Scotch Whisky

Jura 12 Jahre Whisky

3,8/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.MittelklasseEx-Bourbon-Fass mit Oloroso-Sherry-Finish (laut Händlerangaben)Craighouse, Isle of Jura, Schottland
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Jura 12 Jahre – der sherrygefinishte Mittelweg der Insel

Die Insel Jura zählt laut Wikipedia rund 250 Einwohner und etwa 5.000 Rothirsche, und im Hauptort Craighouse steht die einzige Brennerei der Insel. Der Jura 12 Jahre ist ihr mittleres Kernstück: zwölf Jahre in Ex-Bourbon-Fässern aus amerikanischer Weißeiche gereift, danach laut Händlerangaben in Oloroso-Sherryfässern aus Jerez nachveredelt, abgefüllt mit 40 % vol. Er ist weicher und runder als der Origin 10, mit mehr Nuss, Kaffee und dunkler Frucht, und trägt nach Händlerbeschreibung eine leise Rauchspur im Hintergrund.

Geschichte: Von Orwells Insel zum Hausstil

Jura ist durch einen Schriftsteller bekannt geworden, noch bevor die Brennerei zurückkam: George Orwell lebte zwischen 1946 und 1949 zeitweise im abgelegenen Barnhill im Norden der Insel und stellte dort Nineteen Eighty-Four fertig. Die Brennerei selbst hat eine bewegte Geschichte hinter sich; die Gründung 1810, der Verfall um 1900 und der Wiederaufbau 1963 sind im Porträt Jura Distillery und im Artikel zum Jura 10 Jahre nachzulesen. Heute betreibt Whyte & Mackay die Anlage, die zu Emperador gehört.

Der Jura 12 im Speziellen

Der Jura 12 wurde laut einem Testbericht im Zuge der Neugestaltung der Reihe 2018 als Teil der Signature Series eingeführt. Er steht im Sortiment zwischen dem unverrauchten Origin 10 und den älteren Abfüllungen. Als Besonderheit gilt das Sherry-Finish: Zwölf Jahre Bourbonfass, danach Oloroso. Wie lange das Finish dauert, wird nicht genannt.

Wichtig ist die Abgrenzung zu einer verwandten Flasche: Die Jura 12 Year Old Oloroso Edition wurde laut The Whiskey Wash mit 46 % vol. eingeführt, naturfarben, nicht kühlgefiltert und nur über Fachhändler. Die hier beschriebene Standardflasche hat 40 % vol. Ob sie kühlgefiltert oder gefärbt ist, geben die Quellen nicht an. Das Prinzip erklärt der Beitrag Whisky-Fassreifung erklärt.

Herstellung: Hohe Blasen, Inselwasser, mildes Destillat

Das Destillat bleibt dem Jura-Stil treu. Nach Wikipedia stehen zwei Wash Stills mit je 24.500 Litern und zwei Spirit Stills mit je 15.500 Litern im Brennhaus; das Wasser stammt aus dem Loch a' Bhaile Mhargaidh. Die hohen Brennblasen sorgen für einen leichten Spirit, auf dem das Sherry-Finish aufbaut. Ob und wie viel getorfter Malt in den 12-Jährigen fließt, gibt der Hersteller nicht klar an. Unser Brennerei-Porträt beschreibt ihn als Verbindung aus ungetorftem und getorftem Malt, ein Händlertext spricht von „einem Hauch Rauch“; eine Rezeptangabe des Herstellers konnten wir nicht finden. Als Grundlage für den Geschmack hilft ein Blick auf den Überblick der Scotch-Regionen.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Goldton bis dunkles Orangegold.
  • Nase: Laut Hersteller dunkle Schokolade, Honig, Walnuss und milde Zitrusfrucht. Ein Tester nimmt außerdem Orangenmarmelade, Rosinen, Vanille und Zimt wahr, dazu eine Spur Salz und rußigen Rauch.
  • Gaumen: Mittelleichter Körper mit Kaffee, Lakritz und braunem Zucker, laut Hersteller auch gesalzene Banane. Ein Test nennt zusätzlich Toffee, Ingwer, Sternanis und Haselnuss, am Rand etwas Torfrauch.
  • Abgang: Lang und leicht würzig, mit Fruchtkompott, herber Schokolade und Kaffee. Ein Verkoster findet ihn etwas süß und glattpoliert.

Genuss-Empfehlung

Der Jura 12 gelingt am besten pur im Tulpenglas, bei Zimmertemperatur und ohne Eile; ein Tropfen stilles Wasser holt Frucht und Walnuss hervor. Mit 40 % vol. verträgt er wenig Verdünnung. Auf einem großen Eiswürfel wird er zu einem unkomplizierten Absacker. Für einen Highball mit Ginger Ale ist der Sherry fast zu schade, aber er funktioniert. Kulinarisch passen Walnusskuchen, Tiramisu oder dunkle Schokolade mit Orangenschale, aber auch gereifter Gouda, Manchego oder Trockenfrüchte, die die Oloroso-Seite aufgreifen.

Einordnung & Alternativen

  • Jura 10 Jahre – der unverrauchte Einstieg der Brennerei, schlanker und mit Vanille und Orange statt Sherry-Nuss.
  • Tobermory 12 Jahre – der andere Inselmalt aus den Inneren Hebriden, ungetorft, aber mit 46,3 % vol. kräftiger und zitrusfrischer.
  • Bunnahabhain 12 Jahre – der Nachbar auf Islay, mit Sherry-Würze und salziger Meeresbrise, bei 46,3 % vol. aber mit deutlich mehr Wucht.

Fazit

Der Jura 12 Jahre ist ein sauber gemachter, süßlicher Inselmalt für alle, die dem Origin 10 etwas mehr Gewicht und Sherry wünschen, ohne gleich in Islay-Rauch zu geraten. Ein Tester lobt ihn als runder und besser ausbalanciert als frühere Jura-Abfüllungen, wünscht sich am Gaumen aber mehr Charakter und findet den Abgang glatt. Das trifft ihn gut: ein freundlicher Dram, der nicht aneckt, aber auch nicht lange im Gedächtnis bleibt. Daher 3.8 von 5 Punkten. Wer sich eingehender mit regionalen Stilen beschäftigt, findet Orientierung in der Auswertung nach Region.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße4/5
Rauch/Torf2/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche3/5

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