Die Jura Distillery steht in Craighouse, dem Hauptort der Isle of Jura in den Inneren Hebriden, und ist die einzige Brennerei der Insel. Auf der dünn besiedelten Insel leben nur rund 200 Menschen, dennoch hat sich hier eine Whiskymarke gehalten, die lange für einen milden, eher unverrauchten Inselstil stand. Die heutige Anlage geht auf einen Wiederaufbau in den frühen 1960er-Jahren zurück, betrieben wird sie von Whyte & Mackay, das seit 2014 zur philippinischen Alliance Global (Emperador) gehört.
Überblick
- Name: Jura Distillery (Isle of Jura Distillery)
- Ort: Craighouse, Isle of Jura, Argyll and Bute, Schottland
- Gegründet: 1810, Wiederaufbau mit erstem Brand 1963
- Region: Islands
- Besitzer: Whyte & Mackay (Betreiber), Eigentümer ist Emperador, eine Tochter von Alliance Global (seit 2014)
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, überwiegend ungetorft, mit einzelnen getorften Abfüllungen
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1810 | Archibald Campbell gründet die Brennerei in Craighouse |
| 1831 | Die Brennerei wird offiziell registriert (die frühen Besitzerangaben sind je nach Quelle uneinheitlich) |
| 1876 | Wiederaufbau unter der Familie Ferguson |
| 1901 | Die Brennerei wird aufgegeben und verfällt |
| 1960–1963 | Wiederaufbau nach Plänen des Brennereiplaners William Delmé-Evans; der erste Brand läuft am 26. April 1963 |
| 1978 | Die Zahl der Brennblasen wird von zwei auf vier erweitert |
| 1990er | Whyte & Mackay übernimmt über Invergordon die Brennerei (je nach Quelle 1993 oder 1995) |
| 2014 | Whyte & Mackay wird von United Spirits an die Alliance Global Group verkauft |
Besonderheiten bei der Herstellung
Hohe Brennblasen
Die Brennblasen sind höher gebaut als bei vielen anderen Inselbrennereien. Je höher die Blase, desto mehr schwere Anteile fallen im Hals wieder zurück und desto leichter wird der Spirit. Nach Wikipedia stehen zwei Wash Stills und zwei Spirit Stills im Einsatz. Die Jahreskapazität liegt je nach Quelle bei gut zwei bis zweieinhalb Millionen Litern.
Wasser und Insel
Das Wasser stammt aus den Hügeln oberhalb der Brennerei und fließt von den Paps of Jura herab. Die Insel ist rund 30 Meilen lang und gut 7 Meilen breit. Jura liegt unmittelbar neben Islay, ist aber wesentlich dünner besiedelt.
Torf und Fassreifung
Das Destillat ist im Kern ungetorft. Nach 1990 wurden einzelne getorfte Abfüllungen ergänzt, laut einer Fachseite wird der getorfte Spirit nur in einem Monat des Jahres hergestellt. Gereift wird vor allem in amerikanischen Ex-Bourbon-Fässern, ergänzt durch Sherry-, Wein- oder Rumfässer für Finishes.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Jura Origin 10 Jahre | 40 % | Unverrauchter Einstieg mit Vanille, Orange und Nuss; zehn Jahre in Ex-Bourbon-Fässern gereift |
| Jura 12 Jahre | 40 % | Ex-Bourbon-Reifung mit Oloroso-Finish, ungetorft und getorft verheiratet |
| Jura 18 Jahre | 44 % | Ex-Bourbon, Finish in französischen Rotweinfässern; mit etwas getorftem Anteil |
| Jura Superstition | 43 % | Leicht getorft, mit Rauch und maritimer Note |
| Jura Prophecy | 46 % | Stark getorft und nicht kühlgefiltert |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Jura 10 Jahre.
Stil & Wiedererkennungswert
Jura grenzt sich von der Nachbarinsel Islay klar ab. Statt Torf, Teer und Jod dominieren bei den Kernabfüllungen Süße, Nuss, Orange und Holz. Das macht die Marke zu einer guten Wahl für alle, die Inselwhisky ohne Rauch suchen. Die getorften Linien wie Superstition und Prophecy zeigen dagegen, dass die Brennerei seit den 1990er-Jahren auch die rauchige Seite bedient.
Wiedererkennbar ist außerdem die Verbindung aus Insellage und Konzernbetrieb. Jura ist keine kleine Familienbrennerei, sondern Teil eines großen Whiskyunternehmens. Die Kernabfüllungen sind deshalb breit verfügbar und stilistisch auf einen weichen Hausstil ausgelegt. Daneben gibt es Cask Editions, etwa mit Bourbon- oder Karibik-Rumfass, sowie ältere Limited Editions, die mehr Fasseinfluss zeigen.
Fazit
Jura ist eine Brennerei für Einsteiger in den Inselwhisky und für alle, die Süße und Nuss einem starken Torfprofil vorziehen. Der Origin 10 Jahre ist die naheliegende Einstiegsabfüllung, wer es rauchiger möchte, probiert Superstition oder Prophecy. Wer rauchig-maritimen Charakter erwartet, sollte vorher aufs Etikett schauen, denn das Stammsortiment ist deutlich milder, als es der Standort vermuten lässt. Dass die Brennerei erst 1963 wieder in Betrieb ging, spielt für den heutigen Stil eine große Rolle, weil die Anlage bewusst auf einen leichten Spirit ausgelegt wurde.

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