Scotch Whisky

Speyburn 15 Jahre Whisky

4/5 Redaktionsbewertung
46 % vol.MittelklasseAmerikanische und spanische Eiche (Ex-Bourbon- und Ex-Sherry-Fässer)Rothes, Speyside, Schottland
Scotch WhiskySingle MaltWhisky
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Speyburn 15 Jahre – Was aus dem leichten Rothes-Destillat werden kann

Wer Speyburn bisher mit dem schlanken, apfelfruchtigen Stil der Einstiegsflaschen verbindet, erlebt beim Speyburn 15 Jahre eine andere Seite der Brennerei. Der Malt reift laut Händler- und Herstellerangaben in amerikanischer und spanischer Eiche, also in Bourbon- und Sherryfässern, und wird mit 46 % vol. abgefüllt. Zu den Besonderheiten zählt, dass er nach der Mitteilung zur Markteinführung weder kühlgefiltert noch gefärbt ist. Im Glas steht ein Speysider mit dunkler Schokolade, Rosinen und Orange, der die Leichtigkeit des Hausstils behält, aber deutlich mehr Substanz bietet.

Geschichte: Die Drum Maltings von Rothes

Die Gründungsgeschichte von Speyburn mit Architekt Charles Doig und dem Granty Burn erzählt unser Artikel zum Speyburn 10 Jahre. Hier lohnt ein anderer Blick: Nach der Selbstdarstellung der Brennerei war Speyburn die erste Malt-Whisky-Brennerei, die eine Drum Maltings einbaute, eine rotierende Trommel zum Mälzen von Gerste. Die ursprüngliche Anlage soll das letzte erhaltene Beispiel dieser Art in Schottland sein. Das ist eine Selbstauskunft der Marke und lässt sich anhand der uns vorliegenden Quellen nicht unabhängig prüfen.

Bekannt ist dagegen die Marktgeschichte des 15-Jährigen. Nach einer Meldung des Magazins Chilled kam er ab November 2017 als limitierte Abfüllung in den USA auf den Markt, mit neuem Etikett und neuen Kartons. Neben ihm stehen der 10-Jährige und der Bradan Orach; die Marke gehört zu Inver House Distillers. Auf der Startseite der Marke fanden wir den 15-Jährigen bei der Recherche allerdings nicht in der Kernauswahl, das Angebot kann sich je nach Markt unterscheiden.

Der Speyburn 15 im Speziellen

Der 15-Jährige ist die gehobene Altersstufe der Marke. Er trägt 46 % vol. und liegt damit sechs Punkte über dem 10-Jährigen mit 40 % vol. Beim Alkoholgehalt gibt es allerdings abweichende Händlerangaben für ältere Chargen, deshalb lohnt ein Blick aufs Etikett. Zur Zusammensetzung der Fässer sagt die Marke nur „amerikanische und spanische Eiche“; Händler und Datenbanken übersetzen das mit Ex-Bourbon- und Ex-Sherry-Fässern, ohne dass sich Mengenverhältnisse belegen ließen. Wer wissen möchte, was „uncoloured“ und „non chill-filtered“ auf dem Etikett bedeuten, liest Kühlfiltrierung und Naturfarbe.

Herstellung: Wenn Zeit im Holz die Leichtigkeit trägt

Die Besonderheiten des Destillats, ein leichter, fruchtiger Spirit aus ungetorfter Gerste, haben wir im Artikel zum 10-Jährigen beschrieben. Beim 15-Jährigen steht stattdessen die Reifung im Mittelpunkt. Ein leichtes Destillat kann nach 15 Jahren im Holz mehr Sherry und Eiche aufnehmen, ohne darunter zu verschwinden. Das beschreiben auch mehrere Tester: Der Sherryeinfluss legt sich als Trockenfrucht-Schleier über den Spirit, darunter bleiben Zitrus und Gerste erkennbar.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Bernstein mit goldenen Reflexen.
  • Nase: Dunkle Schokolade, Rosinen und Orangenschale, dazu Vanille und Gewürze; je nach Tester auch Honig, Pfund- oder Fruchtkuchen und eine Spur Tabak.
  • Gaumen: Orange, Toffee und Vanille, dazu Leder und sanfte Würze. Weitere Tester nennen Feige, gekochtes Obst, Honig und Pfeffer. Die Textur gilt als moderat bis sirupartig.
  • Abgang: Lang, warm und süß-cremig mit Gewürz, Trockenfrüchten und einem Hauch Kaffee oder Zitrus.

Genuss-Empfehlung

Mit 46 % vol. verträgt der Speyburn 15 ein paar Tropfen stilles Wasser, die Würze und Honig freilegen, wirkt aber auch pur schon rund. Ein Tulpenglas oder Glencairn bei Zimmertemperatur holt die Schokoladen- und Rosinennoten heraus; Eis würde das Aroma eher einengen. Beim Essen passen dunkle Schokolade, Walnusskuchen, gereifter Gouda oder Pastete mit Feigensenf. Wer ihn einem Kreis von Blended-Trinkern einschenkt, hat laut einem Tester gute Chancen auf Zustimmung, weil die Süße und die Fruchtigkeit leicht zugänglich sind.

Einordnung & Alternativen

Im Vergleich mit anderen 15-Jährigen der Speyside steht der Speyburn eher auf der unaufgeregten Seite.

  • Glenfarclas 15 Jahre – ebenfalls mit 46 % vol. und Sherry, aber deutlich dichter und dunkler.
  • Glenlivet 15 Jahre – setzt auf französische Eiche statt Sherry, mit Apfelkuchen und Gewürznelke als Leitmotiv.
  • Old Pulteney 12 Jahre – Markenschwester im Inver-House-Portfolio, jedoch ein salziger Küstenmalt mit anderem Charakter.

Fazit

Der Speyburn 15 Jahre ist ein gelungener nächster Schritt für alle, die den leichten Hausstil schätzen und mehr Tiefe wollen: Schokolade, Rosinen, Orange und Toffee, abgefüllt ohne Kühlfilterung und Farbzusatz. Er ist nicht so komplex wie die Spitzen der Altersklasse, und einzelne Tester vermissen Eleganz oder finden andere 15-Jährige feiner. Genau darin liegt aber sein Reiz: ein zugänglicher Sherry-Malt ohne Show. Für Fans der Speyside, die über den Einstieg hinaus möchten, vergeben wir 4 von 5 Punkten. Wer zuerst den Hausstil ohne Altersstufen kennenlernen will, findet im Speyburn 10 Jahre den passenden Ausgangspunkt.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche3/5

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