Die Kombination im Überblick
Puerto de Indias Strawberry Gin aus Andalusien gilt als Pionier des spanischen Flavoured-Gin-Trends: Einem klassisch destillierten Basis-Gin wird nachträglich natürliches Erdbeeraroma sowie etwas Rohrzucker zugesetzt, wodurch Wacholder fast vollständig hinter der intensiven, fruchtig-süßen Erdbeernote zurücktritt. Auf das Goldberg & Sons Indian Hibiscus Tonic trifft damit ein Gin, der geschmacklich näher an einem Fruchtlikör als an einem klassischen Dry Gin liegt. Das Tonic selbst nennt den Puerto de Indias auf seiner Produktseite ausdrücklich als eine von drei Gin-Empfehlungen – der farblich wie geschmacklich auffällige, fruchtig-florale Charakter beider Produkte war also durchaus beabsichtigt. Hergestellt wird der Gin in der Destillerie Los Alcores de Carmona nahe Sevilla, die zwei sevillanische Brüder vor dem Aus retteten, indem sie 2014 nach eigenen Angaben den ersten echten Erdbeer-Gin auf den Markt brachten. Der Markenname erinnert an die Rolle Sevillas als wichtigsten spanischen Handelshafen mit Amerika, das Turm-Medaillon auf der Flasche zeigt den Torre del Oro am Ufer des Guadalquivir – der kommerzielle Erfolg des Konzepts machte Puerto de Indias inzwischen zum Vorreiter eines ganzen spanischen Flavoured-Gin-Segments.
Warum diese Kombination funktioniert
Optisch ist diese Kombination eine der eindrücklichsten im gesamten Katalog: Die kräftige Rotfärbung des Hibiskus-Tonics, die laut Hersteller ausschließlich aus natürlichem Hibiskusblüten-Extrakt stammt, verbindet sich mit dem rosaroten Erdbeer-Gin zu einem intensiv pinken Drink. Geschmacklich ergänzen sich beide Fruchtebenen durchaus: Die süße, an frische Erdbeeren erinnernde Note des Gins trifft auf die herbere, leicht säuerliche Hibiskusblüte, die dem insgesamt sehr süßen Grundcharakter etwas mehr Kontur verleiht, als es der Gin allein hätte. Die eigentliche Schwäche dieser Paarung liegt jedoch darin, dass weder der Puerto de Indias noch das Hibiskus-Tonic über nennenswerte Bitterkeit oder Kräuterstruktur verfügen: Der Gin verzichtet fast vollständig auf Wacholder- oder Gewürzcharakter, und auch das Tonic hält seine Chinin-Note bewusst zurück, um die Blütenaromatik nicht zu überdecken. Es fehlt damit ein echtes Gegengewicht zur geballten Fruchtsüße beider Komponenten, wodurch der Drink insgesamt eher an eine aromatisierte Limonade als an einen klassisch ausbalancierten Gin & Tonic erinnert.
Verkostung der Kombination
In der Nase dominiert eine intensiv süße Erdbeernote, unterlegt von der blumig-herben Hibiskusblüte, die an Hagebuttentee erinnert. Am Gaumen zeigt sich der Drink deutlich süß und fruchtig, mit einer nur leicht wahrnehmbaren Säure und einer sehr zurückhaltenden Bitterkeit im Hintergrund. Die Erdbeernote bleibt durchgehend präsent, während die Hibiskusblüte für eine gewisse florale Tiefe sorgt, ohne die grundsätzliche Süße wirklich einzudämmen. Der Abgang ist mittellang, süß-fruchtig und unkompliziert, ohne die Länge oder Komplexität, die klassische Dry-Gin-Kombinationen auszeichnet – bei diesem bewusst zugänglichen Gin-Stil aber auch nicht das eigentliche Ziel.
Serviervorschlag
Serviert wird die Kombination am besten im großen Ballonglas mit reichlich Eis, im Verhältnis von etwa 1:3. Frische Erdbeerscheiben als Garnitur greifen die Fruchtnote des Gins direkt auf, während getrocknete Hibiskusblüten zusätzlich die florale Seite und die kräftige Farbe unterstreichen. Ein Spritzer Limettensaft kann helfen, der insgesamt recht süßen Kombination etwas mehr Frische entgegenzusetzen, auch wenn er die grundsätzliche Süßedominanz nicht vollständig auflöst.
Einordnung & Vergleich
Im Vergleich zu den anderen in diesem Katalog vorgestellten Kombinationen mit demselben Tonic zeigt sich, wie sehr die vorhandene botanische Struktur des Gins über das Ergebnis entscheidet: Sowohl der florale Hendrick's Gin als auch der beerig-samtige Brockmans Premium Gin bringen zumindest eine dezente Kräuter- oder Wurzelwürze mit, die dem jeweiligen Drink etwas mehr Kontur verleiht. Dem Puerto de Indias fehlt dieses Rückgrat fast vollständig, weshalb die Kombination zwar optisch und für einen unkomplizierten, süßen Sommerdrink überzeugt, geschmacklich aber die am wenigsten vielschichtige der drei Hibiskus-Paarungen bleibt. Wer die Bandbreite fruchtiger Gins mit diesem Tonic weiter erkunden möchte, findet in den beiden anderen Kombinationen mehr botanische Tiefe.
Fazit
3/5 Punkte. Eine optisch auffällige, unkomplizierte Fruchtkombination, die genau die Zielgruppe bedient, für die der Puerto de Indias konzipiert wurde: alle, die Gin eher als süßen, zugänglichen Sommerdrink denn als komplexe Spirituose schätzen. Wer dagegen etwas mehr Struktur, Bitterkeit oder botanische Tiefe im Glas sucht, wird von der insgesamt recht eindimensionalen Süße enttäuscht sein. Für Einsteiger:innen und alle, die unkomplizierte, fruchtig-florale Longdrinks mögen, ist diese Paarung dennoch eine der auffälligsten und geselligsten im gesamten Hibiscus-Tonic-Programm. Als Willkommensdrink für eine größere Runde, bei der optische Wirkung und Zugänglichkeit wichtiger sind als analytische Tiefe, erfüllt diese Kombination ihren Zweck zuverlässig und sorgt zuverlässig für Gesprächsstoff am Tisch.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Weitere Gin & Tonic Kombinationen

Roku Gin & Goldberg & Sons Japanese Yuzu Tonic (5/5)
Kräftige Kohlensäure und spürbare Chinin-Bitterkeit geben dem sonst so weichen Roku ein Widerlager, das Yuzu, Tee und Sanshō-Pfeffer klar konturiert.

Sacred Gin & Schweppes Herbal Tonic Water (3/5)
Weihrauch und Kardamom aus der Londoner Vakuumdestillation geraten unter der robusten Rosmarin-Oregano-Note des Tonics etwas in den Hintergrund.

Sacred Gin & Weisswange Indian Tonic Water (4/5)
Kardamom trifft auf Kardamom: Die vakuumdestillierte Gewürztiefe des Londoner Craft-Gins wird von der ebenso würzigen Weisswange-Basis aufgegriffen statt übertönt.
