Indri Dru Cask Strength – Bourbonfass pur und unverdünnt
Der Indri Dru ist die Fassstärke-Abfüllung aus der Malt-Brennerei von Piccadily im nordindischen Haryana. Er reift ausschließlich in Ex-Bourbon-Fässern und kommt mit 57,2 % Vol. in die Flasche, ohne Farbzusatz und ohne Kühlfiltrierung. Der Name stammt aus dem Sanskrit und bedeutet nach Herstellerangaben so viel wie Holz oder Holzgefäß, was auf den Kern der Abfüllung verweist: Fass, Frucht und Destillat, ohne weiteren Schnickschnack.
Während der Trini der Marke mit drei Fasstypen spielt, setzt der Dru auf Reduktion. Das Ergebnis ist ein kräftiger, süßer und tropisch-fruchtiger Malt, der Fassstärke-Fans anspricht und zugleich für Einsteiger machbar bleibt, solange sie mit Wasser umgehen.
Geschichte: Ein Spirituosenhaus entdeckt den Malt
Hinter Indri steht Piccadily Agro Industries, ein indisches Unternehmen aus dem Spirituosengeschäft, das seine Malt-Brennerei im Dorf Indri im Distrikt Karnal betreibt. Als Gründungsjahr der Malt-Anlage nennen Firmen- und Händlerangaben 2012, einzelne Quellen sprechen von einer Reifung seit 2010. Die Marke Indri trat 2021 in Indien und 2022 international an.
Der Dru kam nach dem Trini hinzu und wurde nach Importeursmeldungen später auch in den USA und in Großbritannien eingeführt. Als Master Blender wird in mehreren Quellen Surrinder Kumar genannt, der die Fässer von Hand auswählt. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Indri / Piccadily Distillery.
Der Dru im Speziellen
Der Dru hat keine Altersangabe. Was die Reifezeit angeht, schweigt die Marke; die Fässer lagern in Nordindien, wo Sommertemperaturen die Reaktion zwischen Holz und Destillat stark beschleunigen. Laut Importeur wird er mit natürlicher Farbe und ohne Kühlfiltrierung abgefüllt.
Beim Alkoholgehalt gibt der Hersteller 57,2 % Vol. an; so nennen ihn auch Importeure und mehrere Testberichte. Da es sich um Fassstärke handelt, kann der Wert je nach Charge um Nachkommastellen schwanken. Einzelne Bewertungsportale runden auf 57 %. Wir führen hier den Wert der Standardabfüllung. Wie der Begriff genau funktioniert, erklärt unser Beitrag zu Cask Strength und Proof.
Herstellung: Sechszeilige Gerste und Bourbonholz
Das Malz stammt aus indischer sechszeiliger Gerste, die Brennerei arbeitet mit schottisch inspirierten Kupfer-Pot-Stills; laut Firmenseite sind es drei Wash- und drei Spirit Stills. Die Brennerei betreibt nach einer Importeursangabe außerdem eine eigene Küferei, in der Fässer aufgearbeitet werden. Welche Bourbon-Hersteller die Fässer geliefert haben, nennt die Marke nicht.
Das Klima prägt den Whisky entscheidend. Im Sommer wird es in Haryana sehr heiß, im Winter vergleichsweise kühl. Die Reifung läuft entsprechend schnell, der Verlust durch Verdunstung ist hoch. Weshalb heiße Lagerstandorte Whisky so schnell reifen lassen, erklären wir im Beitrag über den Angel's Share und das Klima. Für den Dru heißt das: viel Fasseinfluss in kurzer Zeit, dazu die Süße und Kokosnote, die Bourbonholz typischerweise abgibt, ohne dass der Whisky holzig-bitter kippt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Gold bis Bernstein, ohne Farbzusatz.
- Nase: Butterscotch, Karamell und Vanille, Kokosflocken und gegrillte Ananas, dazu Muskat und ein Hauch Zitrus. Manche Tester finden gebutterten Mais und Malz.
- Gaumen: Dicht und süß mit Crème brûlée, tropischer Frucht von Mango bis Guave, Feige und dunkler Schokolade. Dazu schwarzer Pfeffer, etwas Tabak und eine spürbare Alkoholwärme.
- Abgang: Mittel bis lang, mit Mandarinenschale, Zimt, Eichenholz und Gewürzen, die langsam auslaufen.
Mit ein paar Tropfen Wasser wird die Nase runder und das Karamell tritt hervor, während die Hitze am Gaumen nachlässt. Ein Tester merkt an, dass zu viel Wasser die kräftigen Aromen verdünnt; man sollte daher tropfenweise vorgehen. Insgesamt ist der Dru ein fassstarker Malt mit gutem Gleichgewicht aus Süße, Frucht und Würze, bei dem die Alkoholstärke gut eingebunden ist.
Genuss-Empfehlung
Im Tulpenglas bei Zimmertemperatur, zunächst pur, danach mit ein paar Tropfen stillem Wasser. Ein großer Eiswürfel nimmt etwas Schärfe, dämpft aber die Aromen. Für Cocktails ist er zu schade, in einem Old Fashioned mit Zuckersirup und Orangenzeste macht er aber eine gute Figur. Zu Speisen passen Crème brûlée, gebrannte Mandeln, Zartbitterschokolade oder ein kräftiges, gewürztes Gericht mit Mango-Chutney.
Einordnung & Alternativen
- Indri Trini: Dieselbe Brennerei, aber mit 46 % Vol. und drei Fasstypen weicher und weinig-süßer.
- Amrut Peated Cask Strength: Indiens bekanntester Fassstärke-Malt, deutlich rauchiger und höher im Alkohol.
- Paul John Bold: Ein Bourbonfass-Malt aus Goa mit 46 % Vol., hier mit Torf statt tropischer Frucht.
Fazit
Der Indri Dru ist ein fassstarker indischer Single Malt, der Süße, tropische Frucht und Gewürz mit viel Kraft verbindet und die Bourbonfassreifung ehrlich zeigt. Er richtet sich an Fassstärke-Trinker und an Neugierige, die auch mit Wasser umgehen können. Für die stimmige Balance und die saubere Machart, bei etwas Alkoholhitze ohne Wasser, vergeben wir 4,3 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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