Die Speyburn Distillery liegt in einem versteckten Seitental bei Rothes, mitten in der Speyside. Gegründet wurde sie 1897 von der Handelsfirma John Hopkins & Co., entworfen hat sie der Architekt Charles Doig mit dem für ihn typischen Pagodendach. Heute gehört sie zu Inver House Distillers. Speyburn ist ein Malt für den Alltag: leicht, fruchtig und ungetorft. Zur Handschrift zählt eine alte Technik, denn das Destillat läuft bis heute über Wurmwannen statt über moderne Röhrenkondensatoren.
Überblick
- Name: Speyburn Distillery
- Ort: Rothes, Moray, Schottland
- Gegründet: 1897
- Region: Speyside
- Besitzer: Inver House Distillers (International Beverage Holdings, Thailand)
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, ungetorft, leicht und fruchtig
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1897 | Die Brüder John und Edward Hopkins bauen die Brennerei bei Rothes nach Plänen von Charles Doig; die erste Destillation läuft am 15. Dezember |
| 1916 | Die Distillers Company Limited (DCL) übernimmt Speyburn |
| 1930–1934, ab 1939 | Die Brennerei ist zeitweise geschlossen, zuletzt mit Beginn des Zweiten Weltkriegs |
| 1968 | Die Trommelmälzerei, nach Branchenquellen die erste dieser Art in den Highlands, wird stillgelegt |
| 1991 | Inver House Distillers kauft die Brennerei (nach manchen Angaben erst 1992) |
| 2001/2006 | Inver House geht zunächst an Pacific Spirits, 2006 an International Beverage Holdings |
| 2014 | Ein Ausbau verdoppelt die Kapazität und ergänzt 15 Gärbottiche |
| 2015 | Mit den Arranta Casks erscheint eine limitierte Abfüllung für den US-Markt |
Besonderheiten bei der Herstellung
Wasser und Lage
John Hopkins suchte den Standort wegen des Wassers aus: Der Granty Burn, ein kleiner Zufluss des Spey, entspringt in einem stillen Tal oberhalb von Rothes, und die Brennerei nutzt ihn bis heute. Das Pagodendach mit seinem Lüftungsaufsatz ist ein Erkennungszeichen von Doigs Bauten. Rothes selbst zählt zu den dichtesten Brennerei-Orten der Region, ganz in der Nähe liegt zum Beispiel Glen Grant.
Anlage und Wurmwannen
Die Angaben zur Ausstattung schwanken, deshalb hier nur das Gesicherte. Gemaischt wird in einem Semi-Lauter-Maischebottich von rund sechs Tonnen. Die Gärung findet nach der Erweiterung von 2014 in einer Mischung aus Holz- und Edelstahlbottichen statt. Bei den Brennblasen nennen neuere Quellen drei (eine Wash Still, zwei Spirit Stills), ältere sprechen von zwei. Als gesichert gilt, dass Speyburn die Wurmwannen behalten hat: Der Dampf kondensiert in Kupferspiralen, die in kaltem Wasser liegen. Das macht das Destillat etwas schwerer und kann eine leicht schwefelige Note mitbringen. Die Kapazität liegt je nach Quelle bei mehreren Millionen Litern reinem Alkohol im Jahr. Das Malz ist ungetorft; die eigene Trommelmälzerei ist seit 1968 außer Betrieb.
Fassreifung
Gereift wird vor allem in Ex-Bourbonfässern, hinzu kommen Sherryfässer. Der Bradan Orach stammt nach Händler- und Testerangaben überwiegend aus Bourbonfässern, der 10-Jährige aus einer Mischung aus Bourbon- und Sherryholz. Der 15-Jährige reift nach Markenangaben in amerikanischer und spanischer Eiche. Die Arranta Casks von 2015 kamen ausschließlich aus erstbefüllten, luftgetrockneten Bourbonfässern. Gelagert wird in traditionellen Dunnage-Lagerhäusern.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Speyburn 10 Jahre | 40 % | Zitrus, Apfel und Toffee, weich mit leicht öliger Textur |
| Speyburn 15 Jahre | 46 % | Dunkle Schokolade, Rosinen und Orange; der Sherryeinfluss gibt mehr Tiefe |
| Speyburn Bradan Orach | 40 % | Ohne Altersangabe, grüner Apfel, Honig und Vanille |
| Speyburn Arranta Casks | 46 % (nach Pressemitteilung) | Erstbefüllte Bourbonfässer, kräftiger mit Toffee, Kokos und Gewürz; ursprünglich nur für die USA |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Speyburn 10 Jahre, Speyburn 15 Jahre und Speyburn Bradan Orach.
Stil & Wiedererkennungswert
Speyburn steht für den leichten, frischen Flügel der Speyside: Zitrus, Apfel, Malz und Honig, Rauch spielt praktisch keine Rolle. Die Wurmwannen sorgen für etwas mehr Körper, als man bei dieser Fruchtigkeit erwartet, und genau das unterscheidet den Hausstil von manchem glatteren Einsteiger-Malt. Vergleichbar leicht, aber ohne Wurmwannen-Textur ist Tomintoul. Wer sehen will, wie die Region insgesamt gegenüber Islay abschneidet, findet den Rahmen im Speyside-Islay-Stilvergleich.
Auffällig ist die Rolle der Altersstufen. Der 10-Jährige und der Bradan Orach zeigen das schlanke Destillat unverstellt, der 15-Jährige beweist, dass es auch mehr Holz und Sherry aufnimmt, ohne unterzugehen.
Fazit
Speyburn ist die richtige Brennerei für alle, die einen unkomplizierten Speyside-Malt suchen und handwerkliche Details wie Wurmwannen zu schätzen wissen. Als Einstieg bietet sich der Speyburn 10 Jahre an, weil er den Hausstil am klarsten zeigt. Wer mehr Substanz möchte, greift zum 15-Jährigen mit 46 %. Die Einschränkungen: Bei 40 % bleiben die Einstiegsflaschen schlank und im Abgang kurz, die Komplexität liegt unter den großen Namen der Region. Einzelne Abfüllungen wie die Arranta Casks waren zudem auf bestimmte Märkte begrenzt, das Angebot unterscheidet sich je nach Land.

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