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Die Geschichte des japanischen Whiskys: Von Yamazaki bis zur Weltspitze

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Zwei Kupferbrennblasen senden getrennte dunkle Wege aus, die sich in einem leuchtenden hohen Whiskyglas wieder vereinen.

Als Japans erste Malt-Brennerei gebaut wurde, hatte das Land kaum Erfahrung mit schottischem Whisky-Handwerk. Dass daraus ein Jahrhundert später eine der gefragtesten Whisky-Nationen der Welt wurde, ist keine gerade Erfolgsgeschichte: Auf einen Boom folgte ein Absturz, auf den Absturz eine überraschende Wiederauferstehung im Highball-Glas. Wer den japanischen Whisky von heute verstehen will, muss mit zwei Männern beginnen, die sich später trennten.

Torii, Taketsuru und die erste Brennerei

Shinjiro Torii gründete 1899 in Osaka ein Handelshaus für westliche Spirituosen und Weine und rief 1921 die Firma Kotobukiya ins Leben, aus der später Suntory hervorging. Das nötige Handwerk für einen Whisky nach schottischem Vorbild fehlte ihm allerdings. Es brachte Masataka Taketsuru mit: Er hatte ab Dezember 1918 in Glasgow Chemie studiert, danach in schottischen Brennereien hospitiert, darunter Longmorn, Bo'ness und Hazelburn in Campbeltown, und seine Beobachtungen in den berühmten „Taketsuru Notes“ festgehalten. 1920 kehrte er mit seiner schottischen Frau Rita Cowan nach Japan zurück, arbeitete zunächst bei Settsu Shuzo und wechselte im Juni 1923 zu Kotobukiya.

Im selben Jahr begann der Bau der Yamazaki Distillery bei Osaka und Kyoto, der ersten kommerziellen Malt-Brennerei des Landes. Nach Nikkas Darstellung war sie im November 1924 fertiggestellt, andere Quellen nennen 1924 als Jahr des Brennstarts. Der erste Whisky, der „Shirofuda“ („White Label“), kam 1929 auf den Markt. Er stieß nach Branchenberichten im Heimatmarkt auf wenig Gegenliebe, weil der Geschmack vieler Japaner leichtere Aromen bevorzugte. Der große Verkaufserfolg gelang erst mit dem Blend Suntory Kakubin, der 1937 erschien.

1934: Die Wege trennen sich

Taketsuru verließ Kotobukiya 1934 und gründete im Juli die Dai Nippon Kaju („Große Japanische Fruchtsaft-Gesellschaft“) im Küstenort Yoichi auf Hokkaido. Er hatte die Gegend gewählt, weil Klima und Landschaft ihn an Schottland erinnerten. Weil ein Whisky Jahre reifen muss, sicherten zunächst Apfelprodukte die Einnahmen; die Brennerei Yoichi war im Oktober 1934 fertig, 1936 begann die Whisky-Produktion, und 1940 erschien der erste Whisky unter dem Namen Nikka. Mehr dazu im Porträt der Yoichi Distillery.

Aus dem Bruch entstanden die beiden Traditionslinien, die den japanischen Whisky bis heute prägen: Suntory mit eher weichen, harmonischen Profilen, Nikka mit kräftigerem, schottisch geprägtem Stil. Beide Häuser erweiterten ihre Kapazitäten: Nikka eröffnete 1969 die zweite Brennerei Miyagikyo bei Sendai, Suntory 1973 die Brennerei Hakushu in den Bergen.

Boom und Absturz

In der Nachkriegszeit wurde Whisky zum Massengetränk. Suntory bewarb den Highball in den Torys-Bars der 1950er-Jahre, und der Blend Suntory Old stieg zu einer Verkaufsgröße auf: 1970 rund eine Million Kisten, 1980 laut nippon.com 12,4 Millionen. Der Verbrauch in Japan erreichte 1983 seinen Höhepunkt.

Danach ging es bergab. Shochu überholte den Whisky binnen weniger Jahre, und Whisky verlor an Boden gegenüber leichteren Getränken. Um das Jahr 2000 war der Konsum nach nippon.com auf etwa ein Viertel des Spitzenwerts geschrumpft; andere Darstellungen nennen für 2007 sogar nur ein Sechstel.

Highball-Revival und Weltruhm

Die Wende kam 2008. Suntory trat mit einer großen Kampagne für den „Kaku-Highball“ an: Whisky mit viel Soda und Eis, niedrig im Alkohol und passend zum Essen. Der Spruch „Toriaezu, Highball“ lehnte sich an den Bier-Klassiker „Toriaezu, nama“ an. Wirtschaftspresse und Fachmagazine berichteten vom ersten Wachstum des Whisky-Marktes nach rund 25 Jahren. Wie das Getränk funktioniert, beschreibt der Artikel Highball und Mizuwari.

Parallel kam internationale Anerkennung: 2001 gewann Nikkas Yoichi 10 Jahre bei den Whisky Magazine Awards den Titel „Best of the Best“, 2003 holte ein Yamazaki Gold bei der International Spirits Challenge. Um 2014/15 kürte die „Whisky Bible“ von Jim Murray einen Yamazaki Sherry Cask zum Whisky des Jahres. 2014 erzählte die NHK-Serie „Massan“ die Geschichte Taketsurus und seiner Frau und steigerte die Popularität zusätzlich. 2008 ging außerdem mit Chichibu die erste neue Brennerei seit rund 35 Jahren an den Start.

Knappheit und die Frage nach der Echtheit

Die Nachfrage überholte den Bestand. Suntory führte 2015 den Blend Hibiki Japanese Harmony ohne Altersangabe ein, die Hibiki-Abfüllungen mit Altersangabe verschwanden nach und nach aus dem Sortiment. Ende 2018 stoppte Beam Suntory den Verkauf von Hakushu 12 und Hibiki 17 wegen „Produktionsengpässen“. Ältere Abfüllungen wie der Yamazaki 12 Jahre sind seitdem vielerorts schwer zu bekommen. Das gehört zum größeren Trend zu Abfüllungen ohne Altersangabe (siehe NAS-Whisky).

Die Knappheit brachte ein weiteres Problem ans Licht: Weil „Japanese Whisky“ lange nicht definiert war, wurde mancher Blend mit importiertem Auslandswhisky gestreckt. Erst 2021 legte die Branche freiwillige Regeln fest, die seit April 2024 vollständig gelten. Sie sind Thema des Artikels Was darf sich „Japanese Whisky“ nennen?. Wer die ältere Entwicklung des Whiskys insgesamt nachlesen möchte, findet sie in der Geschichte des Whiskys. Warum die seltene japanische Eiche in der Whisky-Welt eine Sonderrolle einnimmt, erklärt der Artikel Mizunara-Eiche: Das Holz, das japanischen Whisky prägt.