Herstellung des Nemiroff Original Vodka:
Nemiroff kommt aus Nemyriw (englisch Nemyriv), einer Stadt im Gebiet Winnyzja in der Zentralukraine. Die Ortsüberlieferung nennt schon 1752 einen „Nemyriwer Wodka“. Die Marke selbst erzählt ihre Geschichte ab 1872: Damals soll Graf Grigori Stroganow dort eine Brennerei eröffnet haben, die seine Tochter, die Fürstin Maria Schtscherbatowa, weiterführte. Sie stellte nach der Überlieferung auf Getreide statt Kartoffeln um. Diese Darstellung stammt vom Unternehmen und aus Wikipedia, unabhängige Belege dafür ließen sich nicht finden. Die Sowjetunion verstaatlichte die Produktion 1920. Das Warenzeichen Nemiroff wurde 1992 eingetragen, 1994 begann der Export. Bei der Anlagentechnik arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben mit der deutschen Firma Krones zusammen. Nach Angaben aus Wikipedia kaufte das Unternehmen 2020 als erstes privates Unternehmen der Ukraine die Brennerei Nemyriw vom staatlichen Alkoholmonopol.
Der Original ist die klassische schwarz etikettierte Variante, die im September 1999 auf den Markt kam und deshalb im Handel gelegentlich „Nemiroff Black“ heißt. Wikipedia nennt als Gesellschafter Jakow Finkelstein, Bella Finkelstein und Anatolij Kipisch. Im März 2022 kündigte das Unternehmen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine seine Lizenz zur Produktion in Russland und Belarus.
Verkostung des Nemiroff Original Vodka:
Im Glas ist der Vodka klar. Die Nase ist grasig und getreidig, mit einer schwachen Süße im Hintergrund; ein Nutzer auf Distiller notiert Weizencracker, Vanille, schwarzen Pfeffer und Minze, ein anderer Tester schreibt, dass im gekühlten Zustand fast nichts zu riechen sei. Am Gaumen wirkt er knackig und schlank: zunächst trockene, erdig-grasige Töne, danach eine kaum merkliche Süße, die bis zum Ende konstant bleibt. Kalt erscheint er leicht cremig und fast buttrig, wärmer treten vegetale Noten und etwas Stärke oder Weizenmehl hervor. Honig ist weniger deutlich zu schmecken, als man vermuten würde; die Würze erinnert laut einem Tester eher an Thymian als an Kümmel oder Honig. Der Abgang ist kurz, wird aber von einem plötzlich auftretenden Pfefferbiss begleitet, den ein Tester mit einem zerbissenen Pfefferkorn vergleicht. Das Brennen bleibt gering. Bei 40 % vol. hat dieser Vodka mehr Biss als die meisten milden Standardmarken, ohne grob zu sein.
Steckbrief Nemiroff Original Vodka:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Basis: Weizen aus der Region Nemyriw, Wasser aus artesischen Brunnen
Destillation/Filterung: Weizenalkohol der Klasse „Lux“ (laut Händlerangabe), nach Quelle neun bis elf Filtrationsstufen, Zugabe von Honig und Kümmel
Hersteller: Nemiroff Vodka Company, Nemyriw, Ukraine
Herstellung im Detail: Weizenalkohol, Honig und Kümmel
Der Original ist ein verfeinerter Weizen-Vodka, kein reiner Neutralalkohol. Grundlage ist Weizenspirit, der nach Herstellerangaben in der Region angebaut wird; der Alkohol hat die Qualitätsklasse „Lux“. Dazu kommen Wasser aus artesischen Brunnen am Produktionsort und ein Aufguss aus Kümmel und Honig, den auch Difford's Guide als Unterscheidungsmerkmal nennt. Das Rückenetikett erwähnt laut einem Test zusätzlich Thymian, die Website jedoch nicht. Das ist eine Besonderheit, denn die meisten Standard-Vodkas werben mit dem Gegenteil, nämlich völliger Neutralität. Eine Einführung zu den Stilen bietet Vodka-Sorten im Überblick.
Zur Filterung differieren die Angaben: Das Unternehmen und mehrere Quellen sprechen von elf Filtrationsstufen, Wikipedia nennt für die Originals neun, die De-Luxe-Linie hat zusätzliche Silber- und Platinstufen. Welche Materialien eingesetzt werden, hält das Unternehmen nach einem Interview im Magazin Four geheim. Wie Kohlefilter wirken, beschreibt Vodka-Kohlefiltration erklärt. Das Sortiment ist breit: Wikipedia zählt über 60 klassische und aromatisierte Produkte, darunter die bekannte Variante Honey with Pepper (seit 1998) und die Premiumlinie De Luxe. Nach Firmenangaben wird Nemiroff in mehr als 80 Ländern verkauft und ist im Duty-free-Handel unter den Top drei.
Verwendung des Nemiroff Original Vodka
- Pur und gut gekühlt: Kalt wirkt er cremig, ohne dass der Pfefferbiss am Ende stört.
- Bloody Mary: Der pfeffrige Abgang und die kräuterige Würze passen zu Tomatensaft; ein Tester empfahl ihn dafür ausdrücklich.
- Cosmopolitan und Pink Pussycat: Die leichte Süße verstärkt Fruchtnoten, im Test hob sie vor allem die Grapefruit hervor.
- Zu Käse, Würstchen und Eintopf: In der Verkostung harmonierte er mit Käse, Hähnchenflügeln und einer scharfen Suppe.
Der Vodka bleibt trotz seines moderaten Preisniveaus eigenständig. Er ist keiner der weichsten Vodkas, aber einer, der trotz klarer Linie etwas zu sagen hat. Wer ihn im Vergleich zu anderen Herkunftsländern sehen will, findet Vodka-Herkunftsländer im Vergleich.
Einordnung & Alternativen
- Russian Standard Original – ebenfalls Weizen aus Osteuropa, trockener und mehliger, ohne Honig und Kümmel.
- Zubrówka Bison Grass Vodka – wie Nemiroff ein Vodka mit pflanzlichem Zusatz, aber mit Büffelgras und deutlich süßer-aromatischer.
- Ketel One Vodka – weicher und cremiger dank Pot-Still-Anteil, falls Textur wichtiger ist als Würze.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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