Tamdhu Batch Strength – Sherry-Speyside ohne Verdünnung, Charge für Charge
Der Tamdhu Batch Strength ist die unverdünnte Variante des Hauses: Er trägt keine Altersangabe, reift ausschließlich in Oloroso-Sherryfässern und wird in einzelnen Chargen mit hoher Trinkstärke abgefüllt – nicht kühlgefiltert und nach Herstellerangaben mit einer Farbe, die allein vom Fass stammt. Weil jede Charge aus einer anderen Fassauswahl entsteht, schwankt die Stärke von Edition zu Edition; bei den bekannten Chargen liegt sie zwischen rund 55 und 59 % vol. Wer wissen will, wie Tamdhu direkt aus dem Sherryfass schmeckt, ist hier richtig.
Geschichte: Wiedergeburt unter Ian Macleod
Die Geschichte dieser Abfüllung beginnt mit einer Schließung. Im April 2010 kündigte die Edrington Group an, Tamdhu stillzulegen; im Juni 2011 kaufte Ian Macleod Distillers, ein unabhängiges Familienunternehmen, die Brennerei. Nach Modernisierung, neuen Gärbottichen und neuen Lagerhäusern lief die Produktion 2012/2013 wieder an; die erste offizielle Abfüllung unter dem neuen Eigentümer war 2013 ein Zehnjähriger. Als zweite dauerhafte Abfüllung seit der Übernahme kündigte Ian Macleod im März 2015 den Batch Strength an. Der Marketingdirektor beschrieb ihn als das, was einer Probe direkt aus dem Tamdhu-Fass am nächsten komme, gedacht für Puristen.
Der Start gelang: Die erste Charge mit 58,8 % vol. wurde von Whisky Advocate im selben Jahr zum Speyside Single Malt des Jahres gewählt. Seitdem erscheint die Reihe in nummerierten Chargen; im August 2023 stellte die Brennerei die achte Edition vor. 2017 setzte Ian Macleod mit einem 50-jährigen Single Cask zum 120. Gründungsjubiläum ein Zeichen für die Ambitionen des Hauses. Mehr zu Standort und Hausstil steht im Porträt Tamdhu Distillery – Speyside.
Der Tamdhu Batch Strength im Speziellen
Der Batch Strength steht im Sortiment neben den Altersstufen: Der Tamdhu 12 Jahre ist der zugängliche Einstieg bei 43 % vol., der Tamdhu 15 Jahre und der Tamdhu 18 Jahre bieten mehr Reife bei 46 beziehungsweise 46,8 % vol. Die Batch-Strength-Reihe ist der jüngere, kräftigere Gegenpol dazu. Sie wird ohne Altersangabe vermarktet; für die achte Charge nannte der Hersteller ausdrücklich handverlesene Oloroso-Fässer aus Jerez.
Die Stärke variiert: Charge 1 (2015) kam auf 58,8 % vol., Charge 4 auf 57,8 % vol., Charge 8 (2023) auf 55,8 % vol. Als typischer Wert lassen sich rund 56 % vol. ansetzen; verbindlich ist immer die Angabe auf dem Etikett der jeweiligen Charge. Auch im Geschmack unterscheiden sich die Editionen: Ein Rezensent fand Charge 4 jünger und spirituoser als frühere Chargen und vergab 83 Punkte, während die erste Charge ausgezeichnet wurde. Preislich liegt der Batch Strength in der gehobenen Mittelklasse und damit über dem Zwölfjährigen.
Herstellung: Warum Oloroso, warum ohne Verdünnung
Oloroso ist ein oxidativ ausgebauter Sherry: Anders als bei Fino oder Manzanilla bildet sich keine schützende Hefeschicht, der Wein reift im Kontakt mit Sauerstoff und wird dunkel, nussig und würzig. Tamdhu bezieht seine Fässer, die in Jerez mit Oloroso vorbereitet werden, aus amerikanischer und europäischer Eiche. Die Fässer für jede Charge werden laut Hersteller von Hand ausgewählt. Für den Batch Strength bedeutet das: Die Fässer werden nicht auf ein einheitliches Aromenbild nivelliert, sondern ergeben Jahr für Jahr leicht andere Chargen.
Dass der Whisky nicht auf Trinkstärke verdünnt wird, hat Folgen für die Nutzung: Die offiziellen Notizen rechnen mit einem Schuss Wasser, das Biskuit, Eichengewürz und kandierte Orange öffnet. Die Farbe bezeichnet die Brennerei als natürliches, tiefes Kupfer. Für die neueren Editionen betont der Hersteller, die Farbe stamme allein vom Fass.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes, natürliches Kupfer.
- Nase: Gewürzte Eiche und Vanille, frisch geknackte Nüsse, dazu je nach Charge Honig, rote Beeren, Karamell, Zimt und Rosinen.
- Gaumen: Sommerbeeren mit Sahne, cremige Vanille und Toffee-Apfel; mit einem Schuss Wasser kommen Biskuit, Eichengewürz und kandierte Orangenschale nach vorn, dazu Muskat und Fruchtkuchen.
- Abgang: Anhaltende Würze, dann Sultaninen, Zitruszeste und brauner Zucker; je nach Charge Feigen und gewürzter Orangentee.
Genuss-Empfehlung
Der Batch Strength braucht Wasser, aber nur wenig: Mit einer Pipette oder einem Teelöffel stillem Wasser lässt sich die Stärke so weit zähmen, dass Beeren und Orangenschale hervortreten, ohne dass der Sherry-Körper dünn wird. Ein Nosing-Glas bei Zimmertemperatur ist ideal; Eis bremst die Aromen aus und verwässert zu schnell. Als Begleiter passen dunkle Schokolade mit Orange, geröstete Walnüsse, Fruchtkuchen oder Crème brûlée, das im Gaumen mitschwingt, sowie ein kräftiger, gereifter Blauschimmelkäse. Die Intensität der Speisen hält der Stärke stand und fängt die Süße auf.
Fazit
Der Tamdhu Batch Strength ist die ehrlichste Form des Tamdhu-Stils: Sherry, Eiche, Frucht und Gewürz ohne Verdünnung, in kleinen Chargen und mit der Streuung, die dazugehört. Für Einsteiger in die Sherry-Speyside ist der Tamdhu 12 Jahre der sanftere Weg; wer mehr Reife möchte, greift zum Tamdhu 15 Jahre oder zum Tamdhu 18 Jahre. Als weitere Sherry-Speyside in Fassstärke bietet sich der Vergleich mit dem Aberlour A'bunadh an. Der Batch Strength empfiehlt sich für alle, die Intensität schätzen und bereit sind, mit Wasser zu experimentieren – und er ist ein guter Anlass, Chargen miteinander zu vergleichen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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