Scotch Whisky

Bladnoch Vinaya Single Malt

4/5 Redaktionsbewertung
46.7 % vol.MittelklasseFirst-Fill-Bourbon- und First-Fill-Sherryfässer, ohne AltersangabeBladnoch bei Wigtown, Galloway, Schottland
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Bladnoch Vinaya – Lowland-Frische mit Schokoladenkante

Der Bladnoch Vinaya zeigt, wie ein Lowland-Malt aussieht, wenn zur grasigen Leichtigkeit der Region eine zweite Fassebene dazukommt. Er stammt aus der Brennerei Bladnoch bei Wigtown im Südwesten Schottlands und trägt keine Altersangabe. Stattdessen setzt die Abfüllung auf die Kombination zweier Fasstypen: Bourbon und Sherry, jeweils im ersten Befüllungsgang.

Das Ergebnis bleibt ein leichter, ungetorfter Whisky, hat aber mehr Körper und Süße als viele klassische Lowlander. Wer den Stil der Region kennenlernen will, ohne auf Würze und etwas Schokolade zu verzichten, findet hier einen zugänglichen Einstieg.

Geschichte: Eine Brennerei mit Unterbrechungen

Bladnoch wurde 1817 von den Brüdern John und Thomas McClelland am gleichnamigen Fluss gegründet und gilt als südlichste Brennerei Schottlands. Seitdem wechselte der Betrieb mehrfach den Besitzer und stand wiederholt still. 1993 legte der damalige Eigentümer United Distillers die Anlage still, der nordirische Geschäftsmann Raymond Armstrong übernahm sie in den 1990er-Jahren und nahm die Produktion um 2000 wieder auf. Nach der Schließung der Betreibergesellschaft 2014 erwarb 2015 der australische Unternehmer David Prior die Brennerei. Seit 2017 wird nach dem Umbau wieder gebrannt.

Für das Handwerk ist Dr. Nick Savage zuständig, der als Master Distiller die Fässer auswählt und kombiniert. Der Vinaya wurde 2021 weltweit vorgestellt, als größte internationale Veröffentlichung der Brennerei seit dem Neustart. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Bladnoch Distillery.

Der Vinaya im Speziellen

Der Name stammt laut Hersteller aus dem Sanskrit und bedeutet Respekt und Dankbarkeit; er soll an die Gründer der Brennerei erinnern. Hinter der Abfüllung steht die Idee, zwei Fassarten zu verheiraten, die Bladnoch nach eigenen Angaben in dieser Paarung zuvor nicht abgefüllt hatte: First-Fill-Bourbonfässer und First-Fill-Sherryfässer. Welche Sherry-Art in den Fässern lag, nennen die Quellen nicht.

Abgefüllt wird mit 46,7 % vol., nicht kühlgefiltert und ohne Zusatz von Farbstoff. In Einzelquellen tauchen abweichende Stärken auf; maßgeblich ist hier der Herstellerwert. Der Vinaya gehört zum Kernsortiment und steht neben dem Zehnjährigen, den wir getrennt besprochen haben. Während dort die Bourbonreifung die Linie vorgibt, bringt der Vinaya durch das Sherryfass mehr Gewürz und eine dunklere Süße ins Spiel.

Herstellung: Leichter Brand, zwei Fassgenerationen

Der Spirit stammt aus kupfernen Brennblasen und ist bewusst leicht gehalten, ohne Torfeinsatz. Angaben zu Größe und Zahl der Stills unterscheiden sich je nach Quelle, weil die Anlage 2017 erneuert wurde. Entscheidend für den Charakter des Vinaya ist daher weniger der Brand als die Fassarbeit.

Erstbefüllte Fässer geben ihre Aromen deutlich ab: Ex-Bourbon liefert Vanille und Kokos, Ex-Sherry Trockenfrucht, Schokolade und Würze. Weil beide Fassarten zu einem Whisky gemischt werden, bleibt der Grundcharakter des leichten Brandes erhalten, wird aber gerundet. Ein Überblick zu Fasstypen steht in unserem Beitrag zur Fassreifung, zu den Sherryfässern im Besonderen im Beitrag über Oloroso, PX und Fino. Chargenangaben sind je nach Abfüllung unterschiedlich, deshalb können Details im Glas leicht variieren.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Helles Gold, je nach Quelle mit leichtem Kupferschimmer; natürliche Farbe.
  • Nase: Süßes, florales Gras und Heidekraut, dazu grüner Apfel, Honig, Vanille und etwas Zitrus. Im Hintergrund zeigt sich Gerstenzucker, bei manchen Verkostern auch eine zarte Milchschokolade.
  • Gaumen: Zuerst frischer, leicht säuerlicher grüner Apfel, danach Vanille, Karamell und Milchschokolade. Die Textur ist weich und umhüllend, begleitet von pfeffriger Eiche und einem grasigen Unterton.
  • Abgang: Mittellang. Pfeffer und trockene Eiche klingen nach, Karamell und ein Hauch Sherry schließen ab.

Insgesamt wirkt der Vinaya ausgewogen: Er bleibt im Rahmen eines Lowlanders, ist aber kein reiner Frischekick. Die Süße von Honig und Karamell wird durch Pfeffer und Eiche gebremst, sodass er nicht plump wirkt. Rauch fehlt vollständig, und die Fruchtigkeit bewegt sich eher im Bereich Apfel und Birne als im tropischen oder dunklen Spektrum.

Genuss-Empfehlung

Am besten schmeckt der Vinaya pur bei Zimmertemperatur im tulpenförmigen Nosing-Glas. Mit 46,7 % verträgt er einige Tropfen stilles Wasser, die Gras- und Blütennoten treten dann klarer hervor. Eis dämpft die zarten Aromen eher. Wer es länger und leichter mag, kann einen Highball mit Soda und einer Scheibe grünem Apfel mixen, denn die Apfelnote greift die Aromatik des Whiskys auf.

Zum Essen passen milder Hartkäse, Ziegenkäse, gebratenes Hähnchen oder ein Dessert mit Milchschokolade und Birne. Gegrillter Fisch mit Zitrone funktioniert ebenfalls, solange die Würze nicht zu dominant ist.

Einordnung & Alternativen

  • Bladnoch 10 Jahre: Der Hausvergleich aus derselben Brennerei, mit Bourbonreifung und Altersangabe, etwas heller und zitrusbetonter.
  • Glenkinchie 12 Jahre: Ein weiterer Lowlander mit grasig-floralem Profil, schlanker und mit geringerer Abfüllstärke.
  • Auchentoshan American Oak: Dreifach destilliert und noch weicher, mit deutlicher Vanille aus Bourbonfässern, aber ohne Sherrywürze.

Einen Überblick, was den Lowland-Stil ausmacht, liefert unser Beitrag zu Lowlands-Whisky.

Fazit

Der Bladnoch Vinaya richtet sich an Genießer, die Lowland-Whisky mögen, aber etwas mehr Körper und Süße suchen als bei den leichtesten Vertretern. Er ist als Einstieg in die Region gut geeignet, bietet aber genug Würze, um auch Kenner anderer Regionen zu überzeugen. Positiv fallen die natürliche Abfüllung mit 46,7 %, die ausgewogene Fasskombination und die saubere Struktur auf. Abstriche gibt es beim mittellangen Abgang und bei der Komplexität, die eher gefällig als tiefgründig ausfällt. Deshalb 4 Punkte.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche2/5

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