Glenfiddich 23 Jahre Grand Cru – Ein Finish im Cuvée-Fass
Der Glenfiddich 23 Jahre Grand Cru ist ein sehr alter Speyside-Malt, der seine Reife in einem ungewöhnlichen Finish abrundet: Nach 23 Jahren in amerikanischer und europäischer Eiche wird er bis zu sechs Monate in französischen Cuvée-Weinfässern nachgereift. Abgefüllt wird er mit 40 % vol., also in klassischer Standardstärke. Er ist der einzige Glenfiddich, der in solchen Fässern endet, und gehört zu den Spezialabfüllungen der Brennerei oberhalb der Kernreihe.
Geschichte: Familienbesitz seit 1887
Die Geschichte beginnt 1886, als William Grant in Dufftown nach eigener Überlieferung mit seinen sieben Söhnen, zwei Töchtern und einem einzigen Steinmetz die Brennerei Glenfiddich („Tal der Hirsche“) errichtete, mit gebrauchten Brennblasen. Das erste Destillat floss am 25. Dezember 1887. Bis heute gehört das Haus als William Grant & Sons der Familie und wird in fünfter Generation geführt – eine Seltenheit unter den großen schottischen Brennereien. Während der amerikanischen Prohibition baute Glenfiddich die Produktion aus und war damit bei der Aufhebung gut gerüstet.
In den 1950er-Jahren kamen eine eigene Kupferschmiede und eine Küferei auf das Gelände, 1963 begann die Marke, ihren Whisky im Ausland aktiv als Single Malt zu vermarkten – anfangs unter Bezeichnungen wie „Straight Malt“ oder „Pure Malt“. Der Grand Cru erschien am 3. September 2019 als Teil einer neuen „Grand“-Serie. Einen Überblick über die Brennerei bietet das Porträt Glenfiddich Distillery – Speyside.
Der Glenfiddich 23 Grand Cru im Speziellen
Reifung und Finish bilden die Eckpunkte: Der Malt liegt mindestens 23 Jahre in amerikanischen und europäischen Eichenfässern; Malt Master Brian Kinsman wählte dafür Fässer aus dem Bestand alter Malts. Beim Finish gibt es Unschärfen: Die Brennerei spricht von französischen „Cuvée“-Weinfässern und grenzt sie laut einem Rezensenten ausdrücklich von Champagner-Fässern ab, es handle sich um den einmal vergorenen Grundwein; andere Händler und Medien schreiben dagegen von Champagner-Cuvée. Wir bleiben deshalb bei „Cuvée-Fässern“. Zur Kühlfiltrierung und zur Färbung gibt es keine offizielle Angabe. Bei einigen Flughäfen wird eine Variante mit 43 % vol. verkauft, im Handel liegt er bei 40 %. Die Flasche steckt laut Launch-Meldung in einer drehbaren schwarz-goldenen Box; preislich ist der Grand Cru eine Premium-Rarität, deutlich über den Alltagsflaschen der Marke.
Herstellung: Kupferschmiede, Küferei und Marrying Tuns
Glenfiddich gehört zu den wenigen Brennereien mit eigener Küferei und eigenem Kupferschmied auf dem Gelände; beide wurden in den 1950er-Jahren eingerichtet. Das Wasser stammt komplett aus der Quelle Robbie Dhu. Die Brennblasen sind kleiner als in den meisten anderen Großbrennereien; Angaben zur genauen Zahl schwanken je nach Quelle, sodass wir keine nennen. Nahezu alle Abfüllungen werden in großen 2.000-Liter-Tuns aus portugiesischer Eiche „vermählt“, bevor sie in die Flasche kommen. Beim Grand Cru kommt als letzter Schritt das Finish im französischen Weinfass hinzu, begrenzt auf höchstens sechs Monate.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Gold.
- Nase: Apfelblüte, frisches Brot und kandierte Zitrone; unabhängige Verkoster ergänzen Birne, Brioche, Vanillepudding, Aprikose und Marzipan sowie einen kreidigen, mineralischen Hintergrund.
- Gaumen: Vanillige Eiche, süße Brioche, Sandelholz, Birnensorbet und weiße Trauben. Im Vergleich wirkt er cremig und leicht, mit etwas Zitronenkuchen und mildem Pfeffer – bei 40 % empfinden manche ihn als untergewichtig.
- Abgang: Lang und süß laut Brennerei, in den Rezensionen eher mittellang: Karamell, Toffee, weiße Birne und leichter Eichengriff.
Die unabhängigen Bewertungen liegen meist bei 85 bis 87 von 100 Punkten, einzelne Rezensenten vergeben mehr. Die Kritik richtet sich weniger gegen den Geschmack als gegen Stärke und Preis.
Genuss-Empfehlung
Der Grand Cru will pur und ohne Hast getrunken werden, am besten im Tulpenglas bei Zimmertemperatur. Wasser ist bei 40 % nicht nötig und würde die ohnehin zarte Struktur schwächen; Eis ist tabu. Zu Speisen passen Birnentarte, Brioche mit Butter, milder Weichkäse wie Brie oder ein gereifter Comté: Die milde Süße begleitet Birne und Vanille, ohne dem Whisky das Rampenlicht zu nehmen. Als Digestif nach einem leichten Menü kommt seine Zurückhaltung am besten zur Geltung.
Fazit
Der Glenfiddich 23 Jahre Grand Cru ist ein fein gearbeiteter, fruchtig-cremiger Speyside-Malt ohne Rauch und ohne Überraschungen – ein gelungenes Finish, das die Reife nicht überdeckt. Wer eine günstigere, bewährte Alternative aus demselben Haus sucht, greift zum Glenfiddich 18 Jahre; wer ein anderes ungewöhnliches Finish sucht, findet es im Glenfiddich 21 Jahre Reserva Rum Cask. Der Grand Cru ist hübsch verpackt, elegant und gut gemacht, aber kein Whisky, der durch Wucht überzeugt – für Sammler und Geschenke ein stimmiges Angebot, für Preis-Leistungs-Jäger weniger.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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