Isle of Raasay Single Malt – Der erste legale Whisky einer Hebrideninsel
Der Isle of Raasay Single Malt stammt von der 2017 in Betrieb genommenen Isle of Raasay Distillery – der ersten legalen Whiskybrennerei auf der kleinen Insel zwischen Skye und dem schottischen Festland. Damit schreibt die Abfüllung buchstäblich Geschichte: Vor der offiziellen Gründung existierte auf Raasay lediglich eine lange Tradition des Schwarzbrennens. Der Kern-Single-Malt, mittlerweile unter dem Namen "The Draam" vermarktet und in nummerierten Batches der R-01-Serie verkauft, reift in einer ungewöhnlichen Kombination aus drei Fasstypen und wird mit 46,4 % Vol. ohne Kühlfiltrierung und ohne Farbzusatz abgefüllt. Die Insel selbst prägt den Charakter des Whiskys entscheidend mit: Alles, vom Maischen bis zur Abfüllung, geschieht direkt vor Ort.
Geschichte: Gegründet 2014, gebrannt seit 2017
Die Isle of Raasay Distillery wurde 2014 von Bill Dobbie und Alasdair Day unter dem Dach ihres Unternehmens R&B Distillers gegründet. Nach dem Bau auf dem Gelände des früheren, verlassenen Borodale House im Südwesten der Insel nahm die Destillerie im September 2017 den Betrieb auf. Bereits im Januar 2018 öffnete ein Besucherzentrum, das im selben Jahr mit der Höchstbewertung von fünf Sternen durch VisitScotland ausgezeichnet wurde. Auf die Gin-Produktion, die im Juli 2019 startete, folgte im September 2020 die erste offizielle Single-Malt-Abfüllung der Insel. Master Distiller Alasdair Day, der aus einer Whisky-Händlerfamilie stammt, entwickelte dabei ein Reifungskonzept, das die Destillerie selbst als in dieser Form einzigartig in der Geschichte des Scotch Whisky bezeichnet. Innerhalb weniger Jahre stieg Raasay so stark in der öffentlichen Wahrnehmung, dass die Destillerie 2023 zu den drei meistbesuchten Whiskybrennereien Schottlands zählte – ein bemerkenswerter Erfolg für eine derart junge, abgelegene Insel-Destillerie.
Der Isle of Raasay Single Malt im Speziellen
Seit der ersten Abfüllung 2020 hat sich der Kern-Single-Malt zur festen Größe im Sortiment entwickelt und wird seither in fortlaufend nummerierten Batches (R-01.1, R-01.2 und so weiter) veröffentlicht, wobei die grundlegende Reiferezeptur seit Beginn nahezu unverändert geblieben ist. Gereift wird in einer Dreifach-Kombination aus Ex-Rye-Whiskey-Fässern, Virgin-Chinkapin-Oak-Fässern (unbenutzte amerikanische Kastanieneichenfässer) sowie Ex-Rotwein-Fässern aus Bordeaux – eine Zusammensetzung, die es laut Destillerie zuvor in der schottischen Whiskygeschichte in dieser Form nicht gegeben hat. Der verwendete New Make selbst wird zudem leicht getorft eingemaischt, was den Whisky von den meisten unpeated Speyside- oder Lowland-Malts unterscheidet. Abgefüllt wird mit 46,4 % Vol., non-chill-filtered und ohne Farbzusatz – deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard und in einer für eine derart junge Destillerie schon fest etablierten, wiedererkennbaren Stilrichtung.
Herstellung: Eisenzeit-Brunnen und lange Gärzeiten
Das Prozesswasser der Destillerie stammt aus Tobar na Bà Bàine, einem keltischen Brunnen aus der Eisenzeit, dessen mineralreiches Wasser durch vulkanisches Gestein und Sandstein gefiltert wird – eine geologische Kombination, die auf den Hebrideninseln selten ist. Ungewöhnlich lang fällt zudem die Gärzeit aus: Bis zu 115 bis 118 Stunden bleibt die Maische in den Gärbottichen, deutlich länger als bei den meisten schottischen Destillerien üblich. Diese ausgedehnte Fermentation begünstigt die Bildung fruchtiger Ester, die dem fertigen Whisky seine ausgeprägte Brombeer- und Dunkelfruchtnote verleihen, bevor die charakteristische Dreifach-Fasslagerung diese Aromen zusätzlich mit Gewürz- und Eichennoten unterlegt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Kupfergold, bedingt durch den Rotweinfass-Anteil kräftiger als bei rein Bourbon-gereiften Whiskys.
- Nase: Dunkle Waldbeeren wie Brombeere und Kirsche, süße Gewürze wie Zimt, dazu Honig und ein zartes Rauchschleier im Hintergrund.
- Gaumen: Warm und vollmundig, mit schwarzem Pfeffer, weiterhin dunklen Beeren, Vanille aus dem Chinkapin-Eichenfass und einer leicht würzigen Schärfe vom Roggenfass.
- Abgang: Mittellang, wärmend, mit nachklingender Fruchtsüße und einem feinen, nicht dominanten Rauchhauch.
Genuss-Empfehlung
Am besten kommt der Isle of Raasay Single Malt pur oder mit wenigen Tropfen Wasser in einem Glencairn-Glas zur Geltung, das die komplexe Kombination aus Beerenfrucht, Gewürz und dezentem Rauch bündelt. Zimmertemperatur ist ratsam, da die feinen Fruchtaromen bei zu starker Kühlung untergehen würden. Kulinarisch passt der Whisky hervorragend zu dunkler Schokolade, Wildgerichten oder einem Dessert mit roten Waldbeeren – Aromen, die die dunkle Fruchtigkeit und die leicht würzige Rauchnote sinnvoll ergänzen, ohne sie zu überdecken. Auch als Digestif nach einem herzhaften Essen zeigt sich der Raasay von seiner besten Seite, wenn genug Zeit bleibt, die ungewöhnliche Fasskombination Schicht für Schicht zu entdecken.
Fazit
Der Isle of Raasay Single Malt beweist, dass auch eine junge, erst wenige Jahre alte Destillerie mit einem klaren, unverwechselbaren Konzept sofort einen eigenen Stil etablieren kann. Die ungewöhnliche Kombination aus Roggen-, Rotwein- und Virgin-Oak-Fässern sorgt für ein Aromenprofil, das sich deutlich von klassischen Bourbon- oder Sherryfass-Abfüllungen abhebt und Fans komplexer, fruchtbetonter Whiskys ansprechen dürfte. Wer torfige Insel-Whiskys wie den Ardbeg 10 Jahre kennt, wird beim Raasay eine deutlich subtilere, nur angedeutete Rauchnote vorfinden – ein spannender Kompromiss für alle, die zwischen unpeated und kräftig getorften Stilen liegen möchten.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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