Bunnahabhain Toiteach A Dhà – Der Rauch kommt an die Nordostküste
Wer an Islay denkt, denkt an Medizinschrank, Teer und Lagerfeuer – und an eine Brennerei, die sich diesem Bild seit jeher entzieht: Bunnahabhain bei Port Askaig brennt traditionell ungetorften Malt, der eher nach Meersalz, Nüssen und Trockenfrüchten schmeckt. Der Toiteach A Dhà ist die bewusste Ausnahme. Das gälische „toiteach“ bedeutet „rauchig“, „a dhà“ heißt „zwei“, gemeint ist also etwa „Rauchig Zwei“, die zweite Auflage des ersten getorften Toiteach. Abgefüllt wird er mit 46,3 % vol., ohne Kühlfilterung und ohne Farbstoff.
Geschichte: Eine Brennerei am Ende der Straße
Gegründet wurde Bunnahabhain 1881 an der abgelegenen Nordostküste Islays; der Name bedeutet „Mündung des Flusses“. Hinter der Islay Distillery Company standen William Robertson und die Brüder Greenlees, und bereits 1887 ging die Brennerei an Highland Distilleries. Der Whisky war lange vor allem für Blends gedacht, etwa für Robertson & Baxters Famous Grouse und Cutty Sark. Eine Straße zur Brennerei gibt es erst seit 1960, zuvor lief die Versorgung über das Meer. 1981 stand der Betrieb zeitweise still und lief 1984 wieder an. Im Jahr 2003 übernahm Burn Stewart die Destillerie; deren Mutter Distell ging später in der Heineken-Übernahme auf. Seit April 2023 firmiert das Scotch-Geschäft als CVH Spirits unter Capevin Holdings, zu dem neben Bunnahabhain auch Deanston und Tobermory/Ledaig gehören.
Wer die Destillerie näher kennenlernen möchte, findet im Porträt Bunnahabhain Distillery – Islay Geschichte, Herstellung und Sortiment im Überblick.
Der Bunnahabhain Toiteach A Dhà im Speziellen
Der erste Toiteach erschien um 2013 als limitierte Abfüllung mit 46 % vol. Der Nachfolger, der nach Angaben von Händlern und Testern etwa seit 2019 erhältlich ist, wurde fester Teil des Sortiments: Auf der Herstellerseite steht er heute als getorfte Standardabfüllung neben Sondereditionen und Geschenksets. Er trägt keine Altersangabe. Gereift wird in Ex-Bourbon- und Sherryfässern, wobei der Sherryanteil nach Händlerangaben höher liegt als beim Vorgänger. Verkoster nennen vereinzelt ein Verhältnis von etwa drei Vierteln Sherry- zu einem Viertel Bourbonfässern – eine offizielle Bestätigung dafür fehlt allerdings. Auch ein Alter nennt die Destillerie nicht; Schätzungen im Netz bleiben Spekulation, und die Frische des Destillats ist im Glas durchaus spürbar. Er wird in Deutschland derzeit von Online-Händlern geführt.
Herstellung: Wenn Torf auf ein weiches Destillat trifft
Das Besondere liegt im Zusammenspiel. Bunnahabhains Spirit entsteht in zwei Wash Stills mit je 30.000 Litern und zwei Spirit Stills mit je 15.000 Litern und gilt als mild und fruchtig-nussig. Für den Toiteach wird Gerste verwendet, die über brennendem Torf getrocknet wurde; die Destillerie spricht von „sanftem Rauch, verwoben mit Süße“. Ein ppm-Wert für diese Abfüllung wird nicht offiziell genannt. Das gewöhnliche getorfte Malz der Brennerei (Mòine) wird in einer Quelle mit 35 ppm beziffert, ein Tester schätzt den Toiteach A Dhà auf etwa 40 ppm – beides sind keine Herstellerangaben und daher nur Anhaltspunkte. Wie ppm-Werte zu lesen sind, erklärt Getorfter Whisky und ppm erklärt. Was der Toiteach damit demonstriert: Rauch dominiert hier nicht, er legt sich als Schicht über die typische Bunnahabhain-Süße.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Gold, ohne Farbstoffzusatz.
- Nase: Trockener Torfrauch und kalte Asche, dazu Orangenschale, Walnuss und eine zurückhaltende Sherrysüße; je nach Tester auch Salzkaramell und Honig.
- Gaumen: Zuerst wärmender Rauch, dann süßer Oloroso, Birnen- und Apfelnoten, schwarzer Pfeffer und ein Hauch Meeresbrise. Ölige Textur, mittelkräftiger Körper.
- Abgang: Mittellang bis lang, mit rauchigem Holz, Pfeffer, etwas Kaffee und leichter Salzigkeit.
Genuss-Empfehlung
Pur und bei Zimmertemperatur kommt die Balance aus Rauch und Sherry am besten zur Geltung; ein paar Tropfen stilles Wasser öffnen die Frucht und zähmen den Pfeffer. Als Glas empfiehlt sich ein Nosing-Glas oder ein Tulpenglas, in dem sich die Rauchnote nicht verflüchtigt. Auf Eis wird der Whisky straffer und etwas kantiger. Zum Essen passen gegrillte Jakobsmuscheln, geräucherter Lachs, ein kräftiger Blauschimmelkäse oder ein Stück Bitterschokolade mit Orangenschale. Wer Islay-Rauch bisher als zu wuchtig empfunden hat, findet hier einen angenehmen Einstieg.
Einordnung & Alternativen
- Bunnahabhain 12 Jahre – dieselbe Brennerei im ungetorften Hausstil: salzig, nussig, sherrygeprägt und ohne Rauch, der ideale Gegenpol, um zu erleben, was Torf am selben Destillat verändert.
- Kilchoman Machir Bay – ebenfalls ein Islay-Malt mit Bourbon- und Oloroso-Anteil, bei dem der Torfrauch jedoch deutlich weiter vorn steht und Bourbonfässer klar dominieren.
- Caol Ila 12 Jahre – der klassische Weg zu leichtem Islay-Rauch, trockener und ohne Sherry-Süße.
Fazit
Der Bunnahabhain Toiteach A Dhà ist kein Rauchriese, sondern ein verbindlicher Brückenschlag: Er gibt Einsteigern in getorften Whisky einen weichen Zugang und Kennern eine ungewöhnliche Variation einer sonst ungetorften Brennerei. Die jugendliche Frische und das Fehlen einer Altersangabe verhindern die Spitzennote, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die gelungene Sherry-Torf-Balance rechtfertigen jedoch eine solide Bewertung von 4,2. Empfehlenswert für alle, die Islay mögen, aber nicht jeden Tag eine Ladung Phenol brauchen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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