Die Yamazaki Distillery in Shimamoto, im Grenzgebiet zwischen Osaka und Kyoto, gilt als Geburtsstätte des japanischen Whiskys. Hier ließ der Unternehmer Shinjiro Torii, Gründer des heutigen Suntory-Konzerns, ab 1923 die erste kommerzielle Malt-Destillerie des Landes bauen, und Masataka Taketsuru, der sein Handwerk in Schottland gelernt hatte, leitete den Aufbau. Das Besondere an Yamazaki ist weniger ein einzelnes Merkmal als die Vielfalt unter einem Dach: Brennblasen in verschiedenen Formen und Größen, unterschiedliche Gärbehälter und eine breite Palette von Fässern bis hin zur japanischen Mizunara-Eiche erlauben es, aus einer einzigen Brennerei viele Destillatstile zu gewinnen.
Überblick
- Name: Yamazaki Distillery (Suntory Yamazaki Distillery)
- Ort: Shimamoto, Mishima-gun, Präfektur Osaka, Japan – am Fuß des Berges Tennōzan, südwestlich von Kyoto
- Gegründet: 1923 (Baubeginn), erste Destillation 1924
- Präfektur: Osaka
- Besitzer: Suntory
- Typ: Single Malt Whisky (Malt-Destillerie), Stil: weich, fruchtig, mit Mizunara-Würze
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1923 | Shinjiro Torii beginnt mit dem Bau der Destillerie als erster kommerzieller Malt-Whisky-Brennerei Japans |
| 1924 | Der Brennbetrieb startet; Masataka Taketsuru gilt als erster Leiter (je nach Quelle bereits ab 1923 engagiert) |
| 1929 | Der erste in Yamazaki hergestellte Whisky kommt auf den Markt (Shirofuda, „White Label“) |
| 1934 | Taketsuru verlässt Torii und gründet mit Nikka sein eigenes Whiskyhaus |
| 1984 | Yamazaki wird als eigenständige Single-Malt-Marke eingeführt |
| Heute | Gehört zu Suntory; 12 Brennblasen, Whisky-Museum mit Bibliothek und Führungen nach Anmeldung |
Besonderheiten bei der Herstellung
Wasser und Klima
Yamazaki liegt dort, wo Katsura, Uji und Kizu zusammenfließen – ein feuchtes, nebelreiches Klima, das Torii bei der Standortwahl überzeugt haben soll. Als Brauwasser dient weiches Grundwasser, das nach Herstellerangaben dem Rikyu no Mizu zugerechnet wird, benannt nach dem Teemeister Sen no Rikyu, der hier der Überlieferung nach sein Teehaus baute.
Brennblasen und Gärung
Nach Wikipedia und Branchenquellen stehen in Yamazaki sechs Wash Stills und sechs Spirit Stills, bewusst in verschiedenen Formen und Größen gebaut. Je nach Quelle kommen direkte und indirekte Beheizung sowie unterschiedliche Kondensatoren zum Einsatz. Gegoren wird sowohl in hölzernen als auch in Edelstahl-Bottichen. Dieses Prinzip der „Vielfalt aus einem Haus“ trägt bei Suntory den Namen Tsukuriwake.
Fassvielfalt und Mizunara
Gereift wird in Ex-Bourbon-Fässern aus amerikanischer Weißeiche, in Sherryfässern und in Mizunara-Fässern aus japanischer Eiche. Dem Holz werden Sandelholz-, Weihrauch- und Kokosnoten nachgesagt. Mizunara kam dem Spirits Educator zufolge im Zweiten Weltkrieg verstärkt zum Einsatz, als spanische Sherryfässer knapp wurden.
Whisky-Museum
Auf dem Gelände zeigt das Yamazaki Whisky Museum Produktpalette, Brennblasen und Geschichte; dazu gehört eine Whisky Library mit rund 7.000 Flaschen. Besichtigungen sind nur nach Reservierung möglich.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Yamazaki Distiller's Reserve | 43 % | Frische Beeren, weicher und lebhafter Gaumen – der jüngere Einstieg |
| Yamazaki 12 Jahre | 43 % | Reife Frucht, Honig, Sandelholz und Weihrauch aus dem Mizunara-Holz |
| Yamazaki 18 Jahre | 43 % | Dunkle Früchte, bittere Schokolade, deutlich spürbarer Sherry-Einfluss |
| Yamazaki 25 Jahre | 43 % | Marmelade, Orangenschale, Kakao, sehr langer Abgang |
| Yamazaki Sherry Cask | je nach Edition | Limitierte Abfüllung mit Fokus auf Sherryfass-Reifung |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Yamazaki 12 Jahre und Yamazaki 18 Jahre.
Stil & Wiedererkennungswert
Yamazaki steht für einen weichen, fruchtigen und würzigen Stil: reife Früchte, Honig und eine Holznote, die an Sandelholz und Weihrauch erinnert. Anders als bei vielen schottischen Brennereien entsteht dieser Charakter nicht aus einer Standardrezeptur, sondern aus der Kombination mehrerer Destillate und Fasstypen, die Brennmeister und Blender gezielt zusammenführen.
Fazit
Yamazaki ist historisch der Ausgangspunkt des japanischen Whiskys und stilistisch ein Beispiel dafür, wie viel Spielraum eine einzelne Brennerei bietet. Interessant ist sie für alle, die Single Malts mit Mizunara-Würze und weichem Charakter suchen. Die starke Nachfrage hat die Verfügbarkeit älterer Abfüllungen allerdings spürbar eingeschränkt, wer sie probieren will, braucht Geduld.