Tamdhu 18 Jahre – Achtzehn Jahre Oloroso, ohne Filter und Farbzusatz
Der Tamdhu 18 Jahre ist in unserer Tamdhu-Reihe die älteste Altersabfüllung und zugleich die dunkelste: Er reift laut Hersteller ausschließlich in Ex-Oloroso-Sherryfässern, in einer Mischung aus amerikanischer und europäischer Eiche, wobei die europäische überwiegt. Abgefüllt wird er mit 46,8 % vol., ohne Kühlfiltration und ohne Zusatzfarbstoff. Von den jüngeren Altersstufen unterscheidet er sich laut Verkostungsnotizen vor allem durch Tiefe: mehr Nuss, Schokolade und gewürzte Eiche statt Gebäck und Zitrus.
Geschichte: Schließungen, Wiederaufbau und der Weg zur Marke
Die Geschichte von Tamdhu ist im 20. Jahrhundert eine Abfolge von Unterbrechungen. Gebaut wurde die Brennerei 1896/97 am River Spey bei Knockando. Schon 1911 stand der Betrieb laut Whiskypedia für etwa zwei Jahre still; ab 1927 oder 1928 ruhte er nach den meisten Angaben rund zwei Jahrzehnte lang, bis die Produktion 1947/48 wieder anlief. Beim Neubau von 1950 ersetzten mechanische Saladin-Boxen die klassischen Mälzböden. Danach wuchs der Betrieb: 1972 verdoppelte sich die Zahl der Brennblasen von zwei auf vier, 1975 kamen zwei weitere hinzu, sodass die Anlage heute sechs Blasen zählt.
Der Whisky ging in dieser Zeit vor allem in Blends: Tamdhu war die „spirituelle Heimat“ des Dunhill-Blends und trug erheblich zu The Famous Grouse und Cutty Sark bei. In den 1990er-Jahren wurde das Destillat laut Whiskypedia nur noch in Sherryfässer des Eigentümers gefüllt – die Grundlage der heutigen Markenidentität. 1999 übernahm Edrington die Kontrolle über Highland Distillers und legte Tamdhu 2009/2010 still. 2011 übernahm Ian Macleod Distillers die Brennerei, 2013 erschien der erste offizielle Zehnjährige unter dem neuen Eigentümer. Das Porträt Tamdhu Distillery – Speyside fasst die Eckdaten zusammen.
Der Tamdhu 18 Jahre im Speziellen
Der Achtzehnjährige wurde im Frühjahr 2022 vorgestellt, mit allgemeinem Verkauf ab dem 2. April. Die Brennerei betont die vollständige Reifung in Oloroso-Fässern aus Spanien über die gesamte Zeit; als Stärke gibt sie 46,8 % vol. an. Rezensenten beschreiben die Abfüllung als in begrenzten kleinen Chargen erscheinend, wobei Fässer der ersten Füllung und Refill-Fässer gemischt werden. Die Chargen können sich leicht unterscheiden, was bei einem naturbelassenen Malt dieser Art normal ist.
Im Sortiment steht der Achtzehnjährige über dem Tamdhu 15 Jahre und markiert die obere Grenze der regulären Altersreihe. Preislich gehört er zur Premium-Klasse. Wer ihn mit der unverdünnten Variante vergleichen will, findet den Tamdhu Batch Strength eine Etage tiefer im Preis, aber ohne Altersangabe und mit deutlich mehr Alkohol.
Herstellung: Zwiebelförmige Blasen und Vollreifung
Die Produktionsangaben stammen aus Nachschlagewerken und sind mit Vorsicht zu lesen. Danach wird in einem Semi-Lauter-Maischebottich gemaischt, die Brennerei arbeitet mit sechs zwiebelförmigen Kupferbrennblasen, einer Wash-Still-Füllung von etwa 10.000 Litern und einer Spirit-Still-Füllung von rund 14.000 Litern; kondensiert wird in Röhrenkühlern, beheizt wird mit Dampf. Das Destillat läuft mit etwa 71 % vol. ab und wird bei knapp 70 % vol. in die Fässer gefüllt. Gelagert wird in Dunnage- und Regallagerhäusern.
Entscheidend für den Achtzehnjährigen ist weniger die Anlage als die Zeit: Die Fässer stammen aus Spanien und wurden dort mit Oloroso vorbereitet. Über achtzehn Jahre nimmt das Destillat naturgemäß mehr Holz auf als in einem Zwölfjährigen – in den Notizen zeigen sich Eichentannine, Nussigkeit und eine dunklere, trockenere Süße. Die Mischung aus First-Fill- und Refill-Fässern sorgt nach Herstellerlogik dafür, dass die Eiche nicht alles übertönt; belegen können wir das nicht.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes, gebranntes Bernstein, naturfarben.
- Nase: Süß und nussig mit klassischem Sherrycharakter: Toffee, dunkle Schokolade, Walnuss und Mandel, brandygetränkte Pflaumen, getrocknete Tropenfrüchte und Backgewürze; dazu je nach Beschreibung Orangen- und Zitronenzeste, Kirsche und Rumrosinen.
- Gaumen: Cremiger Karamell und Toffee, Rosinen und Korinthen, dunkle Schokolade, Haselnuss und Walnuss, dazu Zimt, Ingwer und Vanillepudding; knackiger roter Apfel sowie getrocknete Kirsche und Pflaume sorgen für Frische. Die Eichentannine sind spürbar, aber nicht rau.
- Abgang: Sehr lang. Zuerst Süße, dann trocknende Eichengerbstoffe und anhaltende Wärme mit Gewürz, am Ende ein Hauch getrocknete Tropenfrucht; in anderen Beschreibungen Aprikose, Datteln und gekochter Apfel.
Genuss-Empfehlung
Der Tamdhu 18 verdient Ruhe: pur im Nosing-Glas, bei Zimmertemperatur und mit etwas Geduld, damit sich die Sherrynoten entfalten. Wasser ist bei 46,8 % vol. nicht nötig; wer die Eichentannine lieber gezähmt hat, kann einen einzelnen Tropfen verwenden. Eis ist aus unserer Sicht keine gute Idee, es dämpft die Nussigkeit und die Süße. Kulinarisch passen Schwarzwälder-Kirsch-Torte oder dunkle Schokolade mit Kirsche, die die Noten von Kirsche und Schokolade spiegeln, gerösteter Walnusskuchen oder ein gereifter Hartkäse mit Nussnote. Als Digestif nach einem Wildgericht mit Preiselbeeren ergänzt er das herbe Fruchtaroma gut.
Fazit
Der Tamdhu 18 Jahre ist ein Malt für Sherryfreunde, die Reife, Nuss und Schokolade schätzen und dafür eine gehobene Preisklasse akzeptieren. Er ist konsequent unverändert abgefüllt und zeigt, wie sich die Tamdhu-Linie mit Alter verdunkelt. Wer das Einstiegsniveau sucht, startet beim Tamdhu 12 Jahre; die fruchtigere Zwischenstufe ist der Tamdhu 15 Jahre. Für Vergleiche mit anderen Sherry-Speysidern bietet sich der Aberlour 18 Jahre an. Ein Rezensent nannte ihn schlicht „einen großartigen Whisky“; nach Sichtung der Notizen können wir das nachvollziehen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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