Gin

Humboldt Gin

4/5 Redaktionsbewertung
43 % vol.Berlin, Deutschland
GinNew Western Dry Gin
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Herstellung des Humboldt Gin:

Der Humboldt Gin wurde in Berlin entwickelt, um an den 250. Geburtstag des Naturforschers Alexander von Humboldt zu erinnern, und entstand in Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Botanischen Garten Berlin und dem Deutschen Historischen Museum. Statt eines einzelnen Gründers oder einer klassischen Brennerei-Gründungsgeschichte steht bei diesem Projekt die Figur Humboldts selbst im Zentrum: Der 1769 in Berlin geborene und 1859 ebenda gestorbene Humboldt brach 1799 gemeinsam mit dem Botaniker Aimé Bonpland zu einer fünfjährigen, rund 8.000 Kilometer langen Forschungsreise durch Lateinamerika, die Karibik und Teile Nordamerikas auf. Der Gin würdigt insbesondere diese Amerika-Expedition und die 1802 unternommene Besteigung des Chimborazo in Ecuador, bei der Humboldt, Bonpland und der Ecuadorianer Carlos de Montúfar bis kurz unterhalb des Kraters vordrangen und damit für drei Jahrzehnte einen Höhenrekord für Bergsteiger aufstellten – auf dieser Reise dokumentierte Humboldt zahlreiche bis dahin unbekannte Pflanzenarten, von denen einige später Eingang in die Botanical-Liste des Gins fanden.

Als Basis dient ein feines Roggendestillat deutscher Herkunft, in dem sämtliche Botanicals zunächst mazeriert und anschließend in Kupfer-Hybrid-Brennblasen schonend redestilliert werden, um ein möglichst vollständiges Aromenbild zu erzielen. Insgesamt kommen 19 verschiedene Pflanzenauszüge zum Einsatz – deutlich mehr als bei den meisten klassischen Gins –, darunter mit Congona, Angosturarinde, Chinarinde und Guaraná-Samen mehrere Botanicals, die unmittelbar auf Humboldts Sammlungen aus Südamerika zurückgehen. Diese Kombination aus Getreidebasis, aufwendiger Redestillation und außergewöhnlich umfangreicher Botanical-Liste macht den Humboldt Gin zu einem der am stärksten narrativ aufgeladenen deutschen Gins, dessen Rezeptur explizit als Hommage an eine reale historische Forschungsreise konzipiert wurde. Der Hersteller ordnet ihn selbst als "Rye Dry Gin" ein und unterstreicht damit die Roggenbasis als bewusste Abgrenzung zu den überwiegend getreideneutralen oder weinbasierten Gins des internationalen Marktes.

Verkostung des Humboldt Gin:

In der Nase präsentiert sich der Humboldt Gin komplex und würzig, mit Angosturarinde und Chinarinde, die dem Gin eine leicht bittere, herb-aromatische Tiefe verleihen, während Kräuternoten das Bild abrunden. Wacholder ist vorhanden, tritt aber – dem New-Western-Stil entsprechend – hinter die ungewöhnlicheren Botanicals zurück. Am Gaumen entfaltet sich eine vielschichtige Würze, getragen von der Roggenbasis, die dem Gin einen runden, leicht öligen Körper verleiht; die exotischen Zutaten wie Guaraná-Samen und Piment sorgen für eine eigenständige, in dieser Form seltene Aromatik. Der Abgang ist lang und würzig, mit einem leicht bitteren Nachklang, der die Chinarinde erkennbar bleiben lässt und dem Gin auch nach dem Schlucken noch Struktur gibt.

Steckbrief Humboldt Gin:

Alkoholgehalt: 43 % vol.
Verwendete Botanicals: 19 Botanicals, darunter Wacholder, Congona, Angosturarinde, Chinarinde, Guaraná-Samen und Piment sowie klassische Gin-Botanicals
Hersteller: Berlin, Deutschland (Basis: deutsches Roggendestillat)

Botanicals des Humboldt Gin im Detail

Die Auswahl der Botanicals folgt konsequent der biografischen Erzählung: Chinarinde etwa lieferte historisch den Grundstoff für Chinin, dessen fiebersenkende Wirkung Humboldt auf seinen Reisen durch Südamerika kennenlernte und das später auch zur Basis klassischer Tonic Waters wurde – eine interessante Parallele, die den Humboldt Gin und sein Serviergetränk gewissermaßen botanisch verwandt macht. Angosturarinde und Congona zählen zu den in Europa deutlich selteneren Zutaten, die in dieser Kombination kaum in anderen am Markt erhältlichen Gins zu finden sind. Die Entscheidung für eine schonende Redestillation in Kupfer-Hybrid-Brennblasen erlaubt es, auch empfindlichere aromatische Verbindungen aus den insgesamt 19 Botanicals zu erhalten, ohne dass einzelne Komponenten den Gesamteindruck überlagern. Diese Komplexität unterscheidet den Humboldt Gin deutlich von reduzierteren, auf wenige Kernbotanicals fokussierten Rezepturen und macht ihn zu einem Gin, der explizit auf Vielschichtigkeit statt auf Klarheit setzt.

Verwendung des Humboldt Gin

  • Gin & Tonic: Da Chinarinde sowohl im Gin als auch in klassischem Tonic Water eine Rolle spielt, passt ein aromatisches Fever-Tree Premium Indian Tonic Water besonders gut und verstärkt die bittere Tiefe des Gins auf stimmige Weise.
  • Für Entdecker: Wer die exotischeren Botanicals stärker herausschmecken möchte, kombiniert den Humboldt Gin mit East Imperial Royal Botanic Tonic, dessen eigene botanische Vielfalt die Komplexität des Gins nicht erschlägt.

Humboldts spätere Werke wie die "Ansichten der Natur" und sein mehrbändiges Alterswerk "Kosmos" prägten die Naturwissenschaften des 19. Jahrhunderts nachhaltig und begründeten mit dem Grundsatz, dass in der Natur "alles Wechselwirkung" sei, wesentliche Prinzipien der modernen Geografie und Ökologie. Diese wissenschaftliche Tiefe des Namensgebers verleiht dem Humboldt Gin eine Erzählung, die weit über eine bloße Marketing-Idee hinausgeht und ihn inhaltlich enger an eine reale Person und deren Lebenswerk bindet, als es bei den meisten anderen thematisch inspirierten Gins der Fall ist.

Der Humboldt Gin eignet sich besonders für Genießer, die neben dem reinen Geschmackserlebnis auch Wert auf eine fundierte, kulturhistorisch verankerte Markenerzählung legen. Im Vergleich zu einem ebenfalls narrativ und exotisch ausgerichteten Gin wie dem Jinzu Gin, der seine Identität aus der Verbindung von schottischem Gin und japanischem Sake bezieht, verankert sich der Humboldt Gin dagegen tief in der europäischen Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts und übersetzt eine reale Forschungsreise in ein außergewöhnlich botanicalreiches Destillat – ein Ansatz, der ihn von den meisten anderen deutschen New-Western-Dry-Gins klar abhebt.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Wacholder2/5
Zitrus2/5
Kräuter/Blumig4/5
Würze4/5

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