Indri Trini – The Three Wood

Indischer Whisky

Indri Trini – The Three Wood

4,5/5 Redaktionsbewertung
46 % vol.Ex-Bourbon-, French-Wine- & Pedro-Ximénez-Sherry-FassIndri, Haryana, Indien
Indischer WhiskySingle MaltWhisky
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Indri Trini – The Three Wood – Indiens Whisky-Senkrechtstarter

Kaum eine neue Abfüllung hat die internationale Whiskyszene in den letzten Jahren so überrascht wie der Indri Trini – The Three Wood aus Nordindien. Hergestellt von der Piccadily Distillery im Dorf Indri im Bundesstaat Haryana, unweit der Ausläufer des Himalaya, reift dieser Single Malt in drei verschiedenen Fasstypen – Ex-Bourbon-, French-Wine- und Pedro-Ximénez-Sherry-Fässern. Mit 46 % Vol. und ohne Altersangabe zeigt er eindrucksvoll, wie das extreme, heiße Klima Nordindiens die Reifung gegenüber Schottland drastisch beschleunigt. Seit seinem Debüt 2022 hat sich der Trini zu einem der meistdiskutierten indischen Whiskys weltweit entwickelt und mehrere internationale Auszeichnungen eingesammelt.

Geschichte: Vom Zuckerrohr-Imperium zum Whisky-Senkrechtstarter

Die Wurzeln von Piccadily reichen bis 1953 zurück, als Pt. K.N. Sharma im Punjab mit dem Handel von Spirituosen unter dem Namen Kedar Nath and Sons begann und daraus über Jahrzehnte ein Familienunternehmen mit Restaurants und Hotels in Chandigarh, Delhi und Ludhiana aufbaute. Erst 1994 wagte die Familie den Schritt in die eigene Produktion und errichtete eine Zuckermühle mit angeschlossener Destillerie. 2007 folgte eine Getreidedestillerie, 2010 schließlich eine eigene Malt-Destillerie mit Fasslager in Indri, Haryana – die Basis für das, was 2022 als Marke Indri an den Start ging. Der erste Ausdruck, der Trini – The Three Wood, wurde noch im selben Jahr international bekannt: Er wurde bei den World Whiskies Awards 2022 zum besten indischen Single Malt gekürt und sammelte in den Folgejahren zahlreiche weitere Goldmedaillen ein, während eine spätere Sonderabfüllung der Marke 2023 sogar zum "World's Best Whisky" gewählt wurde – ein bemerkenswerter Aufstieg für eine Brennerei, die erst wenige Jahre zuvor noch ausschließlich Massenspirituosen produzierte.

Der Indri Trini im Speziellen

Der Trini wird aus sechszeiliger indischer Gerste hergestellt, die überwiegend aus Rajasthan stammt, und in kupfernen Brennblasen indischer Bauart destilliert. Namensgebend ist die Reifung in drei unterschiedlichen Fasstypen: Ex-Bourbonfässer liefern die Basis aus Vanille und Kokos, ehemalige French-Wine-Fässer steuern florale und weinige Nuancen bei, während Pedro-Ximénez-Sherryfässer für Röstaromen, Trockenfrucht und dunkle Süße sorgen. Abgefüllt wird der Trini mit 46 % Vol., ohne Kühlfiltrierung und ohne Altersangabe – wobei die Reifezeit aufgrund des Klimas ohnehin kaum mit schottischen Jahresangaben vergleichbar wäre. Innerhalb der noch jungen Indri-Range positioniert sich der Trini als zugängliche, aber keineswegs simple Einstiegsabfüllung, neben der inzwischen unter anderem eine torfige Variante sowie limitierte Diwali-Editionen erschienen sind.

Herstellung: Warum indische Hitze die Fassreifung auf den Kopf stellt

Der wohl wichtigste Unterschied zur schottischen Whiskyproduktion liegt nicht in der Destillation, sondern im Klima. Indri liegt am Fuß des Himalaya, wo Sommertemperaturen von deutlich über 40 Grad Celsius keine Seltenheit sind. Diese Hitze lässt Whisky in den Lagerhallen um ein Vielfaches schneller reagieren als in den kühlen schottischen Highlands: Der sogenannte "Angel's Share" – der jährliche Verdunstungsverlust im Fass – liegt in Indien um ein Mehrfaches höher als in Schottland, wodurch der Whisky in wenigen Jahren eine Reife erreicht, für die schottische Fässer deutlich länger brauchen. Zugleich extrahiert die Hitze Fassaromen und Gerbstoffe schneller aus dem Holz, was dem Trini trotz vergleichsweise kurzer Lagerzeit bereits eine bemerkenswerte Fülle und Holzwürze verleiht – ein Produktionsprinzip, das indische Brennereien wie Amrut in Bangalore auf ähnliche Weise nutzen, nur unter noch extremeren klimatischen Bedingungen.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Kräftiges Bernstein-Gold.
  • Nase: Eingekochte Pfirsiche, Karamell (Golden Syrup) und aromatisches Eichenholz, dazu warme Backgewürze wie Zimt und Nelke.
  • Gaumen: Cremig und fruchtig, mit Ananas, Aprikose und einer leicht joghurtartigen Cremigkeit, begleitet von Muskatnuss und gerösteten Mandeln.
  • Abgang: Mittellang, mit nachklingender tropischer Frucht und Karamell, die von Pfeffer und einer feinen Zimtwürze abgelöst werden.

Genuss-Empfehlung

Der Indri Trini lohnt sich pur oder mit einem einzelnen Tropfen Wasser, am besten in einem Tumbler- oder Nosing-Glas bei Zimmertemperatur, damit sich die vielschichtigen Frucht- und Gewürznoten voll entfalten können. Von zu viel Eis oder starker Kühlung ist eher abzuraten, da sie die für den Trini typische cremige Fülle unterdrücken würde. Kulinarisch passt er hervorragend zu würzigen, leicht scharfen Gerichten – etwa einem milden Curry oder gegrilltem Lamm mit Gewürzkruste – da seine intensive Fruchtsüße und Holzwürze auch neben kräftigen Aromen bestehen kann. Auch zu dunkler Schokolade mit Chili oder zu getrockneten Aprikosen entfaltet der Trini eine überraschend stimmige Begleitung.

Fazit

Der Indri Trini – The Three Wood ist weit mehr als eine Kuriosität aus einem aufstrebenden Whiskyland – er ist ein eigenständiger, komplexer Single Malt, der internationale Anerkennung völlig zu Recht erhalten hat. Im Vergleich zum indischen Amrut Intermediate Sherry zeigt sich der Trini tropischer und fruchtbetonter, während der Amrut mit seiner intensiveren Sherry-Süße etwas gewichtiger daherkommt. Wer bislang nur schottische oder japanische Single Malts kennt, sollte dem Trini unbedingt eine Chance geben: Er zeigt eindrucksvoll, wie stark Klima und Terroir den Charakter eines Whiskys prägen können, und gehört zweifellos zu den spannendsten Neuentdeckungen der vergangenen Jahre.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße4/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit5/5
Würze/Eiche3/5

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