Glenmorangie X – der Malt, der gern in ein Highball-Glas wandert
Die meisten Single Malts werden für das Nosing-Glas gemacht, der Glenmorangie X dagegen für den Mixer. Die Highland-Brennerei aus Tain bringt ihn als Single Malt, der laut Hersteller „zum Mixen“ entwickelt wurde, mit 40 % Vol., ohne Altersangabe und mit der Ansage, süßer und reicher zu sein als die übrige Range. Er ist damit ein Gegenentwurf zur Puristen-Haltung und eine ehrliche Antwort darauf, dass viele Whisky-Trinker ihren Malt ohnehin mit Ginger Ale, Tonic oder Cola trinken.
Geschichte: Von der Farm zur LVMH-Brennerei
Die Wurzeln von Glenmorangie reichen nach Wikipedia bis 1703 zurück, als auf dem Morangie-Hof bereits Alkohol hergestellt wurde. 1843 kaufte William Matheson, ein ehemaliger Balblair-Betriebsleiter, den Hof, baute die dortige Brauerei zur Brennerei um und nannte sie Glenmorangie. Sie liegt in Tain in Ross-shire, das Wasser kommt aus den Tarlogie-Quellen. Bekannt ist die Brennerei für die höchsten Brennblasen Schottlands: 8 Meter. Wikipedia nennt sie die größten des Landes.
1918 übernahm das Unternehmen Macdonald & Muir die Brennerei, die Familie Macdonald führte sie fast 90 Jahre. 2004 ging Glenmorangie für rund 300 Millionen Pfund an Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH). Das Porträt der Glenmorangie Distillery erzählt mehr zum Haus. Dr. Bill Lumsden verantwortet als Director of Distilling, Whisky Creation and Whisky Stocks die Abfüllungen.
Der Glenmorangie X im Speziellen
Das Konzept ist schnell erklärt: Der Malt soll sich in Mischgetränken behaupten, ohne dass die Fruchtigkeit der Brennerei untergeht. Laut dem Händler Whiskysite reift er in Ex-Bourbon-Fässern und bekommt ein Finish in neuen, ausgebrannten Eichenfässern, um Aromen auszubauen; die Gesamtdauer nennt die Brennerei nicht. Die Seite Whisky for Everyone ergänzt, dass nur ein Teil des Whiskys dieses Finish bekommt. Master of Malt nennt als Partner Holunderblütensirup, prickelnden Apfelsaft, Ginger Beer, Tonic und Cola und führt außerdem eine Silbermedaille der San Francisco World Spirits Competition 2022 auf.
Unklar bleibt, wann genau die Abfüllung erschien; die Quellen nennen kein Jahr, Whisky for Everyone rezensierte sie im Mai 2021 und zählt sie zur Kern-Range. In der Sortimentsliste der Wikipedia taucht der X dagegen nicht auf, weshalb wir die Verfügbarkeit im Handel vor dem Kauf zu prüfen raten. Zur Kühlfiltrierung haben wir keine Angabe gefunden. Die Unterschiede zur Standardabfüllung lassen sich im Vergleich mit dem Glenmorangie Original 10 Jahre nachvollziehen.
Fassreifung im Detail: Warum frische, ausgebrannte Eiche?
Ein neu ausgebranntes Fass gibt in der Regel viel Holzaroma ab: Vanille, Gewürze, Süße. Unsere Lesart: Das passt zu einem Malt, der gegen Zitrus oder Ginger Beer bestehen soll. Wie unterschiedlich Fasstypen wirken, beschreibt der Beitrag zur Fassreifung.
Verkostungsnotiz
Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, etwa von Master of Malt und Whisky for Everyone.
- Farbe: Goldgelb.
- Nase: Laut Hersteller saftige Birne, Vanille, Geißblatt und Orange. Master of Malt nennt honigsüßes Malz mit Zitrone, Apfel und einem Hauch Muskat; Whisky for Everyone ergänzt grüne Apfelnoten und eine marshmallowartige Süße.
- Gaumen: Reich und süß, Orangen-Sorbet, Crème brûlée und Schokoladenfudge (Hersteller). Andere Rezensenten notieren Vanille, Aprikose, Mandel, Backgewürz, Kokos, weiße Schokolade und Trockenfrüchte.
- Abgang: Laut Hersteller lang und süß; Master of Malt beschreibt honigige Obstgartenfrucht mit einer Prise Pfeffer, Whisky for Everyone einen eher kurzen, pfeffrig-warmen Ausklang.
Die Rezensenten von Whisky for Everyone vergeben keine Punkte, halten den X aber für leicht und zart, nicht besonders komplex, aber gut zum Mixen geeignet. Das deckt sich mit dem Anspruch der Marke.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas ist der X freundlich, bleibt aber hinter den älteren Glenmorangies zurück. In seinem Element ist er als Highball mit Ginger Ale oder Tonic und einem Streifen Orangenschale, als Basis für einen Whisky Sour oder als Whisky in einem Old Fashioned, wo seine Süße weniger Zucker braucht. Wie man Whisky mit Soda trinkt, zeigt der Beitrag zu Highball und Mizuwari. Zum Essen passen Geflügel mit Orangensauce, Crème brûlée oder Vanilleeis.
Einordnung & Alternativen
- Glenmorangie Original 10 Jahre: Der klassische Einstieg der Brennerei, bewusst zurückhaltend.
- Glenmorangie Lasanta 12 Jahre: Mit Finish in Oloroso- und Pedro-Ximénez-Fässern, dunkler im Profil.
- Aberfeldy 12 Jahre: Ein weiterer honigsüßer Highland-Malt, den unsere Seite auch als Basis für einen Whisky Sour empfiehlt.
Fazit
Der Glenmorangie X ist kein Sammlerstück und will keines sein. Er ist ein leichter, süßer Highland-Malt, der in Cocktails und Longdrinks dem Zucker die Arbeit abnimmt und dabei Birne, Vanille und Orange liefert. Pur bleibt er unauffällig, im Highball dagegen überzeugt er. Für das klare Konzept und die gelungene Umsetzung vergeben wir 3,5 Punkte. Wer die Region Highlands besser kennenlernen möchte, findet im Beitrag zu Highlands-Whisky einen Überblick.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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