Bulleit Bourbon – der würzige Bar-Bourbon im Frontier-Look
Die Flasche mit dem orangefarbenen Etikett und dem Aufdruck „Frontier Whiskey“ gehört in vielen Bars zum festen Inventar. Der Bulleit Bourbon ist ein Kentucky Straight Bourbon der Diageo-Marke Bulleit und setzt auf einen für Bourbon ungewöhnlich hohen Roggenanteil. Mit 45 % vol. kommt er kräftiger ins Glas als viele Standardabfüllungen und schmeckt entsprechend trockener und würziger als die weichen, maisgeprägten Vertreter seiner Klasse.
Geschichte: Ein Familienrezept und eine späte Brennerei
Nach der Markenlegende entwickelte Augustus Bulleit um 1830 ein Rezept und stellte bis zu seinem Tod 1860 Whiskey her. Sein Ururenkel Tom Bulleit belebte die Marke ab 1987 wieder und baute sie zunächst neben seiner Arbeit als Anwalt auf; im Handel erschien der Bourbon laut gängigen Darstellungen Mitte der 1990er-Jahre. Über Seagram und die spätere Aufteilung von dessen Spirituosengeschäft gelangte die Marke zu Diageo. Zu den Jahreszahlen des Eigentümerwechsels gehen die Quellen auseinander, weshalb wir sie hier nicht festnageln.
Bemerkenswert ist, dass Bulleit jahrzehntelang keine eigene Brennerei besaß. Das Destillat stammte von Lohnbrennern; als langjähriger Hauptlieferant wird häufig Four Roses in Lawrenceburg, Kentucky, genannt, später kamen laut Branchenberichten weitere Produzenten hinzu. Erst 2017 eröffnete Diageo die Bulleit Distilling Co. in Shelbyville, Kentucky, mit einer ausgewiesenen Jahreskapazität von 1,8 Millionen Proof Gallons. Wie groß der Anteil eigener Destillate im heutigen Standard-Bourbon ist, legt die Marke nach unserer Recherche nicht belastbar offen. Beim Roggen-Whiskey der Marke ist die Lage klarer: Er wird laut Berichten weiterhin bei MGP im indianischen Lawrenceburg gebrannt, mehr dazu im Bulleit Rye Whiskey.
Der Bulleit Bourbon im Speziellen
Die Abfüllung trägt keine Altersangabe auf dem Etikett. In Nachschlagewerken findet sich häufig die Angabe, dass der Whiskey mindestens sechs Jahre reift; als Herstellerangabe konnten wir das nicht verifizieren. Das Rezept besteht aus 68 % Mais, 28 % Roggen und 4 % gemälzter Gerste. Üblicherweise abgefüllt wird er mit 45 % vol.; in einzelnen Märkten, etwa Dänemark und Australien, sind laut Wikipedia 40 % vol. üblich. Im Sortiment steht er als Basisabfüllung neben dem Bulleit 10 Jahre, dem Bottled-in-Bond-Bourbon und dem Barrel Strength.
Herstellung: Wenn Roggen den Ton angibt
Ein Bourbon braucht gesetzlich nur mindestens 51 % Mais, den Rest dürfen Roggen, Weizen und Gerstenmalz stellen. Bei Bulleit entfallen davon 68 % auf Mais, 4 % auf Gerstenmalz und der große Rest auf Roggen. Mit 28 % liegt dieser Anteil deutlich über dem, was viele Hersteller verwenden, und ist etwas mehr als halb so hoch wie die 51 %, die einen Rye Whiskey definieren. Roggen bringt Pfeffer, Zimt und eine herbe, fast brotige Schärfe ins Destillat. Der Mais hält dagegen und gibt dem Ganzen die Süße, die einen Bourbon ausmacht.
Gereift wird in fabrikneuen, innen ausgebrannten Eichenfässern. Weil das Destillat von Haus aus würzig ist, tritt die Fassreifung hier eher als Süßespender auf: Vanille und Karamell federn die Roggenschärfe ab, ohne sie zu überdecken. Das erklärt, warum der Bulleit Bourbon in Mischgetränken so verlässlich funktioniert, denn er behält neben Zucker, Zitrus oder Wermut seine Kontur.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Mittleres Bernstein bis Kupfer.
- Nase: Vanille, Karamell und Honig, dazu Zimt, Muskat und eine leichte Roggenwürze; in manchen Verkostungen auch Pfirsich und helle Blüten.
- Gaumen: Eher leichtgewichtig, aber mit Biss: Vanille, Karamell und süße Kirsche treffen auf schwarzen Pfeffer und Roggenwürze, im Hintergrund Eichenkohle und eine Spur Butter-Mais.
- Abgang: Mittellang, trocken und würzig mit Eiche und Zimt; je nach Verkoster leicht holzig bis herb.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tumbler schmeckt der Bulleit Bourbon ordentlich, wirkt aber für manche Gaumen etwas eindimensional. Ein großer Eiswürfel nimmt die Spitzen und lässt die Vanille nach vorn treten. Seine Stärke zeigt er im Glas der Bar: Im Old Fashioned oder Whiskey Sour setzt sich seine Würze gegen Zucker und Zitrone durch, im Manhattan sorgt der Roggenanteil für ein trockeneres Ergebnis als mit weichen Weizenbourbons. Als Highball mit Ginger Beer wird er zum unkomplizierten Longdrink. Zum Essen passen Burger, Pulled Pork oder gegrillte Maiskolben, deren Rauch und Süße die Aromen aufgreifen.
Einordnung & Alternativen
- Wild Turkey 101 Bourbon – mit 50,5 % vol. noch kräftiger und würziger, dabei ebenfalls für Cocktails gebaut.
- Four Roses Single Barrel – roggenbetonter Einzelfass-Bourbon mit mehr Fruchttiefe und deutlich mehr Komplexität, als Aufstieg gedacht.
- Jim Beam Original Kentucky Straight Bourbon – milder und süßer bei 40 % vol., die zugänglichere Wahl für Einsteiger.
Fazit
Der Bulleit Bourbon ist ein ehrlicher Arbeits-Bourbon: kräftiger abgefüllt als der Durchschnitt, trocken und würzig, mit sauber erkennbarer Roggenkante. Pur bleibt er bei dünnerem Körper und schlankem Abgang hinter den besten Flaschen seiner Klasse zurück, weshalb unser Rating bei 3,9 liegt. Als Basis für Old Fashioned, Sour und Manhattan ist er dagegen eine verlässliche Wahl, auch für alle, die den Einstieg in das Thema Bourbon suchen (Whisky für Einsteiger). Wer die Herkunft des Destillats genau wissen will, sollte sich bewusst machen, dass die Marke die Lieferkette nicht vollständig offenlegt.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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