Penelope Four Grain – ein Bourbon, der mit Getreide statt mit Wucht arbeitet
Der Penelope Four Grain Bourbon ist die Basisabfüllung einer jungen Marke, die ihr Destillat nicht selbst brennt, sondern gezielt zusammenstellt. Vier Getreide stecken in der Flasche: Mais, Weizen, Roggen und Gerstenmalz. Mit nur 40 % vol. gehört er zu den leichteren Vertretern seiner Zunft und setzt auf Fruchtigkeit und Süße statt auf Eichenkraft. Wer sonst Bourbons mit 45 % und mehr trinkt, bekommt hier ein sanftes Gegenstück.
Geschichte: Eine Marke, die auf dem Golfplatz entstand
Hinter Penelope Bourbon stehen Michael „Mike“ Paladini und Daniel „Danny“ Polise, zwei Freunde, die die Marke 2018 gründeten. Das Unternehmen sitzt in New Jersey und war von Beginn an ein Zukäufer: Das Destillat stammt von MGP in Indiana, Penelope selbst kümmert sich um Auswahl, Verschnitt und Abfüllung. Den Namen trägt die Marke nach der Tochter eines der Gründer, so beschreibt es der Hersteller.
Im Mai 2023 gab MGP Ingredients bekannt, die Marke über ihre Tochter Luxco zu übernehmen. Der Abschluss folgte laut Pressemitteilung am 1. Juni 2023. Damit gehört Penelope heute zum selben Konzern, der auch das Destillat liefert. Das Kernsortiment umfasst neben dem Four Grain die Reihen Barrel Strength, Architect und Toasted; dazu kommen limitierte Linien wie Cooper Series oder Private Select.
Der Four Grain im Speziellen
Der Four Grain bildet das Fundament des Sortiments. Er ist ein Straight Bourbon, also mindestens zwei Jahre in neuen, ausgekohlten Eichenfässern gereift, und wird in Chargen abgefüllt, nicht kühlgefiltert. Der Hersteller nennt auf seiner Seite eine Reifezeit von vier Jahren. Frühe Chargen waren dagegen deutlich jünger, Fachseiten sprechen von rund zwei bis drei Jahren; je nach Quelle und Charge kann die Angabe also variieren. Die Abfüllstärke von 40 % vol. (80 Proof) ist der gesetzliche Mindestwert für Whiskey dieser Kategorie.
Auf dem Etikett steht keine Mash Bill, die Herstellerseite nennt aber eine Aufteilung von etwa 75 % Mais, 15 % Weizen, 7 % Roggen und 3 % Gerstenmalz. Einzelne Quellen geben leicht abweichende Werte an, etwa 74 und 16 % für Mais und Weizen; die Zahlen sind als Richtwerte zu lesen. Grundlagen zu Rezepten und Anteilen erklärt der Beitrag zur Bourbon Mash Bill.
Herstellung: Drei Rezepturen in einer Charge
Der Clou liegt im Verschnitt. Nach Herstellerangabe vereint jede Charge drei verschiedene Bourbon-Rezepturen, die getrennt reifen und erst danach zusammenfinden; nach Fachseiten ist darunter eine Rezeptur mit Roggen und eine mit Weizen als Zweitgetreide. Die vier Getreide stammen also nicht aus einer einzigen Maische, sondern ergeben sich aus der Mischung. Die Fässer werden laut Marke einzeln ausgewählt und dann zu einer Charge vermählen. Dieses Prinzip erklärt auch der Beitrag über Small Batch, Single Barrel und Single Cask, in dem die Unschärfe des Begriffs eine Rolle spielt: Uns liegt keine Angabe zur Fasszahl einer Charge vor, daher bleibt sie für den Käufer schwer zu greifen.
Fachseiten nennen als Besonderheit der Fässer eine stärkere Ausbrennung der Dauben (Stufe 4) als der Böden (Stufe 2). Das ist eine Angabe aus Drittquellen und nicht von der Herstellerseite bestätigt. Welche gesetzlichen Mindeststandards für Bourbon gelten, fasst Bourbon: Regeln und Mythen zusammen.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Gold, deutlich heller als die meisten Standard-Bourbons.
- Nase: Süßer Mais und Karamell, dazu Aprikose und Pfirsich, ein Hauch Vanille und dezentes Eichenholz.
- Gaumen: Weich und cremig, sirupartige Süße, Honig, Nektarine und ein Anflug von Zitrus; der Alkohol bleibt im Hintergrund.
- Abgang: Kurz bis mittellang, Vanille, Buttercreme und Maisbrot, am Ende ein leises Roggengewürz mit Zimt.
Im Glas wirkt der Four Grain eher wie ein Dessert als wie ein Bourbon der kräftigen Sorte. Die Frucht, die man von Weizen- und Roggenanteilen erwartet, trägt das Profil, während Holz und Würze schlank bleiben. Der Preis dafür ist die Länge: Wer Tiefe und einen langen, trockenen Nachhall sucht, findet ihn bei 40 % vol. nicht. Dafür fehlt jede Schärfe, was den Bourbon auch für Einsteiger angenehm macht.
Genuss-Empfehlung
Am besten gelingt er pur im Tumbler oder im Nosing-Glas, bei Zimmertemperatur und ohne Wasser, denn mehr Verdünnung verträgt er kaum. Ein großer Eiswürfel hält ihn frisch und bringt die Fruchtseite nach vorn. Im Old Fashioned ergibt er eine milde, süße Variante, im Whiskey Sour trägt er die Zitrone, ohne unterzugehen; für einen kräftigen Manhattan ist er etwas zu leicht. Zum Essen passen Maisbrot, Pekannuss-Kuchen, gegrillte Pfirsiche, Vanilleeis oder ein milder Cheddar.
Einordnung & Alternativen
- Larceny Small Batch: ebenfalls weich und süß, aber mit nur einem Zweitgetreide (Weizen) und 46 % vol. deutlich kräftiger.
- Four Roses Small Batch: ein Verschnitt aus mehreren Rezepturen wie der Penelope, mit mehr Roggenwürze und 45 % vol.
- Elijah Craig Small Batch: die holzbetontere, stärkere Alternative mit 47 % vol. für alle, denen der Four Grain zu zart ist.
Fazit
Der Penelope Four Grain ist ein sauber gemachter, zugänglicher Bourbon für Genießer, die Süße, Frucht und Weichheit schätzen und keine Holzbombe suchen. Er eignet sich als Einstieg in Bourbon, als milder Cocktail-Whiskey und als Beispiel dafür, wie viel ein Verschnitt aus einem großen Lieferanten leisten kann. Abzüge gibt es für die geringe Abfüllstärke, den kurzen Abgang und die Unsicherheit bei Reifealter und Mash Bill, weil der Hersteller dazu nur wenig offenlegt. Deshalb 4,0 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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