Die Oban Distillery steht mitten im Hafenstädtchen Oban an der schottischen Westküste und wurde 1794 gegründet. Sie gilt als eine der kleinsten Brennereien im Portfolio von Diageo: Mit nur einer Wash Still und einer Spirit Still entsteht hier ein Single Malt in bewusst kleinen Mengen. Oban vertritt in der Reihe der Classic Malts den „West-Highland“-Stil, einen Malt zwischen süßeren Highland-Whiskys und der Küste mit ihrer Salznote.
Überblick
- Name: Oban Distillery
- Ort: Oban, Argyll and Bute, Westküste Schottlands
- Gegründet: 1794
- Region: Highlands (Westküste)
- Besitzer: Diageo
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, ungetorft bis sehr leicht getorft, zweifach destilliert
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1794 | Die Brüder John und Hugh Stevenson gründen die Brennerei am Hafen von Oban |
| 1866 | Die Familie Stevenson gibt den Betrieb ab, ein neuer Besitzer übernimmt |
| 1883 | Walter Higgin lässt die Anlage umbauen und modernisieren (die Schreibweise des Namens schwankt je nach Quelle) |
| 1923 | Der Betrieb geht an Dewar's und wird zwei Jahre später Teil der Distillers Company |
| 1931–1937 | Die Produktion ruht |
| 1969–1972 | Die Brennerei wird umgebaut, ein neues Brennhaus entsteht, danach läuft der Betrieb weiter |
| 1988 | Oban gehört zu den sechs Malts, mit denen die Classic-Malts-Reihe startet |
| 1989 | Ein Besucherzentrum öffnet |
| 2014 | Im Dezember erscheint der Oban Little Bay ohne Altersangabe |
Besonderheiten bei der Herstellung
Eine Brennerei im Stadtzentrum
Oban liegt am Rand einer kleinen, hufeisenförmigen Bucht, und der gälische Ortsname An t-Òban bedeutet „die kleine Bucht“. Die Brennerei sitzt direkt im Ort, die Gebäude bieten kaum Platz für einen Ausbau. Die Jahreskapazität nennen die Quellen mit rund 660.000 bis 670.000 Litern reinen Alkohols, das ist wenig im Vergleich zu den großen Anlagen Schottlands. Das Brauwasser kommt aus Seen im Hinterland, die Quellen nennen mal die Lochs bei Ardconnel, mal Loch Gleann a' Bhearraidh.
Anlage und Destillation
Das Malz stammt nach Fachangaben aus der zentralen Mälzerei von Diageo, eigene Mälzböden gab es nur bis Ende der 1960er-Jahre. Es ist nur sehr leicht getorft, die Quellen nennen etwa 1 bis 2 ppm. Gebrannt wird in zwei kleinen Kupferblasen mit einer Einschnürung im Hals, die Rückfluss fördert. Als Kondensatoren dienen nach Fachquellen traditionelle Worm Tubs, die das Destillat langsamer abkühlen als moderne Röhrenkühler. Zur Gärzeit gehen die Angaben auseinander, genannt werden gut 60 bis weit über 100 Stunden.
Fässer
Der Oban 14 reift in Fässern aus amerikanischer und europäischer Eiche. Der Little Bay wird nach Herstellerangaben aus Refill-Hogsheads, Sherryfässern und Refill-Fässern mit neuen Böden zusammengestellt und danach in kleinen Fässern vermählt. Für die Distillers Edition kommt ein Finish in Montilla-Fino-Sherryfässern hinzu.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Oban 14 Jahre | 43 % | Standardabfüllung der Classic Malts, Salz, Zitrus und Honig mit leisem Rauch im Hintergrund |
| Oban Little Bay | 43 % | Ohne Altersangabe, fruchtig und würzig, mit kaum Rauch und einem Hauch Meersalz |
| Oban Distillers Edition | 43 % | Jahrgangsabfüllung mit Montilla-Fino-Finish, jährlich wechselnd |
| Oban 18 Jahre | je Edition | Limitierte, ältere Abfüllung, die nicht dauerhaft erhältlich ist |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Oban 14 Jahre und Oban Little Bay.
Stil & Wiedererkennungswert
Oban zeigt einen Malt der Mitte: Honig und Orangenschale treffen auf Meersalz, dazu kommt eine zarte Rauchnote, die nie in den Vordergrund tritt. Der Körper ist mittelschwer und eher rund als wuchtig. Das macht ihn zum Brückenschlag zwischen den milden Malts im Landesinneren und den Küsten- und Inselstilen. Wer das Maritime kräftiger mag, findet es bei Talisker, einer weiteren Classic-Malts-Brennerei von Diageo, mit mehr Pfeffer und Rauch. Ein anderes Küstenbeispiel der Highlands ist Old Pulteney, das Salz und Zitrus auf eine andere Weise verbindet.
Innerhalb des Sortiments setzt Oban auf Zugänglichkeit. Der 14-Jährige ist das Rückgrat, der Little Bay ergänzt ihn um eine fruchtigere, jüngere Seite. Zur Einordnung der Küstenstile hilft der Überblick zu den Scotch-Whisky-Regionen.
Fazit
Oban ist eine gute Wahl für alle, die einen ausgewogenen Küsten-Malt ohne viel Torf suchen und dabei die Handschrift einer sehr kleinen Brennerei schätzen. Als Einstieg bietet sich der 14 Jahre an, der den Hausstil am klarsten zeigt. Der Little Bay ist die fruchtigere, jüngere Variante, der im Vergleich zum 14-Jährigen allerdings etwas an Cremigkeit und Tiefe fehlt. Wer Rauch und Wucht erwartet, wird hier nicht fündig. Und weil die Produktion so klein ist, erscheinen ältere Abfüllungen meist nur in begrenzter Menge.

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