Die Bladnoch Distillery liegt am gleichnamigen Fluss nahe Wigtown in Galloway im Südwesten Schottlands und gilt als südlichste Whiskybrennerei des Landes. Sie steht für den klassischen Lowland-Charakter: leicht, grasig, floral und zitrusfrisch. Gegründet wurde sie 1817, doch ihre Geschichte ist eine Abfolge von Stilllegungen und Neuanfängen. Seit 2015 gehört Bladnoch dem australischen Unternehmer David Prior, und seit 2017 wird nach einem Umbau wieder gebrannt.
Überblick
- Name: Bladnoch Distillery
- Ort: Bladnoch bei Wigtown, Dumfries and Galloway, Schottland
- Gegründet: 1817 (John und Thomas McClelland)
- Region: Lowlands
- Besitzer: Bladnoch Distillery Ltd unter David Prior (seit 2015)
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, ungetorft und leicht
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1817 | Die Brüder John und Thomas McClelland gründen die Brennerei auf ihrem Hof am Fluss Bladnoch |
| 1911 | Wm Dunville & Co. übernimmt die Brennerei |
| 1949–1957 | Die Whiskyproduktion ruht, Wiederaufbau und Neustart folgen Mitte der 1950er-Jahre (je nach Quelle 1956 oder 1957) |
| 1973–1987 | Es folgen mehrere Besitzerwechsel, darunter Inver House, Arthur Bell & Sons und United Distillers |
| 1993 | United Distillers legt die Brennerei still |
| 1994/95 | Der nordirische Geschäftsmann Raymond Armstrong kauft Bladnoch (je nach Quelle 1994 oder 1995) |
| 2000 | Unter Armstrong läuft die Produktion wieder an |
| 2009–2015 | Die Brennerei wird eingemottet, die Betreibergesellschaft geht in die Insolvenz, im Juli 2015 kauft David Prior aus dem Verwaltungsverfahren |
| 2017 | Nach Modernisierung läuft die Destillation wieder; die Limited Releases Samsara, Adela und Talia erscheinen |
Besonderheiten bei der Herstellung
Lage und Wasser
Bladnoch liegt in der Region Machars am Fluss Bladnoch, aus dem das Wasser stammt. Die Brennerei ist eine von wenigen aktiven Lowland-Brennereien. Sie wirbt selbst mit dem Satz, die älteste unabhängig geführte Scotch-Brennerei zu sein.
Anlage
Nach dem Umbau arbeitet die Brennerei mit Wash und Spirit Stills aus Kupfer sowie einem Maischebottich und Gärbottichen aus Douglasienholz. Die Angaben zu Größe und Zahl der Brennblasen unterscheiden sich je nach Quelle, auch weil die Anlage 2017 erneuert wurde. Sicher ist, dass in kleinem Maßstab und mit einem eher leichten Spirit gearbeitet wird.
Fassreifung
Bladnoch füllt seine Whiskys überwiegend in nicht kühlgefilterter Form und ohne Farbstoff ab. Verwendet werden Ex-Bourbon-Fässer, Sherryfässer und für einzelne Abfüllungen Rotweinfässer, etwa beim Samsara. Für die älteren Abfüllungen greift die Brennerei auf Fässer zurück, die vor dem Neustart 2017 befüllt wurden, etwa unter Armstrong. Das erklärt, warum 15- und 25-jährige Bladnoch schon kurz nach der Wiedereröffnung erscheinen konnten.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Bladnoch 10 Jahre | 46,7 % | Leichter Lowlander mit grasiger Süße, Zitrus und Stachelbeere |
| Bladnoch Samsara | 46,7 % | Ohne Altersangabe, Ex-Bourbon- und Rotweinfass; cremig mit Vanille und Frucht |
| Bladnoch Vinaya | 46,7 % | Ohne Altersangabe, First-Fill-Bourbon und First-Fill-Sherry |
| Bladnoch 15 Jahre Adela | 46,7 % | Oloroso-Sherry-Reifung; aus der ersten Limited-Release-Reihe von 2017 |
| Bladnoch 25 Jahre Talia | je nach Abfüllung | Mindestens 25 Jahre gereift, daher aus der Zeit vor dem Neustart; limitiert |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Bladnoch 10 Jahre.
Stil & Wiedererkennungswert
Bladnoch gehört zu den Malts, die den Lowland-Begriff greifbar machen. Weich, grasig, mit Zitrus und floralen Noten, ohne Torf und ohne schwere Gewürze. Wer den Stil mit dem dreifach destillierten Auchentoshan vergleichen möchte, findet im Porträt zur Auchentoshan Distillery einen Vertreter mit etwas anderer Herstellung, aber ähnlicher Leichtigkeit.
Auffällig ist die Wiederbelebung: Seit 2015 setzt Bladnoch auf klare Linien, nicht kühlgefilterte Abfüllungen mit 46,7 % und eine Mischung aus Altbeständen und neuer Produktion. Die Verbindung aus langer Geschichte, abgelegener Lage in Galloway und einem Eigentümer, der die Marke gezielt neu aufstellt, macht die Brennerei zu einem interessanten Fall unter den Lowlands. Dass die Lowlands insgesamt nur noch wenige aktive Brennereien zählen, erhöht den Wiedererkennungswert zusätzlich.
Fazit
Bladnoch ist für alle gedacht, die leichte, frische Whiskys schätzen und gern Brennereien mit Geschichte probieren. Der 10 Jahre ist der naheliegende Einstieg, weil er den Lowland-Stil ohne Umwege zeigt. Wer kräftige Fass- oder Raucharomen sucht, wird hier weniger fündig; wer einen sauberen, zugänglichen Malt sucht, schon. Nach den Stillständen von 1993 und 2009 bis 2015 ist die Brennerei erst seit 2017 wieder im vollen Betrieb.

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