Die Kombination im Überblick
Hayman's Old Tom Gin und Fentimans Botanical Tonic Water treffen zwei Produkte mit sehr unterschiedlichem historischen Bezug aufeinander. Hayman's rekonstruierte den seit den 1950er-Jahren fast verschwundenen Old-Tom-Stil 2007 auf Basis historischer Rezeptnotizen aus dem eigenen Firmenarchiv und entschied sich bewusst dafür, die charakteristische Süße des Stils mit echtem Zucker nach der Destillation zu erzeugen statt über zusätzliche süßende Botanicals wie Süßholz oder Kamille – ein Verfahren, das laut Hersteller dem historischen Original aus dem 18. und 19. Jahrhundert näherkommt. Fentimans wiederum geht mit seinem Botanical Tonic Water auf die eigene, 1905 begründete Tradition des botanischen Brauens zurück, bei der Ysop und Zitrusbotanicals über mehrere Tage mit Hefe fermentiert werden. Auf der Produktseite des Botanical Tonic Water empfiehlt Fentimans die Kombination mit Hayman's Old Tom explizit, mit der Begründung, dass die dezente Süße des Old Tom Gins gut mit dem süßen Antritt des Tonics harmoniert, während dessen späterer Umschwung in Richtung Kräuter und Herbe für ein spannendes Wechselspiel sorgt.
Warum diese Kombination funktioniert
Der Hayman's Old Tom ist ein bewusst weicher, malzig-süßer Gin: Wacholder und Koriander bilden zwar das Zentrum, treten aber deutlich hinter die nachträglich zugesetzte Zuckersüße, cremig-mandelige Noten und florale Rosenwasser-Anklänge zurück. Ein trocken-bitteres Indian Tonic würde diese sanfte, dessertartige Aromatik eher kontrastieren als ergänzen. Das Fentimans Botanical Tonic Water geht einen interessanteren Weg: Sein süßer Antritt trifft die eigene Süße des Old Tom auf Augenhöhe, sodass sich beide zunächst gegenseitig bestätigen, statt zu konkurrieren. Erst im weiteren Verlauf schwenkt das Tonic über Orangen- und Limettennoten in Richtung Ingwer, Zitronengras und spürbarer Herbe um – ein Umschwung, den der von Haus aus recht ruhige Old Tom so allein nicht liefern könnte. Dieses Wechselspiel aus gemeinsamem süßem Auftakt und anschließend vom Tonic getragener Kräuter-Wendung verleiht der insgesamt eher schlichten Aromatik des Gins zusätzliche Dynamik und verhindert, dass der Drink über die gesamte Länge hinweg eindimensional süß bleibt.
Verkostung der Kombination
In der Nase zeigt sich zunächst eine malzig-süße, an Graham Cracker erinnernde Note, die sich mit der Ysop-Kräuternote des Tonics zu einem ungewöhnlichen, aber angenehmen Bild verbindet. Am Gaumen dominiert zu Beginn die gemeinsame Süße von Gin und Tonic, unterlegt von cremig-mandeligen und leicht floralen Rosenwasser-Anklängen des Old Tom. Zur Mitte hin treten Orangen- und Limettennoten des Tonics hervor, bevor der Drink im weiteren Verlauf deutlich herber und kräuteriger wird, während Wacholder und Koriander des Gins im Hintergrund bleiben. Säure spielt kaum eine Rolle – wer einen frisch-spritzigen Gin & Tonic erwartet, findet hier stattdessen ein rundes, in der zweiten Hälfte überraschend würziges Geschmacksbild. Der Abgang ist mittellang, mit einem letzten Hauch kandiertem Ingwer, der die süße Grundnote des Old Tom noch einmal in Erinnerung ruft.
Serviervorschlag
Ein großes Ballonglas mit reichlich Eis und ein Verhältnis von etwa 1:3 sorgen dafür, dass sich der Umschwung von süßem Antritt zu kräuteriger Herbe in Ruhe entfalten kann. Als Garnitur passt eine Zitronenzeste gut, da sie den im Old Tom nur dezent vorhandenen Zitrusanteil unterstreicht und dem insgesamt sehr süßen Drink eine kleine frische Gegennote entgegensetzt. Von zusätzlichen süßen Garnituren wie kandierten Früchten sollte dagegen abgesehen werden, da Gin und Tonic bereits beide auf Süße setzen und der Drink sonst schnell zu schwer wirken könnte.
Einordnung & Vergleich
Innerhalb des Hayman's-Old-Tom-Katalogs zeigt der Vergleich zur bereits vorgestellten Paarung mit dem klassischen Fentimans Tonic Water, ebenfalls mit 4/5 bewertet, wie unterschiedlich stark die beiden Fentimans-Varianten wirken: Das klassische, erdig-bittere Tonic setzt der Süße des Old Tom ein deutlicheres Gegengewicht entgegen, während das Botanical Tonic Water durch seinen süßen Auftakt zunächst mit dem Gin gleichzieht und erst später Kontur gewinnt. Deutlich schwächer schneidet dagegen die Kombination mit dem Cherry Blossom Tonic ab, die mit nur 2/5 bewertet wurde, weil zwei süße, blumige Profile hier ohne den späteren Kräuterumschwung des Botanical Tonic Water schlicht zu einseitig geraten. Gerade dieser Vergleich macht deutlich, dass die fermentierte Komplexität des Botanical Tonic Water der eigentliche Schlüssel ist, warum die vorliegende Kombination trotz der insgesamt schlichten Aromatik des Old Tom so gut funktioniert.
Fazit
4/5 Punkte. Eine gelungene, wenn auch sehr süß ausgerichtete Kombination, die von genau jenem Wechselspiel lebt, das Fentimans selbst für diese Paarung verspricht: ein gemeinsamer süßer Auftakt, gefolgt von einer überraschend deutlichen Kräuterwende. Wer den Old Tom bislang nur pur oder in einem Tom Collins kennt, findet hier eine interessante, dynamischere Variante als bei den meisten anderen Old-Tom-Kombinationen im Katalog. Wer allerdings viel Säure und Frische im Glas schätzt, sollte eher zu einem klassischeren, weniger süßen Setup greifen – für Liebhaber weicher, sich wandelnder Aromenbilder ist dies dagegen eine der interessanteren Fentimans-Paarungen.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Weitere Gin & Tonic Kombinationen

Hayman's Old Tom Gin & Fentimans Tonic Water (4/5)
Die nach der Destillation zugesetzte Zuckersüße des Old Tom fängt die kräftige, erdige Fentimans-Bitterkeit ab, ohne sie zu übertönen — eine historisch stimmige Paarung.

Hendrick's Gin & East Imperial Grapefruit Tonic Water (5/5)
Rose und Gurke treffen auf saftige rosa Grapefruit — ein reizvoller Kontrast, bei dem sich keine der beiden Aromenwelten durchsetzt.

Hendrick's Gin & 1724 Tonic Water (5/5)
Ohne eigene Bitterspitzen lässt das 1724 die Rosen- und Gurkennote des Hendrick's ungestört durchscheinen — eine vom Tonic-Hersteller selbst empfohlene Paarung.

