Bunnahabhain 12 Jahre – Der untypische Islay-Malt
Der Bunnahabhain 12 Jahre widerlegt das gängige Klischee, jeder Islay-Whisky müsse zwangsläufig torfig und rauchig sein. Die Destillerie liegt an der Nordostküste Islays nahe Port Askaig, an einer der abgelegensten Stellen der Insel, die bis 1960 nur über den Seeweg erreichbar war. Traditionell nahezu ungetorft gebrannt, zählt der 12-Jährige zu den mildesten Standardabfüllungen der gesamten Insel und reift in einer Kombination aus Ex-Bourbon- und Ex-Sherryfässern, die ihm eine warme, fruchtig-würzige Tiefe verleihen.
Geschichte: Vom abgelegenen Fischerdorf zur Heineken-Destillerie
Bunnahabhain wurde 1881 von der Islay Distillery Company gegründet, die eigens für die Belegschaft ein kleines Dorf am Standort errichten ließ – bis heute prägt dieses Arbeiterdorf das Bild rund um die Destillerie. Bereits 1894 erhielt Bunnahabhain elektrisches Licht, eine der frühesten dokumentierten Nutzungen von Elektrizität auf ganz Islay. Ab 1887 übernahm die Highland Distilleries Company die Kontrolle und hielt die Destillerie über mehr als ein Jahrhundert. Die abgeschiedene Lage blieb lange bestimmend für den Betrieb: Bis 1960 wurde nahezu die gesamte Anlieferung von Gerste, Kohle und Fässern sowie der Abtransport des fertigen Whiskys per Schiff abgewickelt, erst danach entstand eine Straßenanbindung; die letzte Schiffslieferung fand noch 1993 statt. 1981 musste die Produktion vorübergehend eingestellt werden, konnte aber 1984 wieder aufgenommen werden. 2003 übernahm Burn Stewart Distillers die Destillerie, die 2014 im Zuge einer Fusion an die Distell Group überging; seit deren Übernahme durch den niederländischen Brauereikonzern Heineken gehört Bunnahabhain zu dessen internationalem Spirituosenportfolio. Ein bedeutender Neustart gelang 2010, als die Destillerie ihre Kernabfüllungen, allen voran den 12-Jährigen, komplett überarbeitete, auf natürliche Farbe verzichtete und die Kühlfilterung einstellte.
Der Bunnahabhain 12 im Speziellen
Seit der Neuausrichtung 2010 reift der Bunnahabhain 12 Jahre in einer Kombination aus Ex-Bourbon- und Ex-Sherryfässern und wird mit 46,3 % Vol. abgefüllt – deutlich kräftiger als der gesetzliche Mindeststandard und höher als viele vergleichbare Islay-Einstiegsabfüllungen. Er wird weder kühlgefiltert noch künstlich eingefärbt, was ihm eine leicht ölige Textur und eine naturbelassene, je nach Fasscharge variierende Farbe verleiht. Damit bildet der 12-Jährige den milden, zugänglichen Gegenpol zu den deutlich rauchigeren Sonderabfüllungen der Destillerie wie Toiteach a Dhà, die zeigen, dass auch Bunnahabhain durchaus getorfte Whiskys produzieren kann, dies im Kernsortiment aber bewusst in den Hintergrund stellt.
Herstellung: Weiches Wasser und bewusster Verzicht auf Torf
Das Brauwasser stammt aus dem Margadale River, der für sein weiches, mineralarmes Wasser bekannt ist und dem Destillat schon früh eine gewisse Sanftheit verleiht. Anders als die meisten Nachbardestillerien auf Islay verwendet Bunnahabhain für seine Kernabfüllungen traditionell nahezu ungetorftes Malz – eine bewusste stilistische Entscheidung, die die Destillerie seit jeher von den rauchintensiveren Inselnachbarn abhebt und ihr den Ruf als "milder Islay-Malt" eingebracht hat. Die abgeschiedene Küstenlage direkt am Sound of Islay sorgt dennoch für eine salzig-maritime Grundnote, die sich mit den Sherryfass-Aromen zu einem eigenständigen, unverwechselbaren Profil verbindet.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Bernsteinfarben.
- Nase: Frisch und leicht floral, mit Seetang, würzigem Malz, Trockenfrüchten, Kampfer, Karamell, Orangenschokolade und in Zimt geschmortem Apfel.
- Gaumen: Weich und geschmeidig, mit nussig-sherriger Tiefe, Vanille, Marmelade und Sultaninen, dazu eine helle, salzig-maritime Note im Hintergrund.
- Abgang: Mittellang, mit Mokka, getrockneten Kräutern, weihnachtlicher Gewürzwürze und einer abschließenden salzigen Nuance.
Genuss-Empfehlung
Der Bunnahabhain 12 zeigt sich am ausgewogensten pur in einem Nosing-Glas bei Zimmertemperatur; ein Tropfen Wasser kann die Sherry-Aromen und die maritime Note zusätzlich hervortreten lassen. Da er mit 46,3 % Vol. und ohne Kühlfilterung über ausreichend Substanz verfügt, verträgt er auch einen einzelnen großen Eiswürfel, ohne seine Aromen völlig zu verlieren. Kulinarisch passt er hervorragend zu geräuchertem Fisch, reifem Gouda oder dunkler Schokolade mit Orangennote – Speisen, die seine Süße und die salzige Tiefe gleichermaßen aufgreifen. Auch als Digestif nach einem Fischgericht oder als Einstieg für alle, die Islay-Whisky ohne intensiven Torfrauch kennenlernen möchten, eignet er sich hervorragend.
Fazit
Der Bunnahabhain 12 Jahre beweist, dass Islay weit mehr zu bieten hat als reinen Torfrauch, und gilt zu Recht als einer der vielschichtigsten und zugleich preislich fairsten Vertreter seiner Insel. Wer torfigen Whisky bevorzugt, findet im gleichzeitig erschienenen Kilchoman Machir Bay das genaue Gegenstück aus demselben Sortiment – wer hingegen sanfte, sherry-geprägte Komplexität ohne Rauch sucht, liegt mit dem Bunnahabhain 12 goldrichtig und findet hier eine der interessantesten Alternativen zu bekannteren Islay-Namen wie Ardbeg oder Laphroaig.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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