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Aberlour Distillery – Speyside

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Aberlour liegt in Charlestown of Aberlour im Herzen der Speyside, dort, wo der Lour Burn in den River Spey fließt. Die heutige Anlage geht auf das Jahr 1879 zurück, als der örtliche Geschäftsmann James Fleming die Brennerei neu errichten ließ; nach einem großen Brand 1898 wurde sie wiederaufgebaut. Seit den 1970er-Jahren gehört sie zum französischen Konzern Pernod Ricard, heute geführt über die Tochter Chivas Brothers. Der Stil gilt als weich, malzig, fruchtig und ungetorft. Prägend ist die Arbeit mit Sherryfässern, von der zugänglichen Double-Cask-Reihe bis zur in Fassstärke abgefüllten A’bunadh-Linie.


Überblick

  • Name: Aberlour Distillery
  • Ort: Charlestown of Aberlour, Moray, Schottland
  • Gegründet: 1879 (Neubau durch James Fleming; ein Vorgänger gleichen Namens bestand schon ab 1826)
  • Region: Speyside
  • Besitzer: Chivas Brothers (Tochter von Pernod Ricard)
  • Typ: Single Malt Scotch Whisky, ungetorft, sherrybetont

Historische Entwicklung

Jahr Ereignis
ca. 1826 Eine frühere Brennerei gleichen Namens nimmt den Betrieb auf; die Quellen nennen als Gründer unter anderem Peter Weir und James Gordon
1879 James Fleming errichtet die Brennerei am Lour Burn neu; produziert wird ab Ende 1880
1892 Fleming verkauft an die Firma Robert Thorne & Sons
1898 Ein schwerer Brand zerstört große Teile der Anlage und der Lagerbestände; der Wiederaufbau folgt, geplant vom Architekten Charles Doig
ca. 1920er–1945 W. H. Holt & Sons übernehmen den Betrieb; 1945 folgt S. Campbell & Sons, das spätere Campbell Distillers
1974/75 Pernod Ricard übernimmt Campbell Distillers und damit Aberlour (das Jahr wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben)
2001 Aberlour gehört nun zu Chivas Brothers, der Whiskysparte von Pernod Ricard
2018 Mit Casg Annamh erscheint eine weitere Batch-Linie neben dem A’bunadh
Heute Aberlour zählt zu den bekanntesten Sherry-Speyside-Marken und empfängt Besucher auf Führungen

Besonderheiten bei der Herstellung

Quellwasser und Gerste

Die Quelle des Brauwassers wird unterschiedlich benannt: Fachquellen sprechen von St. Drostan’s Well, der Hersteller selbst nennt die Birkenbush-Quellen. Nach Herstellerangaben stammt die Gerste von Höfen im Umkreis von rund 15 Meilen. Die Bodenmälzerei wurde laut Besucherinformationen 1962 stillgelegt; verarbeitet wird ungetorftes Malz.

Maischen, Gärung und Brennblasen

Fachquellen nennen einen Semi-Lauter-Maischebottich und sechs Washbacks aus Edelstahl mit rund 48 Stunden Gärzeit. Die Anlage umfasst vier Brennblasen in zwei Paaren: je zwei Wash Stills und zwei Spirit Stills, wobei die beiden Spirit Stills unterschiedlich groß sind. Ihre Zahl wurde 1973 von zwei auf vier verdoppelt.

Sherryfass-Politik

Das Haus reift den Großteil seiner Abfüllungen in einer Kombination aus Sherryfässern aus europäischer Eiche und amerikanischen Bourbonfässern. „Double Cask“ vermählt beide Fassarten. Die A’bunadh-Linie dagegen reift ausschließlich in Oloroso-Sherryfässern und kommt unverdünnt in den Verkauf.

Batch-Linien: A’bunadh und Casg Annamh

Der A’bunadh (gälisch sinngemäß „vom Ursprung“) trägt statt einer Altersangabe eine Batch-Nummer; die Stärke schwankt je nach Charge. Casg Annamh („seltenes Fass“) kam 2018 als Batch 1 auf den Markt, mit 48 % vol. und einer Reifung in Sherry-, Bourbon- und Refill-Fässern. Sie gilt als zugänglichere Schwester des A’bunadh.


Produkte & Charakter

Produkt Alkoholvolumen Charakteristik
Aberlour 12 Jahre Double Cask 40 % Weiche Sherrysüße mit Trockenfrucht und Karamell auf malziger Basis
Aberlour 14 Jahre Double Cask 40 % Etwas mehr Tiefe als der Zwölfjährige, mit dunkler Frucht und Gewürz
Aberlour 16 Jahre Double Cask 43 % Dichter und würziger, mit reifer Frucht und Eichenanteil
Aberlour 18 Jahre 43 % Reifer Malt mit Trockenfrucht, Holzwürze und langem Nachhall
Aberlour A’bunadh rund 59–61 % (je nach Batch) Dunkler Sherrycharakter mit Rosinen, Gewürzen und öliger Textur
Aberlour Casg Annamh 48 % Fassstark-nahe Batch-Abfüllung mit Sherrysüße und Bourbonfrische

Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Aberlour 12 Jahre Double Cask und Aberlour A’bunadh.


Stil & Wiedererkennungswert

Aberlour fällt durch eine runde, warme Sherrysüße auf, die sich vom leichten, blumigen Speyside-Klischee abhebt. Der Malt ist mittelschwer mit Malz, Frucht und einem Hauch schwarzer Johannisbeere. Wichtig ist die Doppelstrategie: Die Double-Cask-Reihe bleibt bewusst zugänglich, während der A’bunadh zeigt, wie sich dasselbe Destillat in Fassstärke und reiner Sherryreifung präsentiert.

Weil A’bunadh und Casg Annamh aus wechselnden Fassauswahlen entstehen, unterscheiden sich die Chargen, was sie für Sammler und Vergleichsverkoster interessant macht.


Fazit

Aberlour eignet sich für alle, die Sherrystil ohne Schwere suchen, und für Neugierige, die den Weg von der 40-Prozent-Einstiegsflasche zur Fassstärke nachvollziehen möchten. Die Brennerei überzeugt weniger durch Spektakel als durch eine klare Linie. Wer Rauch oder Extreme sucht, wird andernorts fündig; wer einen verlässlichen Sherry-Speysider möchte, ist hier richtig.