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Tamdhu Distillery – Speyside

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Tamdhu-Brennereigelände am Speyside Way.
Tamdhu-Brennereigelände am Speyside Way. Aufnahme: 2017.
Foto: Julian Paren, Tamdhu Distillery and the Speyside Way - geograph.org.uk - 5543124.jpg, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0. Für Gin-Time zugeschnitten beziehungsweise mit neutralem Rand in das Zielformat gesetzt, in der Größe angepasst und als WebP optimiert.

Tamdhu steht in Knockando im Herzen der Speyside und ist eine Brennerei mit langer Blend-Vergangenheit und klarem Neustart. Gebaut wurde sie Ende des 19. Jahrhunderts von einem Zusammenschluss von Blendern, danach lieferte sie über Jahrzehnte vor allem Destillat für Blends, wurde zeitweise stillgelegt und 2010 von ihrem damaligen Eigentümer vorübergehend geschlossen. Seit dem Verkauf an Ian Macleod Distillers und der Wiederaufnahme der Produktion 2013 setzt Tamdhu auf eine eng gefasste Linie: reife ausschließlich in Sherryfässern, kombiniert mit einer Saladin-Mälzerei, die als Besonderheit gilt. Dieses Porträt fasst Geschichte, Herstellung und Sortiment zusammen.


Überblick

  • Name: Tamdhu Distillery
  • Ort: Knockando, Moray, Schottland (am River Spey)
  • Gegründet: 1896/97 (gebaut 1896, erster Brand 1897)
  • Region: Speyside
  • Besitzer: Ian Macleod Distillers (unabhängiges Familienunternehmen, seit 2011)
  • Typ: Single Malt Scotch Whisky, reine Sherryfassreifung

Historische Entwicklung

Jahr Ereignis
1896/97 Ein Konsortium von Blendern lässt die Brennerei bei Knockando bauen; der erste Brand folgt 1897
um 1899 Die Brennerei geht in den Besitz von Highland Distillers über, zu denen sie über ein Jahrhundert gehört
1920er–1940er Stilllegung von Ende der 1920er-Jahre bis Ende der 1940er-Jahre (je nach Quelle 1927 oder 1928 bis 1947 oder 1948)
1972–1975 Die Kapazität wird laut Wikipedia in diesen Jahren deutlich ausgebaut
1999 Highland Distillers gehen in der Edrington Group auf
2010 Edrington legt die Brennerei still (je nach Quelle schon 2009)
2011 Ian Macleod Distillers kauft Tamdhu
2013 Die Produktion läuft im Mai wieder an
Heute Tamdhu arbeitet mit einer Kapazität von rund 4 Millionen Litern reinen Alkohols pro Jahr und füllt ausschließlich Sherryfass-Whisky ab

Besonderheiten bei der Herstellung

Saladin-Mälzerei

Tamdhu mälzt seine Gerste nach Quellenangaben noch selbst mit mechanischen Saladin-Boxen; die Anlage stammt aus der Zeit nach der Bodenmälzung und gilt als eine der letzten dieser Art in Schottland. Auch das Fehlen des sonst typischen Pagodendachs über den Darren gehört zu den äußerlichen Eigenheiten.

Anlage

Das Wasser stammt nach Herstellerangaben aus einer eigenen Quelle. Zur Ausstattung zählen ein Maischebottich nach dem Semi-Lauter-Prinzip, neun hölzerne Gärbottiche (laut Händlerangaben aus Oregon Pine) und sechs Kupferbrennblasen, je drei Wash und drei Spirit Stills. Wie diese Blasen genau geformt sind, nennen die Quellen nicht einheitlich.

Fassreifung

Seit den 1990er-Jahren wird nach Angaben von Händlern und Fachseiten nur noch in Sherryfässer gefüllt, der Hersteller betont einen hohen Anteil an First-Fill-Fässern. Der 12-Jährige reift in einer Mischung aus First-Fill- und Refill-Fässern aus amerikanischer und europäischer Eiche, die zuvor Oloroso enthielten. Eigene Küfer kontrollieren die aus Spanien angelieferten Fässer vor Ort.


Produkte & Charakter

Produkt Alkoholvolumen Charakteristik
Tamdhu 12 Jahre 43 % Zimt, Trockenfrüchte und Banane aus Oloroso-Fässern; der Kern der Reihe
Tamdhu 15 Jahre 46 % Dichte Frucht mit Orangenschale, Ananas, Fenchel und Gewürz; ausschließlich Oloroso-Fässer
Tamdhu 18 Jahre 46,8 % Ältere Abfüllung der Kernreihe mit der für Tamdhu typischen Sherryfass-Prägung
Tamdhu Batch Strength variabel (ca. 57–60 %) Fassstark in wechselnden Chargen, intensive Oloroso-Prägung
Tamdhu Cigar Malt 53,8 % Fassstärkere Sherry-Abfüllung mit kräftiger Oloroso-Note

Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Tamdhu 12 Jahre.


Stil & Wiedererkennungswert

Tamdhu kombiniert zwei Dinge, die selten zusammenkommen: ein eigenes Mälzereiverfahren und eine radikal einseitige Fasspolitik. Wo andere Brennereien Bourbon-, Sherry- und Weinfässer mischen, kommt hier ausschließlich Sherryholz zum Einsatz. Der Hausstil ist daher dunkel-fruchtig und würzig, mit Zimt, Trockenfrucht und Orange.

Dazu kommt die Geschichte als langjähriger Zulieferer für große Blends. Erst seit dem Neustart unter Ian Macleod tritt Tamdhu als eigenständige Single-Malt-Marke auf, was sich in der straffen Reihe aus wenigen Altersstufen und Batch-Abfüllungen widerspiegelt.


Fazit

Tamdhu ist eine Brennerei für alle, die reinen Sherry-Speyside mögen, ohne Umwege über Bourbonfass-Anteile. Die wechselvolle Geschichte mit Stilllegungen und Eigentümerwechseln erklärt, warum die Marke erst relativ spät sichtbar geworden ist. Wer zwischen Mälzereihandwerk und konsequentem Sherry-Profil einen eigenständigen Speysider sucht, sollte Tamdhu auf der Liste haben, am besten mit dem 12-Jährigen als Einstieg und dem Batch Strength als intensiver Fortsetzung.