Torabhaig Allt Gleann – Junger Torfrauch von der Sleat-Halbinsel
Der Torabhaig Allt Gleann Legacy Series Chapter 2 ist die zweite Abfüllung einer Brennerei, die erst seit wenigen Jahren Whisky brennt, aber schon einen eigenen Ton gefunden hat: viel Rauch, viel Salz, dazu eine süße Bourbon-Grundierung. Er stammt aus dem Süden der Isle of Skye und wird mit 46 % vol. abgefüllt, ohne Altersangabe.
Wer bei Skye sofort an Talisker denkt, bekommt hier eine zweite Antwort der Insel. Sie fällt deutlich rauchiger und jünger aus, dafür weniger pfeffrig-rund als der etablierte Nachbar.
Geschichte: Die zweite Brennerei auf Skye
Torabhaig liegt bei Teangue auf der Halbinsel Sleat, in einem umgebauten Gehöft am Meer. Den Standort ausgesucht hatte nach Angaben aus Fachquellen der Bankier Sir Iain Noble, der das Projekt jedoch nicht mehr erlebte. Verwirklicht wurde es von Mossburn Distillers, einer Tochter von Marussia Beverages. Gebaut wurde ab 2014, den Brennbetrieb nahm man nach den meisten Quellen im Januar 2017 auf. Torabhaig gilt damit als zweite lizenzierte Brennerei der Insel nach Talisker, die 1830 entstand.
Bis zur ersten Flasche dauerte es: Der Erstling „Legacy Series 2017" kam nach Quellenlage im Februar 2021 auf den Markt. Der Allt Gleann folgte im Sommer 2021 als zweites Kapitel. Sein Name stammt von einem der Bäche, die das Brauwasser der Brennerei liefern. Einen Überblick über die Inselbrennereien liefert unser Beitrag zu den schottischen Inseln.
Der Allt Gleann im Speziellen
Offiziell heißt die Flasche „Legacy Series Ch.2: Allt Gleann". Sie ist ein Single Malt ohne Altersangabe, abgefüllt aus einer kleinen Charge von höchstens 30 Fässern. Das Destillat stammt aus den Jahren 2017 und 2018, die Reifung fand in First-Fill-Ex-Bourbon-Fässern und Refill-Fässern statt. Rechnerisch ist der Whisky also nur wenige Jahre alt.
Mit 46 % vol. liegt er über dem Standard von 40 %. Laut Hersteller ist er weder gefärbt noch kühlgefiltert, mehr dazu im Beitrag zur Kühlfiltrierung und Naturfarbe. Es handelt sich um eine frühe Abfüllung; spätere Chargen und Folgeabfüllungen der Brennerei können anders ausfallen.
Herstellung: Kräftiger Torf, kleine Brennblasen
Das Malz ist stark getorft: Mehrere Quellen nennen 77 ppm und mehr Phenole im Gerstenmalz. Nach der Destillation bleiben davon im Spirit rund 23 ppm übrig, wie unser Beitrag zu ppm bei getorftem Whisky erklärt. Die Brennerei selbst spricht lieber von „well-tempered peat", also von gezähmtem Torf. Das passt zu dem, was im Glas ankommt: Der Rauch ist präsent, aber nicht erdrückend.
Gebrannt wird in zwei kupfernen Brennblasen, nach Angaben eines Branchenportals fasst die Wash Still etwa 8.000 und die Spirit Still etwa 5.000 Liter. Vergoren wird in hölzernen Waschbottichen. Die Fassmischung aus First-Fill-Bourbon und Refill-Holz hält die Eiche dezent und lässt dem Destillat den Vortritt, mehr zum Prinzip steht in der Übersicht zur Fassreifung.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles, klares Goldgelb mit leichtem Bernsteinschimmer.
- Nase: Rauch von einem Strandfeuer, Meersalz und Heidekraut, darunter Vanille, geröstete Eiche und ein Hauch Zitronengebäck.
- Gaumen: Teerig-salziger Rauch, schwarzer Pfeffer und Zimt, dazu Vanillefudge und reife Birne in der Mitte.
- Abgang: Lang und leicht trocknend, mit Holzkohle, Salz und einer Spur Zitrusschale.
Insgesamt wirkt der Whisky kompakt und ehrlich. Die Süße kommt aus dem Bourbonfass, das Holz bleibt im Hintergrund, und über allem liegt ein klarer, maritimer Torfrauch. Ein wenig jugendliche Schärfe ist spürbar, was bei diesem Alter nicht überrascht und mit einem Schuss Wasser gut abgefedert wird.
Genuss-Empfehlung
Am besten gelingt der Einstieg pur im Tulpenglas, danach ein paar Tropfen stilles Wasser: Das öffnet Vanille und Frucht und nimmt dem Gaumen die Kante. Eis ist nicht nötig, ein einzelner großer Würfel funktioniert aber an warmen Abenden.
Zu Tisch passen Räucherfisch, gegrillte Jakobsmuscheln oder ein kräftiger Blauschimmelkäse, bei denen Salz und Rauch auf Verwandtes treffen. Wer es süßer mag, probiert dunkle Schokolade mit Meersalz. Auch als Basis für einen rauchigen Highball mit Soda und Zitronenzeste taugt der Allt Gleann, weil sein Torf auch verdünnt noch trägt.
Einordnung & Alternativen
- Talisker 10 Jahre: der klassische Skye-Malt mit mittlerem Torf, Pfeffer und mehr Reife, ein direkter Vergleich zum jungen Nachbarn.
- Ardnamurchan AD: ebenfalls ein junger Malt einer neuen Westküstenbrennerei, mit Sherry-Anteil und weniger Rauch.
- Scapa Skiren: ein weicher Inselmalt ohne Torf, der zeigt, wie unterschiedlich „Island" schmecken kann.
Fazit
Der Torabhaig Allt Gleann ist ein charaktervoller, junger Rauchmalt für alle, die Skye einmal weniger gezähmt erleben wollen und Torf mögen, ohne gleich zu den Extremen von Islay greifen zu müssen. Ungefärbt, nicht kühlgefiltert und mit 46 % vol. abgefüllt, bietet er viel Substanz. Abzüge gibt es für die spürbare Jugend und die begrenzte Komplexität, die nur Zeit im Fass beheben kann. Deshalb 4 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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