Scotch Whisky

Lochlea Sowing Edition Third Crop

4/5 Redaktionsbewertung
46 % vol.Mittelklasse100 % First-Fill-Bourbonfässer, ohne AltersangabeLochlea Farm, Ayrshire, Lowlands, Schottland
Scotch WhiskySingle MaltWhisky
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Lochlea Sowing Edition Third Crop – Ein Frühlingsmalt aus reinem Bourbonfass

Der Lochlea Sowing Edition Third Crop ist ein Lowland-Single-Malt, der den Moment der Aussaat in ein Glas übersetzen soll. Er reift ausschließlich in frischen Bourbonfässern, wird mit 46 % vol. abgefüllt und kommt ohne Kühlfiltrierung und ohne Farbstoff in die Flasche. Das Ergebnis ist ein heller, überraschend blumiger Whisky, der sich deutlich von den fassgewichtigeren Kollegen der Brennerei unterscheidet.

Wer „Third Crop“ zunächst für einen Verweis auf einen Gerstenjahrgang hält, liegt nach den Angaben der Brennerei daneben: Gemeint ist die dritte und letzte Ausgabe der Sowing-Edition-Trilogie. Ein Erntejahr der Gerste nennt die Flasche nicht.

Geschichte: Ein Kalender statt einer Altersangabe

Lochlea ist eine Farm-Brennerei im schottischen Ayrshire. Die Brennerei verarbeitet Gerste, die auf dem eigenen Hof wächst, und ordnet ihre Limited Editions dem landwirtschaftlichen Jahr zu. Die Sowing Edition steht für das Frühjahr, wenn das Saatgut in den Boden kommt, die Harvest Edition für die Erntezeit. Beide Linien wurden als Trilogie angelegt, jeweils mit einem ersten, zweiten und dritten „Crop“.

Der Third Crop erschien Ende April 2024 und schloss damit die Sowing-Reihe ab. Zu den Eckdaten der Brennerei, zur Familie dahinter und zu ihrem Bezug zu Robert Burns steht einiges in unserer Verkostung des Lochlea Our Barley; hier genügt der Hinweis, dass der Betrieb jung ist. Die ersten Fässer wurden 2018 befüllt, wobei die Quellen bei einzelnen Jahreszahlen der Anfangsjahre leicht voneinander abweichen. Entsprechend jung ist auch dieser Whisky. Das Etikett nennt keine Zahl, und eine rechnerische Obergrenze von etwa sechs Jahren ergibt sich allein aus dem Zeitraum zwischen den ersten Fassbefüllungen und der Abfüllung 2024. Ein Rezensent schätzt das Alter auf vier bis fünf Jahre, was plausibel klingt, aber eine Schätzung bleibt.

Der Third Crop im Speziellen

Im Vergleich zum Second Crop reift der Third Crop länger. Die Angaben dazu schwanken je nach Quelle zwischen neun Monaten und einem Jahr. Die Reifung findet zu 100 % in First-Fill-Bourbonfässern statt. Anders als bei der Kernabfüllung, die Bourbon, Sherry und STR-Barriques kombiniert, gibt es hier keinen Sherry und kein Finish. Die Brennerei begründet die Wahl damit, dass die Apfelnoten ihres Destillats gut mit der Vanille von Bourbonholz zusammenspielen.

Abgefüllt wird mit 46 % vol., nicht kühlgefiltert und ungefärbt. So bleiben Öle und Textur erhalten, die eine Kühlfiltrierung entfernen würde. Die Flasche trägt keine Altersangabe und keine Gerstensorte, was sich als Mangel an Transparenz lesen lässt. Als limitierte Saisonedition ist der Third Crop zudem nicht dauerhaft im Sortiment; Verfügbarkeit und Restbestände schwanken.

Herstellung: Vom Feld ins First-Fill-Fass

Das Prinzip der Brennerei ist der Weg vom eigenen Acker zur Flasche: Die Gerste für den Spirit wächst auf der Farm, wird vermälzt und in einer Anlage mit einer Wash Still und einer Spirit Still gebrannt. Über Details wie Gärzeit oder Schnittpunkte schweigt die Flasche; im Glas zeigt sich jedenfalls ein sauberer, leichter Brand mit viel Frucht und Getreide.

Eine Besonderheit betrifft die Reifung. First-Fill-Bourbonfässer geben viel Vanille, Kokos und helle Süße ab, aber meist wenig Gerbstoff, wenn der Whisky jung abgefüllt wird. Bei einem jungen Destillat lässt das der Frucht viel Raum, statt sie mit Gerbstoffen zu überlagern. Ausführlicher beschreiben wir den Einfluss verschiedener Fasstypen in unserem Artikel zur Fassreifung.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Helles Strohgelb mit einem leichten Grünstich.
  • Nase: Geröstete Mandeln und Rosenblüten, dazu grüner Apfel, Honigmelone und frisch gemähtes Gras. Mit etwas Luft treten Vanille, Kokos und ein Hauch Baklava hervor.
  • Gaumen: Leicht bis mittelschwer und weich im Mund. Apfelblüte, knackige Birne und weißer Pfeffer, darunter Getreide, Vanillemilch und eine zarte Nussigkeit.
  • Abgang: Mittellang, mit warmem Stroh, Heu, frisch geschnittenem Gras und einem Hauch Vanille.

Insgesamt wirkt der Whisky wie eine Frühlingswiese in Flüssigform: grün, floral und ohne jede Schwere. Rauch gibt es nicht, die Eiche bleibt im Hintergrund, und die Süße ist die des Getreides und der Vanille, nicht die von Sherry oder Sirup. Damit liegt er näher am klassischen Lowland-Ideal als die Kernabfüllung, hat aber mehr Körper, als der Ruf der Region vermuten lässt. Wer wenig Fassbetonung erwartet, bekommt genau das; wer Komplexität jenseits von Frucht und Gras sucht, wird in der Tiefe weniger fündig.

Genuss-Empfehlung

Am besten gelingt der Whisky pur im Tulpenglas, bei Zimmertemperatur und ohne Eis. Ein paar Tropfen stilles Wasser öffnen die florale Seite noch etwas, 46 % vol. vertragen das gut. Als Aperitif eignet er sich ebenso wie zu Tisch: Passend sind milder Ziegenfrischkäse, Räucherforelle, Spargel mit Hollandaise oder ein Birnendessert mit Mandelkruste. Für einen Highball mit Soda und einer Zitronenzeste ist die Abfüllung eigentlich zu schade, funktioniert aber, weil die Aromen auch verdünnt klar bleiben.

Einordnung & Alternativen

  • Lochlea Our Barley: die Kernabfüllung derselben Brennerei mit Sherry- und STR-Anteil, deutlich fruchtiger und fasskräftiger.
  • Bladnoch 10 Jahre: ein weiterer Lowlander mit Bourbonreifung, mit festgelegtem Alter und etwas mehr Struktur.
  • Annandale Man O'Words: ungetorfter Lowland-Malt in Fassstärke, für alle, die dieselbe Frische mit mehr Wucht wollen.

Fazit

Der Lochlea Sowing Edition Third Crop ist ein junger, sauber gemachter Frühlingsmalt, der zeigt, was ein gutes Destillat aus Hofgerste in einem reinen First-Fill-Bourbonfass leisten kann. Er richtet sich an Lowland-Freunde, die es hell, floral und unbeschwert mögen, und an Einsteiger, die Whisky ohne Rauch und ohne Sherrywucht kennenlernen wollen. Der klassische Vergleich ist der Glenkinchie 12 Jahre, der ebenfalls grasig und bourbongeprägt ist, mit 43 % vol. aber etwas leichter ausfällt. Abzüge gibt es für die fehlende Altersangabe und die geringe Komplexität im Abgang, Pluspunkte für die Naturabfüllung mit 46 % vol. und den stimmigen Frühlingscharakter, deshalb 4 Punkte.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche2/5

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