BenRiach The Smoky Twelve – Rauch als Gewürz, nicht als Hauptdarsteller
Wer an getorften Schotten denkt, landet meist auf Islay. Der BenRiach The Smoky Twelve stammt dagegen aus dem Norden der Speyside bei Elgin und zeigt, dass Rauch auch in einer Region funktioniert, die für Obst, Blüten und Malz bekannt ist. Der Malt reift mindestens zwölf Jahre, wird mit 46 % vol. abgefüllt und kombiniert drei Fasstypen, darunter ein für Scotch ungewöhnliches Marsala-Weinfass. Nach Einschätzung eines Fachportals setzt BenRiach bei dieser Abfüllung bewusst auf das Wort „Rauch“ statt „Torf“, um Skeptiker nicht abzuschrecken.
Geschichte: Vom Zulieferer zur Marke der Brown-Forman-Gruppe
BenRiach wurde 1898 gegründet und nach einer langen Pause 1965 wieder in Betrieb genommen. Die Brennerei arbeitete danach jahrzehntelang vor allem für Blends. Als sich 2004 eine Investorengruppe mit dem Branchenkenner Billy Walker an der Spitze der Brennerei annahm, wurden Single Malts unter dem eigenen Namen in großer Vielfalt abgefüllt. Aus dieser Zeit stammt auch die Beziehung zu GlenDronach und Glenglassaugh, die später ebenfalls unter einem Dach standen. Seit 2016 gehört das Trio zu Brown-Forman, dem Konzern hinter Jack Daniel's; Dr. Rachel Barrie, zuvor bei Glenmorangie und Ardbeg tätig, verantwortet als Master Blenderin die Fassauswahl. Zur heutigen Kernrange zählen entsprechend zwei Zwölfjährige: ein unrauchiger und der hier beschriebene rauchige.
Gründung, Besitzer und Hausstil der Brennerei beschreibt das Porträt BenRiach Distillery – Speyside.
Der BenRiach The Smoky Twelve im Speziellen
Gegenüber dem zehnjährigen Smoky-Bruder setzt der Zwölfjährige auf eine andere Dramaturgie: Statt Rum und Virgin Oak kommen laut Hersteller- und Händlerangaben Ex-Bourbon-Fässer, Sherryfässer und Fässer zum Einsatz, in denen zuvor Marsala reifte, der sizilianische Likörwein. Das Ergebnis wirkt weicher und dunkler, mit mehr Gewürz- und Trockenfruchtanteil. Mehrere Tester beschreiben den Rauch als zurückhaltend, teils sogar erst im Abgang deutlich; wer kräftigen Torf sucht, wird nach Meinung eines Rezensenten leicht enttäuscht sein. Die Abfüllung steht preislich eine Stufe über der Zehnjährigen, bleibt aber im Rahmen einer klassischen Mittelklasse-Flasche. Wer die Wirkung des Rauchs innerhalb derselben Brennerei nachvollziehen möchte, kann den unrauchigen BenRiach The Original Ten daneben stellen.
Herstellung: Torf in der Speyside, eine Minderheit mit Tradition
Torf ist in der Speyside die Ausnahme, doch BenRiach ist ein Sonderfall. Nach Angaben der Fachpresse wird dort seit 1972 getorftes Malz verarbeitet, was die Brennerei zu einem der ältesten kontinuierlichen Produzenten rauchiger Single Malts der Region macht. Ziel war damals, einen Stil des 19. Jahrhunderts nachzubilden, als Gerste noch über Torffeuer getrocknet wurde und Rauch in den meisten schottischen Whiskys selbstverständlich war. Dieser historische Hintergrund hilft beim Einordnen des Smoky Twelve: Er imitiert keinen Islay-Malt, sondern bedient die ältere Speyside-Tradition. Wie Rauch und Region zusammenhängen, vertieft der Stilvergleich Speyside gegen Islay.
Zur Intensität gehen die Angaben auseinander. Eine Fachseite nennt für den getorften Anteil rund 45 ppm Phenole, eine andere deutlich niedrigere Werte; hinzu kommt, dass der Whisky aus einer Mischung getorfter und ungetorfter Partien besteht, die Zahl also nur bedingt etwas über den Rauch im Glas aussagt. Der Beitrag über getorften Whisky und ppm erklärt, warum. Zusätzlich verweist ein Händler darauf, dass der Rauchmalzanteil aus der hauseigenen Bodenmälzerei stamme und nur einen Monat im Jahr produziert werde; dazu passt, dass die Mälzerei laut mehreren Quellen 2013 für saisonale Produktion wieder in Betrieb genommen wurde, ihr heutiger Status aber unklar ist.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Bernsteinfarbenes Gold mit leicht rötlichem Schimmer.
- Nase: Geräucherte Vanille, Orangen, geröstete Mandeln und Glut aus einem Holzfeuer, im Hintergrund etwas Trockenfrucht.
- Gaumen: Dunkle Schokolade, kandierte Fruchtschale, brauner Zucker und Räucher-Eiche, in einzelnen Beschreibungen auch gewürzter Früchtekuchen und tropische Frucht.
- Abgang: Anhaltend rauchig nach Kakao und Orange, mit leichter Prickelnote und, je nach Tester, gegrillter Ananas oder Aprikose.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas zeigt der Smoky Twelve seine Schokoladen- und Orangenseite am deutlichsten; ein paar Tropfen Wasser lockern den Rauch auf, ohne ihn zu verwässern. An kühlen Abenden macht er sich gut zu einem Stück Zartbitterschokolade mit Orangenöl, zu gereiftem Gouda oder zu gebratenen Maronen. Als Longdrink-Basis ist er für einen Whisky Highball eher zu schade, in einem Old Fashioned mit einem Spritzer Orangenbitter lässt er sich aber überzeugend einsetzen, weil die Sherry- und Marsala-Seite zum Bitterton passt.
Einordnung & Alternativen
- Highland Park 12 Jahre – ebenfalls ein behutsam rauchiger Zwölfjähriger, aber mit Heidehonig und Orkney-Charakter statt Sherry-Marsala-Süße.
- Talisker 10 Jahre – pfeffrig und maritim, mit deutlich mehr Biss als der Smoky Twelve.
- Ardbeg 10 Jahre – der klare Sprung zum kräftigen Islay-Torf für alle, denen der BenRiach zu sanft ist.
Fazit
Der BenRiach The Smoky Twelve richtet sich an Trinker, die Rauch mögen, aber keine Medizinnote und keine Salzluft erwarten. Er ist eher ein Sherry-Whisky mit Rauchakzent als ein Torf-Whisky mit Fassnote, was seine Stärke ist: Die Kombination aus dunkler Schokolade, Orange und Räucherholz wirkt stimmig und reifer als manche NAS-Flasche. Dass der Rauch teilweise erst spät auftaucht, kann Puristen enttäuschen. Mit 4.2 bekommt er für seine Preisklasse eine gute, aber keine herausragende Bewertung: ein sauber gemachter, zugänglicher Malt für alle, die den Einstieg in getorfte Whiskys abseits von Islay suchen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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