Saint Lucia Distillers (SLD) ist die einzige Rum-Brennerei der Karibikinsel St. Lucia. Das Unternehmen entstand 1972 aus dem Zusammenschluss zweier Familienbetriebe und produziert in Roseau Bay an der Westküste. Mit drei Pot Stills und einer Coffey-Kolonne unter einem Dach kann SLD schwere und leichte Destillate herstellen und daraus sehr unterschiedliche Rums komponieren. Bekanntester Name ist die 1999 eingeführte Linie Chairman's Reserve.
Überblick
- Name: Saint Lucia Distillers Ltd. (SLD)
- Ort: Roseau, St. Lucia (Roseau Bay); die ursprüngliche Brennerei der Barnards stand in Dennery an der Ostküste
- Gegründet: 1972 (Zusammenschluss Barnard und Geest); die Barnards brennen schon seit den 1930er-Jahren
- Land: St. Lucia
- Besitzer: Seit 2016 Spiribam, die Spirituosensparte der Groupe Bernard Hayot (GBH)
- Typ/Stil: Melasse-Rum, Pot Still und Kolonne, Reifung überwiegend in Ex-Bourbonfässern
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1931 | Denis Barnard baut eine Brennerei in Dennery (einzelne Quellen nennen 1932) |
| 1972 | Barnards und Geest, Besitzer der Brennerei in Roseau, schließen sich zusammen; die Produktion zieht nach Roseau |
| 1992/93 | Die Familie Barnard kauft die Anteile von Geest auf (je nach Quelle 1992 oder 1993) |
| 1997/98 | Die Angostura Ltd. aus Trinidad steigt mit einem Minderheitsanteil ein (je nach Quelle 1997 oder 1998) |
| 1999 | Markteinführung von Chairman's Reserve unter Laurie Barnard |
| 2005 | Die CLICO-Gruppe, Mutter von Angostura, übernimmt alle Anteile |
| 2007 | Ein Brandstiftungsfeuer zerstört Verwaltung, Labor und Blending-Gebäude samt Archiv |
| 2016 | Spiribam (Groupe Bernard Hayot) wird neuer Eigner |
Besonderheiten bei der Herstellung
Melasse aus Guyana
Auf St. Lucia gibt es keine Zuckerfabrik mehr. SLD importiert deshalb Melasse, die laut Angaben mehrerer Fachseiten aus Guyana stammt, und lässt sie etwa einen Tag vergären. Daneben gibt es kleine Mengen aus eigenem Zuckerrohr und Rohrsaft, die für das Kernsortiment bisher keine tragende Rolle spielen.
Pot Stills und Kolonne
- Drei Pot Stills: zwei John-Dore-Brennblasen mit zwei Retorten (1998 und 2004 bzw. 2005 in Betrieb genommen, je nach Quelle) sowie eine Vendome-Blase mit aufgesetzter Kolonne (2003 aus Trinidad).
- Eine Coffey-Kolonne: die McMillan-Anlage von 1985 mit zwei Kolonnen und Rektifikation für leichtere Destillate.
- Schwere Pot-Still-Destillate und leichte Kolonnenrums werden getrennt gelagert und später verschnitten. Das Mischungsverhältnis bestimmt, welche Linie entsteht.
Reifung und Blending
Die Fässer sind überwiegend ehemalige Bourbonfässer; für einzelne Abfüllungen kommen Portweinfässer hinzu. Chairman's Reserve trägt keine Altersangabe. Der Original-Blend hat nach Angaben des Hauses ein Durchschnittsalter von rund fünf Jahren und ruht nach dem Verschnitt noch etwa sechs Monate in Eichenholztanks.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Chairman's Reserve Original | 40 % | Verschnitt aus Pot Still und Kolonne, im Schnitt etwa fünf Jahre, Vanille, Karamell, Gewürz |
| Chairman's Reserve Spiced | 40 % | Original mit Gewürzen und Bois bandé angesetzt, süß und würzig |
| Chairman's Reserve Forgotten Casks | 40 % | Länger gereift, Vanille, Karamell, Trockenfrucht, geröstetes Holz |
| Chairman's Reserve Legacy | 43 % | Fünf bis siebeneinhalb Jahre alte Komponenten, überwiegend aus der Kolonne, Toffee, Banane, Eiche |
| Chairman's Reserve 1931 | 46 % | 2011 zum 80-jährigen Rum-Jubiläum eingeführt, Blend aus allen vier Brennanlagen, Mix aus Bourbon- und Portfässern |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Chairman's Reserve Original.
Stil & Wiedererkennungswert
SLD steht für einen mittelschweren, würzigen Blend-Stil, der die Pot-Still-Fülle jamaikanischer Rums nicht erreicht, aber mehr Charakter bietet als reine Kolonnenrums. Die Aromatik bewegt sich zwischen Vanille, Karamell, dunklen Früchten und Gewürz. Gerade weil die Brennerei beide Verfahren unter einem Dach beherrscht, kann sie von leicht bis schwer eine große Bandbreite abdecken.
Wer den Stil in einen größeren Zusammenhang einordnen möchte, findet im Vergleich der karibischen Rum-Regionen passende Orientierung. Typisch für die Insel ist, dass eine einzige Brennerei die gesamte Rum-Kultur tragen muss. Der Brand von 2007 und die Eigentümerwechsel der folgenden Jahre haben das Unternehmen geprägt, seit 2016 steht es unter dem Dach von GBH.
Fazit
Saint Lucia Distillers lohnt sich für alle, die Rum mit Pot-Still-Anteil zu moderatem Einstieg suchen. Der Chairman's Reserve Original eignet sich als vielseitige Abfüllung für Cocktails und für den Pur-Genuss. Wer mehr Tiefe möchte, greift zu Forgotten Casks oder zum 1931. Wer ausgeprägte Ester und Funk sucht, ist bei jamaikanischen Brennereien besser aufgehoben.
Produktempfehlung
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