Mortlach 16 Jahre – „Distiller's Dram“: Sherryholz trifft auf ein fleischiges Destillat
Der Mortlach 16 Jahre trägt auf dem Etikett den Zusatz „Distiller's Dram“ und ist die mittlere der drei Altersstufen der aktuellen Kernreihe aus Dufftown in der Speyside. Anders als der Zwölfjährige, der Bourbon- und Sherryfässer mischt, reift der Sechzehnjährige nach Herstellerangaben ausschließlich in Sherryfässern, und zwar in einer Mischung aus First-Fill- und Refill-Fässern. Abgefüllt wird er mit 43,4 % vol. Das Besondere an dieser Flasche liegt in der Kombination: Ein ohnehin schweres, schwefelig-herzhaftes Destillat trifft auf vollständige Sherryreifung – das Ergebnis schmeckt nach dunklem Obst und Gewürzgebäck, behält aber seine würzig-fleischige Unterseite.
Geschichte: Von der ersten legalen Brennerei Dufftowns zum Diageo-Malt
Mortlach wurde 1823 von James Findlater auf dem Gelände einer älteren, illegalen Brennerei gegründet und war die erste legale Brennerei von Dufftown; bis zur Gründung von Glenfiddich im Jahr 1887 blieb sie die einzige am Ort. Glenfiddich-Gründer William Grant arbeitete zuvor bei Mortlach und war dort rund zwanzig Jahre lang Manager – eine Verbindung, die zeigt, wie eng die Geschichte der heutigen Whisky-Hauptstadt der Speyside mit diesem Haus verwoben ist. Zwischen 1823 und 1853 wechselten die Besitzer mehrfach, zeitweise wurde auf dem Gelände sogar Bier gebraut.
Danach prägte die Familie Cowie den Betrieb: George Cowie stieg 1853 gemeinsam mit John Gordon ein und war ab 1867 alleiniger Eigentümer. 1896 übernahm sein Sohn Alexander Mitchell Cowie, ein studierter Mediziner, der nach Dufftown zurückgekehrt war, als der Vater erkrankte. Gemeinsam mit dem Architekten Charles C. Doig erweiterte er die Anlage 1897, führte nach Überlieferung das Brennverfahren ein, das später als „2,81-fache Destillation“ vermarktet wurde, und ließ ein Anschlussgleis an die Strathspey-Bahn legen; 1898 erhielt die Brennerei elektrisches Licht. 1923 kaufte John Walker & Sons die Brennerei, 1925 ging sie in der Distillers Company auf, und über Guinness (1986) und die Fusion zu Diageo (1997) gehört sie heute zu diesem Konzern. Mehr zur Brennerei steht im Porträt Mortlach Distillery – Speyside.
Der Mortlach 16 Jahre im Speziellen
Das Sortiment hat eine wechselvolle Geschichte. Bis in die 2010er-Jahre gab es einen Sechzehnjährigen mit 43 % vol. in der Flora-&-Fauna-Reihe, den Kenner als komplexen Klassiker schätzen. Er verschwand, als Diageo 2014 Mortlach als hochpreisigen Premium-Malt mit neuen Abfüllungen auf den Markt brachte – eine Neuausrichtung, die in der Whisky-Szene auf Kritik stieß. 2018 folgte der Neustart mit Altersangaben: 12, 16 und 20 Jahre, alle mit 43,4 % vol. Der Distiller's Dram versteht sich laut Hersteller als Anknüpfung an die erste Sechzehnjährigen-Abfüllung aus dem Jahr 1992.
Die Reifung erfolgt in amerikanischer und europäischer Eiche, die zuvor Sherry enthielt; Fachseiten sprechen von einem Mix aus First-Fill- und Refill-Fässern. Zur Kühlfiltrierung haben wir keine verlässliche Angabe gefunden und verzichten daher auf eine Aussage. Preislich liegt der Sechzehnjährige in der gehobenen Klasse, deutlich über dem Zwölfjährigen – ein Aufschlag, den die längere Reifung und die vollständige Sherryprägung rechtfertigen sollen.
Herstellung: Wenn Sherry auf schwefeliges Destillat trifft
Mortlach arbeitet mit drei Wash Stills und drei Spirit Stills von unterschiedlicher Größe und Form sowie mit Wormtubs, also Kondensationsschlangen in Wasserbädern. Die Einzelheiten des verschachtelten Brennablaufs erklärt der Beitrag zum Mortlach 12 Jahre; entscheidend für den Sechzehnjährigen ist die Wirkung: Das Destillat bringt Gewicht und eine schwefelige, herzhafte Note mit, die im Sherryfass auf dunkle, würzige Aromen trifft.
Rezensenten beschreiben genau diese Spannung. Einer führt den „Biss“ im Glas auf den schwefeligen Charakter des Destillats zurück und bemerkt, dass Wasser alles integriert, ohne die Textur zu schädigen. Ein anderer findet den Malt weniger intensiv, als die Stärke vermuten lässt. Auffällig ist zudem, dass ein Tester zwischen frühen und späteren Chargen deutliche Unterschiede festgestellt haben will – bei einer Mischung aus First-Fill- und Refill-Fässern ist eine gewisse Schwankung plausibel, belegen können wir sie nicht.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Dunkles Bernstein bis Kupfer, wie bei vollständiger Sherryreifung zu erwarten (eine verlässliche Farbangabe liegt uns nicht vor).
- Nase: Ingwerkekse, Orangenschale, geröstete Kastanie und gebackener Apfel, dazu Dörrpflaume, Aprikose und Zimt; im Hintergrund Leder, ein Hauch Tabak und ein leicht herzhafter Unterton.
- Gaumen: Voll und umhüllend, mit Toffee-Apfel, Trockenpflaume, Nelke und Honig; dann Leder, würzige Eiche und eine fleischige Note, die einige Tester an luftgetrockneten Schinken erinnert.
- Abgang: Lang und komplex, mit ölig-süßer Walnuss, Rosinen, Kakao und später Ingwer; manche Rezensenten nennen Aprikose, Marzipan oder Dosenpfirsich.
Genuss-Empfehlung
Am besten schmeckt der Mortlach 16 pur im Nosing-Glas bei Zimmertemperatur. Der Hersteller empfiehlt ausdrücklich einen oder zwei Tropfen Wasser, die Süße und Fleischigkeit gleichermaßen hervorholen; bei 43,4 % vol. genügt das, um die Aromen zu öffnen, ohne sie zu verdünnen. Eis wäre hier fehl am Platz, denn es dämpft die herzhafte Seite und nimmt dem Malt die ölige Textur. Kulinarisch passen luftgetrockneter Schinken oder Entenbrust, gereifter Hartkäse, Walnüsse und dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil. Die Speisen greifen die Würze und die Trockenfruchtnoten auf, die Süße des Whiskys federt Salz und Bitterkeit ab. Als Digestif nach einem Essen mit Schmorgerichten oder Wild funktioniert er ebenfalls gut.
Fazit
Der Mortlach 16 Jahre ist ein charaktervoller, ungewöhnlich kräftiger Sherrymalt für Trinker, die Gewicht, Gewürz und eine leicht herzhafte Seite schätzen. Unabhängige Tester vergaben im Schnitt rund 87 bis 91 Punkte; kritisch sehen manche den hohen Preis und die gelegentlich spürbare Alkoholschärfe. Wer in die Marke einsteigen will, beginnt mit dem Mortlach 12 Jahre, der Bourbonfässer ins Spiel bringt und leichter zugänglich ist. Wer vor allem die Sherryseite sucht, aber weicher und süßer, findet sie im GlenDronach 15 Jahre Revival. Beim Sechzehnjährigen lohnt es sich, ein paar Minuten Geduld mitzubringen – dann öffnet sich die Sherryprägung Schicht für Schicht.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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