Scotch Whisky

BenRiach The Original Twelve

4/5 Redaktionsbewertung
46 % vol.MittelklasseDrei Fasstypen: Ex-Bourbon-, Ex-Sherry- und Ex-PortweinfässerLongmorn bei Elgin, Speyside, Schottland
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BenRiach The Original Twelve – Drei Fasstypen, ein unrauchiger Zwölfjähriger

Der BenRiach The Original Twelve ist der unrauchige Zwölfjährige der Brennerei aus der nördlichen Speyside bei Elgin. Er reift in drei Fasstypen – Ex-Bourbon, Ex-Sherry und Ex-Portwein – und wird mit 46 % vol. abgefüllt. Wichtig für die Orientierung: Eingeführt wurde er im Herbst 2020 unter dem Namen „The Original Twelve“; führt die Brennerei ihn inzwischen schlicht als „The Twelve“. Gemeint ist dieselbe Abfüllung (46 % vol., dieselben drei Fasstypen) in der unrauchigen Kernreihe von BenRiach, neben der rauchigen Schwester, dem BenRiach The Smoky Twelve.

Geschichte: Gründung, lange Pause und zwei Neustarts

BenRiach wurde 1898 von John Duff gegründet, der auch die benachbarte Longmorn-Brennerei besaß; eine private Bahnlinie, auf der eine Dampflok namens „Puggy“ Kohle, Gerste, Torf und Fässer beförderte, verband beide Betriebe. Schon 1900 endete der Aufschwung: Mit der Insolvenz des Großabnehmers Pattisons brach der Markt weg, die Destillation ruhte für 65 Jahre. Nur die Mälzerei lief weiter und belieferte Longmorn. 1965 nahm Glenlivet Distillers die Brennerei wieder in Betrieb, 1978 kaufte Seagram sie, und mit Seagram kam sie 2001 zu Pernod Ricard, wo sie nur noch rund drei Monate im Jahr lief.

Den zweiten Neustart brachte 2004 ein Käufer-Trio: die Südafrikaner Geoff Bell und Wayne Keiswetter gemeinsam mit dem Branchenkenner Billy Walker. Sie füllten aus vorhandenen Beständen eigene Single Malts ab, darunter viele Fassabfüllungen und Finishes, und holten 2007 den Titel „Distillery of the Year“ des Magazins Malt Advocate. Später kamen GlenDronach (2008) und Glenglassaugh (2013) zum Unternehmen; 2016 verkaufte es alle drei an Brown-Forman. Unter der Master Blenderin Dr. Rachel Barrie wurde die Kernreihe im Oktober 2020 neu aufgestellt. Mehr zur Brennerei steht im Porträt BenRiach Distillery – Speyside.

Der BenRiach The Original Twelve im Speziellen

Die Neuaufstellung 2020 umfasste vier Abfüllungen: die unrauchigen Original Ten und Original Twelve sowie die rauchigen Smoky Ten und Smoky Twelve. Der Original Twelve ersetzte den bisherigen Zwölfjährigen und brachte nach Angaben des US-Fachmagazins Whisky Advocate ein neues Geschmacksprofil mit. Rachel Barrie beschreibt ihn als reichen Sherry-Malt, dessen Fruchtschichten mit zwölf Jahren ihren Höhepunkt erreichen.

Die Stärke von 46 % vol. liegt drei Punkte über dem BenRiach The Original Ten; dazu kommt als Unterschied das Portfass statt des Virgin-Oak-Anteils. Die Destillate reifen nach Angaben von Rezensenten zunächst getrennt in Sherry-, Bourbon- und Portfässern und werden nach mindestens zwölf Jahren vermählt. Nach der Beschreibung eines Testers ist der Malt nicht kühlgefiltert und naturfarben; auf der Herstellerseite wird die Farbe als natürlich vom Fass stammend bezeichnet, zur Kühlfiltrierung findet sich dort keine Angabe. Preislich liegt er in der Mittelklasse, eine Stufe über dem Zehnjährigen.

Herstellung: Bodenmälzerei und zwei Stile

Auffällig an BenRiach ist die Vielfalt unter einem Dach. Die Brennerei arbeitet sowohl mit ungetorftem als auch mit getorftem Malz, was in der Speyside unüblich ist, und betreibt eine eigene Bodenmälzerei. Sie wurde 1996 stillgelegt und Anfang der 2010er-Jahre wiedereröffnet; nach Angaben der Brennerei zählt BenRiach damit zu den wenigen Schottlands, die noch auf Böden mälzen. Der Raum wird nur wenige Tage im Jahr betrieben, Gerste wird gequollen auf dem Boden verteilt und regelmäßig gewendet, bevor sie unter einer funktionstüchtigen Pagode getrocknet wird. Die Menge ist laut Berichten zu klein für den Wochenbedarf und geht daher nur anteilig in die normale Produktion ein – wie viel davon im Twelve steckt, ist nicht belegt.

Gebrannt wird in zwei Wash Stills und zwei Spirit Stills; das Brauwasser stammt aus den Burnside Springs, die Kapazität liegt bei rund 1,3 Millionen Litern Alkohol im Jahr. Der Twelve selbst ist ausdrücklich unrauchig; der Hersteller gibt als Rauchgrad „null“ an.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Goldenes Bronze bis sattes Bernstein, naturfarben.
  • Nase: Ahornhonig und Kakao mit gebackenen Waldfrüchten; dazu je nach Tester saftige Orange, Rosinen und Vanille, Pfirsich, Ananasbonbon, Sternanis und ein Hauch Kirschtabak.
  • Gaumen: Maraschinokirsche, gebackene Orange und Haselnuss; weiter Toffee, Fruchtkuchen, cremige Vanille und Aprikose, begleitet von Pfeffer, Ingwer und Zimt sowie einer Spur dunkler Schokoladenbitterkeit. Der Körper ist eher leicht und cremig.
  • Abgang: Mittellang bis lang, mit Sultaninen, gewürztem Mokka, Zimt und Trockenfrucht; mehrere Tester notieren zudem Minze, Papaya oder grünen Apfel gegen Ende.

Genuss-Empfehlung

Der Twelve eignet sich gut als Alltags-Dram und schmeckt pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur am besten. Wegen der moderaten Stärke von 46 % vol. verträgt er einen Tropfen stilles Wasser, der die Honig- und Kakaonoten betont. Ein großer Eiswürfel ist möglich, nimmt aber einiges an Cremigkeit. Kulinarisch passen Apfelkuchen, Nussgebäck, Panettone oder ein Stück Zartbitterschokolade mit Haselnuss, deren Süße und Röstnoten sich mit Ahornhonig und Kakao verbinden. Zu herzhaften Speisen passt gereifter Gouda oder ein Hähnchen mit Backobst-Füllung, das die Fruchtschichten des Whiskys aufgreift.

Fazit

Der BenRiach The Original Twelve ist ein solider, zugänglicher und fruchtiger Speyside-Malt mit sauberem Aufbau: Bourbon-, Sherry- und Portfässer ergeben ein Bild aus Vanille, Backobst, Kakao und roter Frucht. Die Kritik ist nicht einheitlich – ein Tester sah ihn kaum vom Original Ten entfernt und hielt den günstigeren Zehnjährigen für das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis, ein anderer lobte seine Komplexität; bewertet wurde er mit 91 Punkten bei einem Magazin, mit rund 84 Punkten in einer Community-Wertung. Wir ordnen ihn deshalb bei 4 Punkten ein. Wer es unrauchig, süß und fruchtig mag, liegt hier richtig; wer Rauch sucht, nimmt den BenRiach The Smoky Twelve, und wer es günstiger und etwas schlichter will, den BenRiach The Original Ten.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße4/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit4/5
Würze/Eiche3/5

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