Larceny Small Batch Bourbon – weicher Weizen-Bourbon mit Diebesgeschichte
Der Larceny Small Batch gehört zu den wenigen Bourbons, die Weizen statt Roggen als zweites Getreide verwenden. Hergestellt wird er von Heaven Hill in Kentucky, abgefüllt mit 46 % vol. Der Name spielt auf eine Anekdote an, die zugleich die Verbindung zu einer der traditionsreichsten Weizenmarken der USA herstellt: Old Fitzgerald. Im Glas steht ein runder, brotig-süßer Bourbon, der sich bewusst als Alternative zu den würzigeren Roggen-Rezepturen versteht.
Geschichte: Von Old Fitzgerald zu Larceny
Die Wurzeln liegen im späten 19. Jahrhundert. Als Gründer von Old Fitzgerald gilt der Milwaukeer Spirituosenhändler Solomon C. Herbst; Wikipedia nennt das Jahr 1870, andere Quellen sprechen von den 1880er-Jahren. Später übernahm Julian „Pappy“ Van Winkle die Marke und ersetzte einen Teil des Roggens durch Weizen. Diese weiche Rezeptur machte den Namen berühmt. Produziert wurde Old Fitzgerald lange in der Stitzel-Weller-Brennerei in Louisville; nach deren Schließung 1992 zog die Produktion in die Bernheim-Brennerei von Diageo. 1999 verkaufte Diageo die Marke samt Bernheim an Heaven Hill, das Familienunternehmen aus Bardstown, das nach dem Brand von 1996 dringend eigene Brennkapazität brauchte. Larceny kam 2012 zunächst in einigen US-Bundesstaaten auf den Markt und führt die Weizen-Tradition unter eigenem Namen fort. Heaven Hill bleibt dabei die Klammer: Brennen in Louisville, Lagern und Abfüllen in Bardstown.
Der Namensgeber ist John E. Fitzgerald, nach der Überlieferung ein Inspektor des US-Schatzamts, der die Lagerhäuser kontrollierte. Die Legende besagt, er habe mit seinen Schlüsseln die besten Fässer für sich beiseitegeschafft und sich „bedient“; aus diesen heimlichen Auswahlen seien die „Fitzgerald-Fässer“ geworden. Belegt ist das nicht zweifelsfrei. Es handelt sich um eine Markenerzählung, die auch der Slogan „A taste made famous by an infamous act“ aufgreift. Der historische Fitzgerald war kein Brenner, und die Geschichte dient vor allem dazu, dem Whiskey ein Gesicht zu geben.
Der Larceny Small Batch im Speziellen
Das Etikett nennt kein Alter. Nach Herstellerangaben besteht der Verschnitt aus Fässern, die zwischen sechs und zwölf Jahren gereift sind, je Charge sind es höchstens 100 Fässer. Die Mashbill wird in mehreren Quellen mit 68 % Mais, 20 % Weizen und 12 % Gerstenmalz angegeben; die Marke wirbt damit, mehr Weizen zu enthalten als andere Wheated Bourbons. Mit 46 % vol. (92 Proof) liegt er knapp über dem Maker's Mark mit 45 %. In den USA ist die Abfüllung Standard; hierzulande taucht sie in 0,7-Liter-Flaschen mit denselben 46 % vol. auf, allerdings eher bei Importhändlern und auf Marktplätzen als dauerhaft in jedem Fachgeschäft. Wir sahen etwa Angebote, die zum Zeitpunkt der Recherche als ausverkauft markiert waren. Wer die Flasche sucht, muss also etwas Geduld oder einen Spezialisten mitbringen.
Herstellung: Weizen statt Roggen
Jeder Bourbon braucht mindestens 51 % Mais; das Zweitgetreide entscheidet über den Charakter. Roggen bringt Pfeffer und Schärfe, Weizen dagegen bleibt unauffällig, rund und leicht süß, weshalb Wheated Bourbons als weicher gelten. Genau das macht den Larceny aus: Die Würze kommt eher aus dem Holz als vom Korn. Auch bei der Reife gilt, was für den Bourbon-Stil überhaupt gilt: neue, ausgekohlte Eichenfässer, in denen der Weizenbrand langsam Vanille und Karamell aufnimmt. Warum ein Fass so stark prägt, lesen Sie in unserem Beitrag zur Whisky-Fassreifung, und den ganzen Weg vom Getreide zur Flasche beschreibt Wie wird Whisky hergestellt.
Maker's Mark, der bekannteste Wheated Bourbon, setzt nach unserer Beschreibung auf Karamell und Vanille; Larceny ergänzt dieses Bild um Brotkruste, Mandel und etwas mehr Gewürz. Den Unterschied machen Rezeptur, Brennerei und Reifung, nicht allein der Weizen.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Kupfer bis Bernstein.
- Nase: Brotkruste, Toffee und Vanillefudge, dazu Butterscotch, Mandel und leichte Gewürze.
- Gaumen: Weich, honigsüßer Butterkaramell mit schwarzem Pfeffer, Muskat und Zimt; Körper mittelvoll.
- Abgang: Mittellang bis lang, mit Ahornsirup, gerösteter Eiche und einem Anklang von Maisbrot.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tumbler oder mit einem großen Eiswürfel funktioniert der Larceny hervorragend, weil er kaum Schärfe mitbringt. Im Old Fashioned sorgt er für eine runde, weniger würzige Variante als mit Roggenlastigem; im Whiskey Sour trägt seine Süße die Zitrone. Dazu passen Pecan Pie, Bananen-Desserts, gebratenes Hähnchen, Maisbrot oder gereifter Gouda. Wer Weizen-Bourbon zum ersten Mal probiert, sollte ihn zunächst pur versuchen.
Einordnung & Alternativen
- Maker's Mark Kentucky Bourbon – der bekannteste Wheated Bourbon, mit 45 % vol. etwas schlanker und leichter zu finden.
- Buffalo Trace Kentucky Straight Bourbon – roggenwürziger Standard mit 40 % vol., gut als Gegenprobe zum Weizen.
- Wild Turkey 101 Bourbon – das Gegenstück: kräftige Roggenwürze bei 50,5 % vol.
Fazit
Der Larceny Small Batch ist ein sehr guter Bourbon für alle, die weiche, süße Profile mögen und Roggenschärfe eher meiden. Die Fitzgerald-Geschichte ist hübsch erzählt, sollte aber als Legende gelesen werden. Das Rating von 4,1 steht für einen handwerklich sauberen, charaktervollen Verschnitt, dem für die oberste Kategorie die letzte Tiefe fehlt. Die eingeschränkte Verfügbarkeit in Deutschland ist der einzige echte Nachteil.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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