Laphroaig Lore – Ein Verschnitt aus sieben bis 21 Jahren Islay
Der Laphroaig Lore gehört zu den Abfüllungen, an denen sich die Geister scheiden. Er trägt keine Altersangabe und ist ein Vatting aus Whiskys unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Fasstypen von der Südküste Islays. Nach Herstellerangaben liegen die jüngsten Bestandteile bei sieben, die ältesten bei 21 Jahren; abgefüllt wird mit 48 % vol. Das Versprechen: Rauch, Meeresmineralik und dunkle Schokolade, gepaart mit mehr Rundheit, als man vom klassischen Zehnjährigen kennt.
Geschichte: Ein Name aus der Ära Suntory
Den Namen Lore übersetzt die Brennerei als das über Generationen weitergegebene Wissen ihrer Brenner und Fassmeister. Auf den Markt kam die Abfüllung nach zeitgenössischen Berichten im Frühjahr 2016, rund zwei Jahre nach der Übernahme durch Suntory. Zur Einordnung: Gegründet 1815 von den Brüdern Donald und Alexander Johnston, wanderte Laphroaig nach dem Tod Ian Hunters 1954 an dessen Managerin Bessie Williamson und anschließend über Long John International, Whitbread, Allied Domecq und Fortune Brands zu Beam Inc., bevor Suntory die Gruppe 2014 übernahm. Die Brennerei und ihr Hausstil sind im Porträt Laphroaig Distillery – Islay beschrieben.
Für das Verständnis des Lore ist ein anderer Aspekt wichtiger: Um die Mitte der 2010er-Jahre waren mehrere Altersabfüllungen aus dem Programm genommen worden, darunter nach Angaben von Nachschlagewerken der 18-Jährige. Eine Besprechung aus dem Erscheinungsjahr bezeichnete den Lore deshalb als inoffiziellen Nachfolger der ausgelaufenen 15- und 18-Jährigen. In unserem Katalog finden sich beide Altersstufen ebenfalls, etwa der Laphroaig 15 Jahre und der Laphroaig 18 Jahre; der Lore steht daneben als Verschnitt ohne Altersangabe.
Der Laphroaig Lore im Speziellen
Aus den Berichten zum Marktstart geht hervor, dass Laphroaig das Rezept ausdrücklich offengelegt hat: Mehrere Rohwhiskys wurden zusammengeführt, darunter neunjähriger Whisky, der zunächst im Quarter Cask gereift und dann in neuer europäischer Eiche (Hogsheads) nachgefüllt wurde, neunjähriger Whisky aus wiederbefüllten Laphroaig-Fässern, ein 21-jähriger Anteil aus First-Fill-Bourbonfässern sowie ein Teil aus First-Fill-Oloroso-Sherryfässern. Die Brennerei nennt als Fasstypen heute Ex-Bourbon, europäische Eiche, Oloroso-Sherry und Quarter Casks. Gefiltert wird nach Angaben zum Marktstart nur über einen Barriere-Filter; zu einer Kühlfiltration fanden wir keine Angabe.
Preislich ordnet sich der Lore im oberen Bereich des Kernsortiments ein – oberhalb des Laphroaig 10 Jahre und des Laphroaig Select. Genau hier setzt die Kritik an: Mehrere Rezensenten finden, dass das Gebotene den Aufpreis gegenüber den günstigeren Abfüllungen nicht ganz rechtfertigt.
Herstellung: Das Vatting macht den Unterschied
Basis ist das gleiche Destillat wie bei allen Laphroaig-Abfüllungen: Malz, das zum Teil auf der eigenen Bodenmalzerei entsteht, Wasser aus dem Kilbride Dam und Gärung und Destillation in drei Wash Stills und vier Spirit Stills. Der Unterschied entsteht erst im Lagerhaus und im Vatting. Wo der Zehnjährige auf einen einzigen Fasstyp setzt, mischt der Lore bewusst: Quarter-Cask-Anteile stehen typischerweise für kräftige Holzwürze, Sherryfässer für dunklere Süße, Bourbonfässer für Vanille und Honig – wie viel davon jeweils in der Flasche landet, legt die Brennerei nicht im Einzelnen offen.
Mit 48 % vol. fällt das Ergebnis weniger kantig aus als die Cask-Strength-Abfüllung. Wer die unverdünnte Variante sucht, wird im Laphroaig 10 Jahre Cask Strength fündig.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Volles Gold bis dunkles Bernstein; die Beschreibungen der Hersteller schwanken zwischen „sparkling gold“ und „deep mahogany“.
- Nase: Rauchig und mineralisch, mit Asche und Meeresluft; dahinter bittere Schokolade, Vanille, Karamell und geröstete Nüsse. Mit Zeit kommen Honig, Eukalyptus, kandierte Zitronenschale und eine leichte Kaffeenote hinzu, mit Wasser Sahne und unreife Zitrusfrüchte.
- Gaumen: Cremig und lebhaft zugleich: süßer Torf, Salz und Pfeffer, bittere Schokolade, Asche und ein deutlicher Chili-Biss. Dazu Apfelsüße, Orangenschale und gegen Ende Zimt und Lakritz.
- Abgang: Je nach Quelle kurz bis mittellang, trocknend, mit Tabak, Rauch und erdiger Lakritze und einem süßen Nachklang.
Genuss-Empfehlung
Der Lore lohnt ein ruhiges Nosing im Glencairn-Glas, da die Nase mehr zu bieten hat als der Gaumen. Zimmertemperatur ist ideal; ein paar Tropfen stilles Wasser öffnen Sahne- und Zitrusnoten, ein Eiswürfel würde das Profil eher verflachen. Als Begleiter bieten sich dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil, gereifter Cheddar oder geröstete Nüsse an – Zutaten, die die bittersüßen Seiten des Whiskys aufgreifen. Auch zu Räucherlachs oder gegrillten Jakobsmuscheln passt er, weil Salz und Rauch aufeinander treffen, ohne sich zu überlagern.
Fazit
Der Laphroaig Lore ist ein solider, runder Islay-Malt, der unverkennbar nach Laphroaig schmeckt und zugleich zugänglicher ist als der Zehnjährige. Unabhängige Besprechungen liegen überwiegend im Bereich der mittleren 80er-Punktwerte; Kritikpunkte sind ein hohler Mittelgaumen und ein Preis, der zu den Schwesterabfüllungen nicht immer passt. Wer eine kräftigere, stärker getorfte Flasche möchte, nimmt den Laphroaig 10 Jahre oder den Laphroaig Quarter Cask; wer Reife sucht, ist beim Laphroaig 15 Jahre besser aufgehoben. Für Fans, die den Hausstil in einer weicheren Variante erleben möchten, ist der Lore dennoch eine Empfehlung – kein Muss.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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