mit Zitronenschale, hellen Trauben und weißem Pfirsich; darunter dunkle Schokolade und trockene Eiche.
- Abgang: Mittellang bis lang, mit Schokolade, Fassgewürz und einer grünen, leicht herben Note, die zum Ende hin trockener wird.
Insgesamt wirkt der Double Oak weicher und fruchtiger, als es der Pot-Still-Anteil vermuten lässt, und trotzdem nicht süßlich. Die Pfeffer- und Eichenwürze hält die Frucht im Zaum. Rauch gibt es nicht. Wer den Copper Pot als leicht und etwas dünn empfindet, bekommt hier mehr Körper und mehr Länge; ein Dram für stundenlange Analyse ist er aber nicht.
Genuss-Empfehlung
Am besten schmeckt der Double Oak pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur. Ein kleiner Schuss stilles Wasser öffnet die Frucht und nimmt dem Pfeffer ein wenig die Spitze, bei 46 % Vol. darf er ruhig dazu. Eis dämpft die Aromen eher; wenn, dann nur ein großer Würfel. Als Longdrink funktioniert er mit trockenem Ginger Ale und einer Orangenzeste, im Old Fashioned mit wenig Zucker und einem Spritzer Orangenbitter bringt er genug Fassnote mit. Zum Essen passen dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil, gereifter Gouda, Walnüsse oder pochierte Birne mit Zimt, die seine Nase fast spiegelt.
Einordnung & Alternativen
- Writers' Tears Copper Pot: Das leichtere Geschwister mit 40 % Vol., das Pot Still und Malt allein in Bourbonfässern zeigt.
- Redbreast 12 Jahre: Reiner Single Pot Still mit Sherryfassreifung, wer die Würze ohne Cognac-Frucht sucht.
- Green Spot: Ebenfalls Pot Still, aber heller und frischer, ohne die dunklere Fruchtseite des Double Oak.
Fazit
Der Writers' Tears Double Oak ist ein gut gemachter, zugänglicher Irish Whiskey für alle, die Pot-Still-Würze mit Fassfrucht verbinden möchten und dabei mehr Stärke und Länge wünschen als bei den 40-Prozent-Abfüllungen der Marke. Die Kombination aus Bourbon- und Cognacfass funktioniert, die fehlende Kühlfiltrierung hilft der Textur. Abzüge gibt es für die offenen Fragen bei Mischungsverhältnis, Destillatherkunft und Fassführung sowie für einen Abgang, der sich ohne Wasser etwas herb zeigt. Deshalb vergeben wir 4 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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