Powers John's Lane Release – benannt nach der historischen Brennerei in Dublin
Powers zählt neben Jameson zu den traditionsreichsten irischen Whiskey-Marken und wurde ursprünglich in der John's-Lane-Distillerie in Dublin gebrannt, die der 12-Jährigen Sonderabfüllung ihren Namen gibt. Wie Redbreast folgt auch Powers dem klassischen Single-Pot-Still-Verfahren mit einer Mischung aus gemälzter und ungemälzter Gerste.
Geschichte: Von einem Dubliner Gasthaus zum Pernod-Ricard-Portfolio
Die Ursprünge der Marke reichen bis 1791 zurück, als der Dubliner Gastwirt James Power in seinem Gasthaus in der Thomas Street eine kleine Destillerie einrichtete. Der Betrieb firmierte zunächst als "James Power and Son", bevor er 1822 als "John Power & Son" an den heute noch namensgebenden Standort in der John's Lane umzog. Nach der Reform der irischen Destilliergesetze im Jahr 1823 wuchs die John's-Lane-Distillerie rasant: In den 1880er-Jahren erstreckte sich das Gelände über mehr als sechs Hektar, beschäftigte rund 300 Mitarbeiter und produzierte jährlich etwa 900.000 Gallonen Whiskey. 1886 war Powers zudem die erste Dubliner Destillerie, die ihren Whiskey selbst in Flaschen abfüllte, statt ihn wie üblich unabgefüllt an Händler zu verkaufen – ein früher Schritt zur Kontrolle über die eigene Markenqualität. 1966 fusionierte John Power & Son mit mehreren konkurrierenden irischen Destillerien zur Irish Distillers Group, die seit 1988 zum französischen Konzern Pernod Ricard gehört. Nach der Zusammenlegung der Produktion in der neuen Midleton Distillery im Jahr 1976 wurde Powers zunächst überwiegend als Blend weitergeführt, bevor die Marke mit Abfüllungen wie dem John's Lane Release in den vergangenen Jahren bewusst zu ihren Single-Pot-Still-Wurzeln zurückkehrte.
Gründung, Besitzer und Hausstil der Brennerei beschreibt das Porträt Midleton Distillery – Irland.
Der Powers John's Lane Release im Speziellen
Der John's Lane Release reift mindestens 12 Jahre in einer Kombination aus Ex-Bourbon- und First-Fill-Sherryfässern und wird mit 46 % vol. abgefüllt – deutlich kräftiger als viele klassische irische Blends. 2012 kürte der einflussreiche Whisky-Kritiker Jim Murray die Abfüllung zum "Irish Whiskey of the Year", was ihren Ruf als eine der intensivsten und würzigsten Pot-Still-Abfüllungen der Marke maßgeblich festigte. Im Vergleich zu den bekannteren Standardabfüllungen von Powers positioniert sich der John's Lane Release klar als Premium-Ausdruck, der die historische Rezeptur der Marke in konzentrierter, deutlich komplexerer Form zeigt.
Herstellung: Gemälzte und ungemälzte Gerste im Pot Still
Charakteristisch für den irischen Single-Pot-Still-Stil, dem auch Powers folgt, ist die Verwendung einer Mischung aus gemälzter und ungemälzter Gerste in derselben Maische – ein Verfahren, das historisch auch der damaligen Malzsteuer geschuldet war, heute aber vor allem wegen des dadurch entstehenden würzigen, öligen Charakters geschätzt wird. Die anschließende doppelte oder dreifache Destillation in klassischen Kupfer-Pot-Stills sorgt für ein kräftiges, aber zugleich klares Destillat, das durch die anschließende Reifung in einer Kombination aus Ex-Bourbon- und Sherryfässern zusätzliche Frucht- und Gewürztiefe gewinnt.
Die Rückbesinnung auf den Single-Pot-Still-Stil ist für Powers zugleich eine Rückbesinnung auf die eigene Geschichte: Bevor die irische Whiskey-Industrie im 20. Jahrhundert stark schrumpfte und viele Marken auf leichtere Blends umstellten, war gerade dieser würzige, ölige Pot-Still-Charakter das prägende Merkmal des irischen Whiskeys überhaupt. Mit Abfüllungen wie dem John's Lane Release positioniert sich Powers heute bewusst als Bewahrer dieser fast verloren gegangenen Stilrichtung, die in den vergangenen Jahren gemeinsam mit Marken wie Redbreast und Green Spot ein bemerkenswertes internationales Comeback erlebt hat.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Kupfer-Gold.
- Nase: Reife Birnen, Sherry-Süße und eine deutliche Gewürznote, dazu ein Hauch geröstete Getreidewürze und Orangenzeste.
- Gaumen: Kraftvoll und würzig – Zimt, Karamell und eine spürbare Getreideschärfe, unterlegt von dunklen Trockenfrüchten aus dem Sherryfass.
- Abgang: Lang, warm und würzig, mit nachklingender Eichenwürze und einem leicht öligen, wärmenden Abschluss.
Genuss-Empfehlung
Der John's Lane Release entfaltet seine Würze am besten pur bei Zimmertemperatur in einem tulpenförmigen Nosing-Glas. Ein einzelner Tropfen Wasser kann die Sherry-Süße zusätzlich öffnen, ohne die kräftige Getreidewürze zu verdecken. Kulinarisch passt der Whiskey hervorragend zu Lebkuchen, reifem Cheddar oder dunkler Schokolade – Speisen, die der intensiven Gewürz- und Eichennote standhalten und die fruchtige Sherry-Süße ergänzen.
Einordnung & Alternativen
- Green Spot Single Pot Still Whiskey – frischer und leichter, mit weniger Sherry-Dominanz als der John's Lane Release.
- Midleton Very Rare – die noch exklusivere, deutlich teurere Spitze des Midleton-Portfolios für besondere Anlässe.
- Teeling Small Batch Irish Whiskey – spürbar günstiger und milder, ein unkomplizierterer Einstieg jenseits des Pot-Still-Stils.
Fazit
Der Powers John's Lane Release zeigt den irischen Pot-Still-Stil in seiner intensivsten, würzigsten Form. Ein spannender Kontrast zu den milderen Standard-Iren – am besten pur genossen. Als Premium-Abfüllung liegt er preislich deutlich über gängigen Blends, bietet dafür aber auch die entsprechend höhere Komplexität. Wer den Single-Pot-Still-Stil noch tiefer erkunden möchte, findet mit dem aus derselben Whiskey-Tradition stammenden Redbreast 12 Jahre einen weiteren hervorragenden Vertreter dieses spezifisch irischen Herstellungsverfahrens, während der John's Lane Release durch seine kräftigere Abfüllstärke und Sherry-Betonung eine besonders würzige, konzentrierte Interpretation dieses Stils bietet.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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