Mortlach gilt als die erste legale Brennerei von Dufftown und gehört heute zu Diageo. Gegründet wurde sie 1823, geprägt haben sie später die Cowies, bevor sie über John Walker & Sons und die Distillers Company in den heutigen Konzern gelangte. Berühmt ist Mortlach für einen ungewöhnlich verschachtelten Brennablauf mit sechs Brennblasen und für Wormtubs, die dem Destillat Gewicht mitgeben. Der Marketingbegriff dafür lautet „2,81-fache Destillation“, der Spitzname „The Beast of Dufftown“ verweist auf den kräftigen, würzigen Stil, der sich bewusst vom leichten Speyside-Klischee absetzt. Lange Zeit floss ein großer Teil des Destillats in Blends, eigenständige Single-Malt-Abfüllungen blieben die Ausnahme.
Überblick
- Name: Mortlach Distillery
- Ort: Dufftown, Moray, Schottland
- Gegründet: 1823
- Region: Speyside
- Besitzer: Diageo
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, ungetorft, kräftig-fleischiger Stil
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1823 | James Findlater gründet die erste legale Brennerei Dufftowns auf dem Gelände einer älteren illegalen Brennerei |
| 1824 | Nach manchen Quellen steigen Donald Mackintosh und Alexander Gordon als Teilhaber ein |
| 1853–1867 | George Cowie kommt als Teilhaber von John Gordon hinzu und ist ab 1867 alleiniger Eigentümer |
| 1896/97 | Alexander Cowie übernimmt, baut die Anlage aus; die Umbauten werden mit dem Architekten Charles Doig verbunden, und die „2,81“-Methode wird je nach Darstellung auf diese Zeit zurückgeführt |
| 1923/25 | John Walker & Sons erwerben die Brennerei und gehen 1925 in der Distillers Company auf |
| 1986/97 | Guinness übernimmt die Distillers Company; 1997 entsteht durch die Fusion mit Grand Metropolitan Diageo |
| 2014 | Diageo bringt Mortlach als offiziellen Single-Malt-Auftritt mit neuem Sortiment auf den Markt |
| 2018 | Das Sortiment wird mit 12, 16 und 20 Jahren neu aufgestellt |
| Heute | Mortlach ist als Speyside-Malt mit eigenem, fleischigem Profil im Diageo-Portfolio etabliert |
Besonderheiten bei der Herstellung
Wasser und Gärung
Das Brauwasser stammt aus Quellen an den Conval Hills; einige Quellen nennen eine Dykehead-Quelle, die Schreibweise variiert. Vergoren wird nach Fachangaben in sechs hölzernen Washbacks mit langer Gärzeit von mehr als 50 Stunden.
Sechs Brennblasen und die „2,81-fache“ Destillation
Mortlach arbeitet mit drei Wash Stills und drei Spirit Stills, die sich in Größe und Form deutlich unterscheiden. Nach der gängigen Darstellung wird das Destillat der Wash Stills nicht gleichförmig weiterverarbeitet: Ein Teil läuft zweifach, ein anderer dreifach, und schwache Fraktionen werden in der kleinsten Blase, der „Wee Witchie“, nochmals gebrannt. Der Mittelwert ergibt laut Diageo „2,81-fach“. Die genauen Anteile hält die Brennerei offiziell nicht offen; Quellen nennen etwa 80 zu 20 Prozent. Die Zahl ist eher Markenformel als exakte Messgröße.
Wormtubs
Statt moderner Röhrenkühler verwendet Mortlach Wormtubs: Kupferschlangen in Wasserbädern, die nach Fachquellen in Holzbottichen sitzen. Weil der Dampf dort weniger Kupferkontakt hat, bleiben schwerere, schwefelig-fleischige Verbindungen eher im Destillat.
Fassreifung
Der Zwölfjährige reift nach Herstellerangaben in einer Mischung aus Bourbon- und Sherryfässern. Bourbonholz steuert Vanille und Frucht bei, Sherryholz Gewürz und Gewicht.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Mortlach 12 Jahre „The Wee Witchie“ | 43,4 % | Würzig und fleischig, dunkle Frucht und Eiche, Einstieg in die Kernreihe |
| Mortlach 14 Jahre „Alexander’s Way“ | 43,4 % | Travel-Retail-Abfüllung, nur in ausgewählten Duty-Free-Läden erhältlich |
| Mortlach 16 Jahre „Distiller’s Dram“ | 43,4 % | Dichtere, reifere Variante mit dunkler Frucht und Würze |
| Mortlach 20 Jahre „Cowie’s Blue Seal“ | 43,4 % | Ältere Stufe mit mehr Holztiefe bei weiterhin kräftigem Grundton |
| Limitierte Sonderabfüllungen | je nach Edition, z. B. rund 58 % | Jährlich wechselnde Editionen in Fassstärke |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Mortlach 12 Jahre.
Stil & Wiedererkennungswert
Mortlach unterscheidet sich vom üblichen leicht-blumigen Speyside-Bild durch Gewicht, Würze und eine herzhafte Seite, die oft als „fleischig“ beschrieben wird. Der Beiname „The Beast of Dufftown“ ist ein Marketingbegriff, beschreibt aber ein reales Profil: kräftiger Körper, dunkle Frucht, Gewürz und eine leichte Schwefel- und Fleischigkeit, die sich durch die Wormtubs erklären lässt.
Zum Hausstil gehört auch die gleiche Abfüllstärke von 43,4 % über die Kernreihe, die laut Hersteller an die historische Stärke anknüpft. Der Sortimentswechsel 2014 und 2018 zeigt zudem, dass Diageo die Marke erst nach Kritik an Preis und Positionierung neu ausgerichtet hat.
Fazit
Mortlach ist die richtige Adresse für alle, die einen kräftigen, würzigen Speyside suchen und bereit sind, dem Malt Zeit im Glas zu geben. Die „2,81-fache“ Destillation ist ein starkes Erzählelement, entscheidend bleibt aber das Ergebnis im Glas: ein gewichtiger Malt mit klarem Wiedererkennungswert. Wer weiche, helle Speysider bevorzugt, wird hier weniger glücklich; wer Charakter statt Zugänglichkeit sucht, findet in Dufftown eine der eigenwilligsten Brennereien der Region.