Im fruchtbaren Tal von Aragua im Norden Venezuelas liegt die Hacienda Santa Teresa bei El Consejo: die Heimat von Ron Santa Teresa, einem der traditionsreichsten Rum-Häuser Venezuelas. Die Hacienda geht auf das Jahr 1796 zurück und befindet sich in den Händen der Familie Vollmer. Bekannt ist das Haus nicht nur für seine Solera-gereiften Rums, sondern auch für das Proyecto Alcatraz, das ehemalige Bandenmitglieder in Arbeit und Rugby einbindet.
Überblick
- Name: Hacienda Santa Teresa (Ron Santa Teresa)
- Ort: El Consejo, Bundesstaat Aragua, Venezuela
- Gegründet: Hacienda 1796; Rum-Produktion je nach Quelle seit dem 19. Jahrhundert, Markenregistrierung 1909
- Besitzer: Familie Vollmer (Familienunternehmen, Präsident ist Alberto Vollmer)
- Typ/Stil: Melasse-Rum, Pot- und Kolonnenbrand, Solera-Reifung
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1796 | Gründung der Hacienda Santa Teresa durch Martín Tovar Ponte; angebaut werden zunächst Kaffee, Kakao und Zuckerrohr |
| 1885 | Gustavo Julio Vollmer, Sohn des aus Deutschland stammenden Kaufmanns Gustav Julius Vollmer, erwirbt das Gut; seitdem ist die Familie Vollmer prägend |
| 1909 | Ron Santa Teresa wird als Marke eingetragen, nach einer Quelle als erste Rum-Marke Venezuelas, nach einer anderen als dritte eingetragene Marke des Landes |
| 1936 | Moderne Zuckerrohrmühle und Elektromotoren ermöglichen die Rum-Produktion im großen Maßstab |
| 1978 | Eine neue Melasse-Destillerie mit Kolonnenanlage wird in Betrieb genommen |
| 1992 | Nach Angaben eines Fachmagazins entsteht die erste Solera im Haus |
| 1996 | Zum 200. Jubiläum erscheint die Abfüllung, aus der später der Santa Teresa 1796 hervorgeht |
| 2003 | Nach einem Überfall auf das Gut startet das Proyecto Alcatraz |
Besonderheiten bei der Herstellung
Melasse und gemischte Brennanlage
- Grundlage ist Melasse aus Zuckerrohr, das nach Herstellerangaben auf dem Gut und bei Bauern der Region wächst. Destilliert wird mit einer Kombination aus Pot Stills und Kolonnen. Aus beiden Destillaten ergibt sich ein Spektrum von leichteren und schwereren Rums, das später im Blend aufgegriffen wird.
Das Solera-System
- Beim Santa Teresa 1796 reifen mehrere Rums in einem Solera-System, bei dem jeweils ein Teil des ältesten Fasses abgefüllt und mit jüngerem Rum aufgefüllt wird. Verwendet werden Destillate verschiedener Alter, nach einer Quelle von vier bis zu 35 Jahren; so enthält jede Flasche Anteile älterer Jahrgänge. Das Haus betreibt nach eigenen Angaben mehr als 30 Soleras.
Fässer und Reifung
- Gereift wird in Fässern aus amerikanischer und französischer Eiche. Nach venezolanischem Recht muss Rum mindestens zwei Jahre im Fass liegen, bevor er als gereift verkauft werden darf; so schreibt es eine Fachseite.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Santa Teresa Gran Reserva | 40 % | Gereifte Basisqualität des Hauses unterhalb des 1796, rund und vielseitig |
| Santa Teresa 1796 (Solera) | 40 % | Trockenfrucht, Karamell, Sherry-Würze; Flaggschiff des Hauses, die Bezeichnung wechselte zuletzt zu Triple Añejado en Solera |
| Santa Teresa 1796 Speyside Cask | 46 % | Zusatzfinish in Speyside-Whiskyfässern, fassstärker abgefüllt als der 1796 |
| Santa Teresa 1796 Arabica Coffee Cask | 46 % | Sonderedition mit Arabica-Coffee-Cask-Finish auf Basis des 1796 |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Santa Teresa 1796.
Stil & Wiedererkennungswert
Santa Teresa steht für venezolanischen Rum-Stil: rund, tendenziell trocken statt sirupartig süß und mit Solera-Reifung als Markenzeichen. Typisch sind Trockenfrucht, Karamell, Nuss und eine milde Holzwürze, ohne die schwere Opulenz mancher gesüßter Solera-Rums aus Zentralamerika. Wer den 1796 probiert, erkennt das Ergebnis aus Pot-Still-Anteil, Kolonnen-Reinheit und Reifung in mehreren Fasstypen.
Zur Identität des Hauses gehört auch das Proyecto Alcatraz: Nach einem Überfall auf die Hacienda im März 2003 bot die Firma den jugendlichen Tätern Arbeit statt Anzeige an. Daraus wurde ein Programm, das nach den Angaben des Hauses rund 200 junge Menschen aus Banden in ein ziviles Leben zurückgeführt hat und über Rugby weit in Schulen und Gefängnisse reicht. Die Marke verbindet so Fassreifung mit einer ungewöhnlichen Geschichte.
Fazit
Santa Teresa ist die richtige Adresse für alle, die einen ausgewogenen, trockeneren Premium-Rum mit lateinamerikanischer Handschrift suchen. Der Santa Teresa 1796 ist die naheliegende Einstiegsabfüllung: gut pur oder auf Eis. Wer Ester-Wucht im Jamaika-Stil sucht, wird hier nicht fündig; wer Rum mit Haltung und Geschichte sucht, schon.
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