Slane Irish Whiskey – Dreierlei Fass vom Schlossgelände
Der Slane Irish Whiskey ist ein irischer Blend, der seine Identität aus der Fassreifung bezieht: Verschiedene Destillate reifen getrennt in neuer Eiche, in gebrauchten Whiskeyfässern und in Oloroso-Sherryfässern und werden erst danach vermählt. Der Hersteller nennt das „Triple Casked“. Abgefüllt wird mit 40 % Vol. in einer schwarzen Flasche, deren Form an die Fassade von Slane Castle erinnern soll.
Damit zielt die Marke auf Trinker, die einen weichen irischen Whiskey mit etwas mehr Holzwürze und Süße suchen, als der Standard-Blend im Regal bietet. Wie überzeugend das Konzept im Glas aufgeht, klären die folgenden Abschnitte.
Geschichte: Ein Schloss, eine Familie und ein Bourbon-Riese
Slane Castle liegt im Boyne-Valley in der Grafschaft Meath, nordwestlich von Dublin, und ist seit Langem im Besitz der Familie Conyngham. Über die Landesgrenzen hinaus ist das Anwesen vor allem als Kulisse großer Open-Air-Konzerte bekannt. Alex Conyngham gilt als Mitgründer der Whiskeymarke, die gemeinsam mit dem US-Konzern Brown-Forman aufgebaut wurde. Brown-Forman aus Louisville, Kentucky, bringt die Erfahrung eines Bourbon-Hauses mit eigener Küferei mit.
Die Marke kam nach Angaben der Branchenpresse 2015 an den Start. Zwei Jahre später, im Herbst 2017, wurde auf dem Schlossgelände die Slane Distillery eröffnet. Berichte beschreiben drei kupferne Pot Stills sowie mehrere Säulenapparate. In der Anfangszeit stammte der Whiskey in der Flasche aus zugekauftem Destillat, weil die eigene Produktion erst reifen musste.
Der Slane im Speziellen
Die Bezeichnung auf dem Etikett lautet „Blended Irish Whiskey“, abgefüllt wird mit 40 % Vol. Wie sich der Blend aus Pot-Still- und Grain-Anteilen zusammensetzt, legt der Hersteller auf seiner Seite nicht offen; Fachberichte sprechen von einer Mischung aus Pot-Still- und Grain-Whiskey. Auch eine Altersangabe fehlt. Ob und in welchem Umfang inzwischen Destillat aus der eigenen Brennerei in der Flasche steckt, nennt die Marke ebenfalls nicht, wir lassen das daher offen. Zur Kühlfiltrierung finden sich auf der Produktseite keine Angaben.
Im Sortiment ist der Slane die Basisabfüllung. Er tritt mit dem Dreifach-Fass-Konzept gegen die großen Standard-Blends an.
Herstellung: Die drei Fasstypen
Der Kern des Konzepts sind drei Holzarten, die nach Herstellerangaben jeweils eigene Anteile liefern. Erstens neue Eiche: Die Fässer stammen aus der Küferei von Brown-Forman, laut Berichten mit mittlerem Ausbrennen und kräftigem Toasten. Sie liefern Vanille und geröstete Holznoten. Zweitens „seasoned“ Fässer, also gebrauchte Whiskeyfässer, die nach Berichten von Bourbon und Tennessee Whiskey stammen und Karamell sowie gelbe Früchte beisteuern. Drittens Oloroso-Sherryfässer aus Jerez, die Rosinen und Würze mitbringen.
Die einzelnen Anteile reifen getrennt, bevor sie zusammengeführt werden. Laut einem Test dauert die Vorreifung etwa zwanzig Monate. Wir werten diese Zahl als Einzelangabe, die der Hersteller nicht bestätigt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Kupfriges Bernstein bis Gold.
- Nase: Süß und würzig, mit Toffee, Vanille, frischer und angerösteter Eiche sowie dunklen Rosinen.
- Gaumen: Leicht bis mittelkräftig im Körper, mit Vanillecreme, Feige, Zimt und einem Hauch Zitrusschale. Mit der Zeit tritt eine trockenere Holzwürze hervor.
- Abgang: Mittellang, fruchtig-süß mit Gewürz und etwas Eiche.
Der Gesamteindruck ist der eines sauber gemachten, süßlich-würzigen Blends. Die Aromen sind verständlich getrennt, die Tiefe bleibt bei 40 % Vol. begrenzt. Wer Jameson gewohnt ist, findet hier mehr Holz und etwas dunklere Frucht, aber keine völlig andere Welt.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tumbler oder Nosing-Glas zeigt der Slane seine Süße am besten, ein Spritzer Wasser hebt die Fruchtseite. Mit viel Eis verflacht er schnell, in einem Highball mit Ginger Ale und einer Limettenspalte macht er dagegen eine gute Figur, weil die Vanille-Würze mit dem Ingwer harmoniert. Ebenso taugt er für einen Irish Coffee oder einen Old Fashioned. Zum Essen passen Karamelldesserts, Apfelkuchen mit Zimt oder ein milder Cheddar.
Einordnung & Alternativen
- Jameson Irish Whiskey: der Maßstab unter den irischen Blends, weicher und weniger holzbetont.
- Jameson Black Barrel: ebenfalls mit Betonung auf Fassarbeit, hier mit stärker ausgebrannten Fässern.
- Tullamore D.E.W. Original: ein Triple-Blend aus Pot Still, Malt und Grain, mit einem anderen Weg zur Weichheit.
Ein weiterer Vergleich ist der Bushmills Original, der leichter und fruchtiger auftritt.
Fazit
Der Slane Irish Whiskey ist ein ordentlicher Einsteiger-Blend mit sichtbarer Fassidee: Toffee, Vanille, Rosine und Eichenwürze fügen sich gefällig zusammen. Für Neugierige, die ihren Irish Whiskey etwas würziger mögen, ist er eine Alternative zu den gängigen Marken. Die offenen Fragen zur Zusammensetzung und die begrenzte Tiefe bei 40 % Vol. halten ihn aber von einer höheren Wertung ab, deshalb 3,5 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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